Holocaust-Leugner wieder vor Gericht in Feldkirch

Vorarlberg / 17.07.2020 • 16:00 Uhr
Holocaust-Leugner wieder vor Gericht in Feldkirch
Bereits in den Jahren 1991 und 2002 wurde der Vorarlberger am Landesgericht Feldkirch zu unbedingten Haftstrafen verurteilt. VN/HB

78-jähriger Vorarlberger Magazin-Herausgeber neuerlich aktiv und nach dem Verbotsgesetz angeklagt.

Feldkirch Geschichte sei ihm wichtig, betonte der bereits 1991 und 2002 am Landesgericht Feldkirch wegen Wiederbetätigung Verurteilte immer wieder. Doch es ist seine Sicht der Dinge, die der Vorarlberger zusammen mit anderen Gleichgesinnten in seiner Zeitschrift publiziert. Er wohnt in einer 400-Seelen-Gemeinde am Rande des Bregenzerwaldes und ruft mit nationalsozialistisch gefärbten Meinungen immer wieder den Verfassungsschutz auf den Plan. So muss sich der Betagte nächste Woche am Dienstag wieder einmal vor dem Schwurgericht verantworten. Ob zu den bereits 15 Vorstrafen eine weitere dazukommt, bleibt abzuwarten. 1991 wurde er in Feldkirch wegen Wiederbetätigung zu drei Jahren Haft und 2002 nochmals zu acht Monaten unbedingt plus 16 Monate auf Bewährung verurteilt.

„Außerirdische Elite“

In dem vom Angeklagten veröffentlichten Druckwerk erschien im Mai 2018 unter der Überschrift „Das Projekt BRD konnte, kann und wird niemals gutgehen“ unter anderem folgender Text: „Ab den 1960er Jahren wurde zwecks immerwährender Versklavung und Ausbeutung eines ohnehin besiegten Volkes die für die auserwählte und außerirdische „Elite“ finanziell höchst lukrative Holocaust-Lüge vorangetrieben. Man merke an: Ob dem sogenannten Holocaust null, sechs, 66 oder 666 Millionen Juden zum Opfer fielen, ist völlig belanglos. . . mit der Holocaust-Lüge begründeten die Juden ihre Forderung und den globalen Plan, die gesamte Menschheit des Planeten nach Deutschland zwecks biologischer Ausrottung zu saugen.“ In seiner Beschuldigtenvernehmung machte der ältere Herr bislang keine Angaben und verweigerte auch die Unterfertigung des Vernehmungsprotokolls.

„Der Angeklagte ist ein Profi“, betonte 2002 Staatsanwalt Franz Pflanzner. Im Zuge der Ermittlungen zum nunmehrigen Prozess wurde Schriftmaterial rund um das Thema Zyklon B, Revisionismus und dergleichen gesichert. Darunter auch Informationen über den 1964 geborenen Chemiker Germar Rudolf, der nach seinen „Interpretationen“ von Giftgas und Vernichtungsmitteln in Deutschland mehrfach verurteilt wurde.