Kinderonkologie: Warum Enttäuschung nach Gesprächen herrscht

Vorarlberg / 25.06.2020 • 21:00 Uhr
Kinderonkologie: Warum Enttäuschung nach Gesprächen herrscht
Als 2018 das faktische Aus für die Kinderonkologie in Dornbirn kam, gingen viele Menschen auf die Straße, um für den Erhalt zu demonstrieren. VN/Hartinger

Kooperation mit St. Gallen wird nicht ausgeweitet.

bregenz „Ich hätte mir mehr erwartet.“ Andrea Tschofen-Netzer, Sprecherin der Elterninitiative „proKinderonkologie Dornbirn“, zeigte nach dem Gespräch mit Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher am Donnerstagnachmittag offen ihre Enttäuschung. So große Hoffnungen hatten sie und die Eltern in dieses Treffen gesetzt. Konkret ging es um ein Angebot der Klinik in St. Gallen, alle Kinder aus Vorarlberg mit einer onkologischen Erkrankung nach der Erstdiagnose dort zu behandeln bzw. die Behandlung der jungen Patienten durch einen Kinderonkologen aus St. Gallen im Krankenhaus Dornbirn zu ermöglichen. Beiden Vorschlägen wurde laut Tschofen-Netzer von Rüscher aus finanziellen Gründen eine Absage erteilt. Es werden weiterhin nur die Eltern eine Wahlmöglichkeit haben, deren Kinder an Leukämie oder einem Lymphom erkrankt sind. “Das heißt, es wird keine Ausweitung der Kooperation mit St. Gallen geben”, zog Andrea Tschofen-Netzer im VN-Gespräch ein bitteres Resümee nach einem, wie sie sagt, sehr emotionalen zweistündigen Gespräch.

Zehn Neuerkrankungen

Sie hätte den Eltern gerne eine Lösung präsentiert, aber: “Ich muss die Entscheidung des Landes akzeptieren, verstehen kann ich die Haltung jedoch nicht.” Als Elternsprecherin werde sie sich aber weiterhin im Sinne der kranken Kinder für bessere Behandlungsoptionen stark machen, gab sich Tschofen-Netzer kämpferisch. Heuer sind in Vorarlberg zehn Kinder neu an Krebs erkrankt. “Das sind aber nur die, von denen wir wissen”, ergänzt Andrea Tschofen-Netzer. Seit zwei Jahren ist es nicht mehr möglich, Chemotherapien in Dornbirn durchzuführen. Die Kinder müssen dafür nach Innsbruck, wobei die Frage der Übernahme von Transportkosten immer noch ein schwelendes Problem ist.