Deshalb hat die SiMo die Reißleine gezogen

Vorarlberg / 16.06.2020 • 21:28 Uhr

Speicherteich Schwarzköpfle: Pläne werden begraben. So reagieren Betreiber, Touristiker und Gegner.

St. Gallenkirch Paukenschlag beim Speicherteich-Projekt Schwarzköpfle. Die Silvretta-Montafon hat überraschend den Rückzug angekündigt. „Wir sind seit 2014 mit diesem Projekt beschäftigt und ein Ende war nicht absehbar“, sagt Geschäftsführer Martin Oberhammer im Gespräch mit den VN. „Im Gegenteil, wir haben in den letzten Wochen eher den Eindruck gewonnen, dass sich das noch weiter hinausziehen wird und uns ein langer Behörden- bzw. Instanzenweg bevorsteht.“ Daher habe man sich entschlossen, die Reißleine zu ziehen.
Jene Projektpläne, die seit Bekanntwerden im Jänner 2018 für heftige Kontroversen sorgten, werden jetzt also begraben. Die VN hatten vor zweieinhalb Jahren erstmals über das Bauvorhaben, das in seinen Dimensionen den Rahmen des im Land Bekannten gesprengt hat, berichtet. Der ursprünglich 307.200 Kubikmeter fassende Teich hatte auch tiefe Gräben in die Schwarz-Grüne Landesregierung gerissen und Naturschützer auf den Plan gerufen. Die Frage einer notwendigen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sollte schließlich Landesverwaltungs- und Bundesverwaltungsgericht beschäftigen. Auch ein abgespecktes Bauvorhaben, das von der Landesregierung mit ÖVP-Mehrheit grünes Licht erhielt, wurde weiter bekämpft. Der Ausgang des Verfahrens war selbst für Experten völlig offen.

„Wir haben nicht die Zeit, weitere vier oder fünf Jahre zu warten“, sagt Gerhard Burtscher, BTV-Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzender der Silvretta-Montafon. Das Aus sei schade, weil es den gesamten Tourismus im Montafon treffe, Schneesicherheit gehöre zum allerwichtigsten für eine Skisportdestination. Die Alternative sei jetzt ein kleineres Projekt, das schneller in die Umsetzung gehen könne, so Burtscher weiter.

Die Enttäuschung im Motafon ist groß. „Heuer haben wir gesehen, was es bedeutet, wenn die Saison verkürzt ist“, so der Geschäftsführer des Montafon Tourismus, Manuel Bitschnau, der jetzt auf eine Lösung hofft, die auch behördlich genehmigt werden kann.

Gemischte Gefühle

Die Projektgegner begrüßen die Entscheidung naturgemäß. Naturschutzanwältin Katharina Lins spricht dennoch von gemischten Gefühlen. Die Sache selbst sei hoch erfreulich, weil die Natur erhalten bleibe. Allerdings komme es mit dem Rückzug zu keiner Klärung der grundsätzlichen Rechtsfrage. Die hätte sie sich durch das Verfahren erhofft. Erleichtert reagiert Hildegard Breiner, Obfrau des Naturschutzbundes. Sowohl der entschlossene Widerstand der weiterblickenden Naturschutzorganisationen und der Bevölkerung als auch die Rechtslage hätten wohl zum Aus beigetragen.

Die SiMo wälzt indes bereits neue Pläne. „Jetzt hoffen wir, auf einem anderen Weg, zu einer guten und schnellen Lösung zu kommen“, sagt Martin Oberhammer. Wie dieser Weg aussehen könnte, bleibt derweil noch unbeantwortet.

Reaktionen zum Rückzug der SiMo

Angesichts der herausfordernden wirtschaftlichen Situation in der Tourismusbranche wäre eine so bedeutende Investitionsentscheidung von großer Tragweite gewesen. Sie hätte für Aufbruchsstimmung sorgen können, die für die ganze Tourismusbranche und Region positive Auswirkungen gehabt hätte.

Monika Vonier, VP-Wirtschaftssprecherin

Das Zurückziehen der Projektanträge Speichersee Schwarzköpfle ist ein Einlenken der Betreiber in letzter Sekunde. In Zeiten der Klimakrise geht es darum, naturverträglichen Winter- und Sommertourismus zu pushen, denn ohne intakte Natur gibt es keinen nachhaltigen Tourismus in unseren Bergen.

Daniel Zadra, Grüner Klubobmann

Dieser Entschluss kam für mich sehr überraschend. Ich finde es sehr schade, bin aber der festen Überzeugung, dass die Silvretta-Montafon einen Plan B ausgearbeitet hat beziehungsweise ausarbeiten wird, der dem Skigebiet die nötige Beschneiungssicherheit bringen wird.

Herbert Bitschnau, Standesrepräsentant des Montafons

Neues Speicherteich-Projekt im Montafon

Gargellen Mitten in die Nachricht um den Rückzug der Speicherteich-Pläne der Silvretta-Montafon sickerten gestern Informationen über neue Pläne im Tal durch. Deutlich kleiner als der Speicherteich Schwarzköpfle soll demnach auf der gegenüberliegenden Talseite ein Speicherteichprojekt der Bergbahnen Gargellen umgesetzt werden. Wie die VN in Erfahrung bringen konnten, beabsichtigen diese, unterhalb des bestehenden Speicherteichs Schafberg einen zweiten Wasserspeicher zu Beschneiungszwecken zu errichten.

Der neue Teich soll ein Fassungsvermögen von 66.000 Kubikmetern haben. Gleichzeitig soll im Zuge dieses Projekts auch der bestehende Teich von 40.000 auf 64.000 Kubikmeter erweitert und über dem Gewässer ein Lawinendamm neu errichtet werden.

Seitens der Naturschutzanwaltschaft steht Kathi Lins dem Projekt „nicht unkritisch“ gegenüber. „Bereits beim bestehenden Gewässer fällt auf, dass es unnatürlich ist. Das Ausmaß ist aber deutlich geringer als jenes beim Schwarzkopf“, führt Lins im Gespräch mit den VN ins Treffen. Auch die Tatsache, dass in diesem Bereich archäologische Funde gemacht wurden, lässt Lins an der Richtigkeit dieses Projekt zweifeln. Während die Vorprüfung bereits im Herbst erfolgte, fand Ende Mai die Bauverhandlung für die Erweiterung der Beschneiungsanlage statt. Das Gutachten der Naturschutzanwaltschaft ist indes noch ausständig.