Migration im Land ist wieder europäisch

Vorarlberg / 12.07.2020 • 19:00 Uhr
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90 Prozent der Zuwanderer kommen aus Ländern wie Deutschland und Rumänien.

SCHWARZACH Die Flüchtlingskrise, die 2015 ihren Höhepunkt erreicht hat, ist vorbei. Migration hat sich wieder ganz gewöhnlichen Verhältnissen angenähert. Und das bedeutet, dass sie zu 90 Prozent europäisch ist. Das zeigen Zahlen, die die Statistik Austria für ganz Österreich, aber auch für Vorarlberg erhoben hat.
Im vergangenen Jahr sind 5974 Frauen, Männer und Kinder mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft nach Vorarlberg gezogen, 3912 haben es verlassen. Das ergibt einen sogenannten Wanderungssaldo von 2062.
Staatsbürger klassischer Fluchtländer machen einen verschwindend kleinen Teil davon aus. Bei Syrern belief sich der Wanderungssaldo auf gerade einmal zwölf: 39 sind zu-, 27 weggezogen. Bei Afghanen und Irakern zusammen war die Zahl der Abwanderer überhaupt um 67 größer als die der Zuwanderer.

Ruth Schöffl, Sprecherin des UNHCR-Büros in Österreich, bestätigt, dass die Fluchtbewegungen stark nachgelassen haben: „Alles in allem bewegen wir uns auf einem Niveau wie in den Jahren 2012, 2013.“ Wobei sich das heuer aufgrund der Coronakrise noch verstärken könnte: „Wenn man wirklich flüchten muss, ist es in den letzten Monaten viel schwieriger geworden, Grenzen zu überwinden.“ Weltweit sind sie geschlossen worden.

Oft kein Asyl

Dass besonders Afghanen und Iraker eher wieder abwandern, überrascht nicht: Nur einer Minderheit wird Asyl zuerkannt. Viele müssen wieder gehen. Laut Schöffl sollte man aber nicht unterschätzen, dass es viele auch wieder freiwillig zurück in ihre Heimat zieht: „Wir sehen das immer wieder. Sobald sich die Lage auch nur einigermaßen beruhigt, beginnt eine Rückwanderung. Auch wenn die Unsicherheiten noch groß sind. Sogar nach Syrien gehen die ersten Leute wieder zurück.“

Migration im Land ist wieder europäisch

Im „Flüchtlingsjahr“ 2015 sind rund 1000 syrische Staatsbürger nach Vorarlberg gekommen. Das war auch das einzige Jahr in der jüngeren Geschichte, in dem mehr Nicht-Europäer als Europäer zugewandert sind, wie man bei der Statistik Austria bestätigt.

Gut ein Drittel des Wanderungssaldos von 2062 ist im vergangenen Jahr auf Deutsche entfallen: 1566 sind zugewandert, 933 abgewandert. Das ergibt einen Saldo von 633, der zum Bevölkerungswachstum beigetragen hat. Rumänen folgen mit einem Saldo von 325. Sie profitieren von den Freizügigkeiten im Rahmen der europäischen Integration, können sich innerhalb der EU grundsätzlich niederlassen, um zu arbeiten, wo sie wollen. Auf der anderen Seite weist man bei der Statistik Austria auf einen Rückgang bei traditionellen „Gastarbeiterländern“ wie der Türkei und Teilen Ex-Jugoslawiens hin. Sie stehen nicht nur außerhalb der EU, ihren Bürgern mache es auch ein 2006 verschärftes Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz schwerer, nach Österreich zu kommen.