Lange Wartezeiten, ausverkaufte Modelle: Weiterhin Fahrradboom in Vorarlberg

Coronakrise sorgt weiterhin für Ansturm auf Fahrradläden und -werkstätten.
Schwarzach Es kann dieser Tage mitunter schon etwas länger dauern, bis man bei den Vorarlberger Fahrradhändlern einen Termin bekommt. Der Trend zum Rad ist nämlich weiterhin ungebrochen. Immer mehr Menschen nutzen es für ihre Alltagswege und als Freizeitgerät. Die Coronapandemie kurbelt den Trend an, wie ein VN-Rundruf bei Fahrradhändlern bestätigt. „Besonders der Run auf E-Bikes ist enorm“, bestätigt Thomas Kofler vom Radhaus Rankweil. Eine weitere Beobachtung von Kofler: Viele haben das Fahrradfahren wieder für sich entdeckt: „Sie holen ihre alten Räder aus dem Keller oder der Garage und müssen sie zuerst wieder auf Vordermann bringen.“ Für die Händler hat nach der coronabedingten Zwangspause und den damit einhergehenden Umsatzeinbußen eine Aufholjagd begonnen. Für die Kunden bringt das insbesondere bei kleineren Fahrradläden oft Wartezeiten mit sich.

Andrea Bachmann von Radsport Bachmann in Bürs hat derzeit alle Hände voll zu tun: „Es ist wirklich extrem“, fasst sie die vergangenen Wochen zusammen. „Man merkt einfach, dass die Leute jetzt vermehrt für den Urlaub zuhause Räder kaufen.“ Nicht nur bei Reparaturen muss man als Kunde mitunter Geduld haben, auch bei Neuanschaffungen kann es zu Verzögerungen bei der Lieferung kommen: „Manche Lieferanten sind komplett ausverkauft. Sie können die Modelle für 2020 nicht mehr liefern, die Modelle für das neue Jahr kommen erst im Herbst“, erzählt Bachmann.

Dass gerade bei E-Fahrrädern die Nachfrage ungebrochen groß ist, zeigt sich auch in aktuellen Zahlen: Bereits mehr als 30.000 E-Bikes gibt es im Land, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erhoben hat. Allein im Vorjahr wurden mehr als 5000 elektrische Fahrräder verkauft. „Wir können die Klimaziele nur erreichen, wenn deutlich mehr Autofahrten auf das Fahrrad verlagert werden. Deshalb ist der E-Fahrrad-Boom erfreulich“, betont VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Damit das Potenzial von E-Fahrrädern ausgeschöpft werden kann, spricht sich der VCÖ ebenso wie die Radlobby Vorarlberg für eine Infrastrukturoffensive für den Radverkehr aus.
Im Ortsgebiet könnten die Bedingungen für Radfahrer etwa durch Tempo 30 statt 50 oder mehr Platz für Radverkehr verbessert werden. Außerdem fordern die Verantwortlichen, dass Radwege verbreitert und neue errichtet werden. Eine Benachteiligung zeigt sich auch am Beispiel des Landesradroutennetzes, erklärt Veronika Rüdisser von der Radlobby. Nur sieben Kilometer werden als eigene Radwege geführt. Der Rest verläuft auf Feldwegen oder im Mischverkehr mit Kfz oder Fußgängern.
Sicher Radfahren. Tipps von Veronika Rüdisser, Radlobby Vorarlberg:

Sicherheit ist ein wichtiges Thema, besonders für jene, die das Fahrrad neu- oder wiederentdecken, weiß Veronika Rüdisser von der Radlobby Vorarlberg. Ihre Tipps:
Beleuchtung Radfahrende können ihre eigene Sicherheit durch ausreichende Beleuchtung und vorausschauendes Fahren erhöhen.
Rücksicht Bedenkt man, dass sich Radfahrende die Straßen oft mit Autos und Lkw teilen müssen – immerhin 417 der 895 Kilometer des Vorarlberger Radroutennetzes werden im Mischverkehr mit Kfz (345 km) oder als schmale Radstreifen entlang von Straßen (72 km) geführt -, wird klar, dass auch gegenseitige Rücksichtnahme ein wichtiger Pfeiler der Verkehrssicherheit ist.
Überholen Nur wenn Autos und Lkw einen sicheren seitlichen Abstand beim Überholen eines Radfahrenden einhalten, ist Radfahren auch sicher. Bei 50 Stundenkilometern liegt dieser Abstand bei mindestens 1,5 Metern, was vielen nicht bewusst ist. Selbstverständlich müssen RadfahrerInnen ebenso einen dem Fahrtempo angepassten Überholabstand zu FußgängerInnen einhalten. Grundsätzlich gilt: Stärkere Verkehrsteilnehmer geben auf die Schwächeren acht.
E-Bikes Auf Vorarlbergs Straßen sind immer mehr Elektrofahrräder unterwegs. Zumeist handelt es sich um sogenannte Pedelecs, also Fahrräder, bei denen das Treten durch Hinzuschalten eines Elektromotors bis maximal 25 Stundenkilometer unterstützt werden kann. Tretunabhängige E-Bikes sind eher selten zu sehen. Aus verkehrsrechtlicher Sicht sind sowohl Pedelecs als auch E-Bikes Fahrräder, das heißt, es gelten dieselben Vorschriften, sowohl was deren Ausstattung (Beleuchtung etc.) betrifft, als die Nutzung von Radwegen. Wichtig zu beachten sowohl für RadfahrerInnen als auch für AutofahrerInnen sind höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und größerer Kurvenradius bei E-Bikes. Insbesondere ungeübte RadfahrerInnen können den Bremsweg bei E-Bikes unterschätzen. AutofahrerInnen hingegen unterschätzen oft, wie schnell E-BikerInnen fahren, was zu gefährlichen Situationen führen kann.