Motorradlärm vertreibt Ehepaar aus dem Bregenzerwald

Fahrverbot für laute Motorräder ruft auch Bewohner an Vorarlberger Motorradstrecken auf den Plan.
Bizau Sie hatten sich in die Idylle des Bregenzerwaldes verliebt. Viele Male, erzählt Heinz Schuster, sei er beruflich in Vorarlberg gewesen und wollte nach seiner Laufbahn als Berufsschuldirektor mit seiner Frau Anita (48) aus der Steiermark hierherziehen. Am Ortsrand fanden sie eine passende Unterkunft mit Blick auf die Kanisfluh. “Im Sommer Kühe in der Wiese – wir haben es uns schön hergerichtet”, erzählt der 64-Jährige. Die Idylle ist allerdings erst Ernüchterung gewichen und längst in Frustration umgeschlagen. Der Verkehrslärm macht den Schusters schwer zu schaffen. Lebenswert sei das so jedenfalls nicht, gibt sich der Steirer zerknirscht. Ein paar Serpentinen und ein Geradeausstück werden offensichtlich von vielen Bikern als Einladung zu kräftigem Beschleunigen wahrgenommen. “Ein ohrenbetäubender Lärm”, wie Heinz Schuster befindet.
Der Lärm hat ihm und seiner Frau die Freude am Wohnort genommen. Man habe sich schnell integriert, singe im Kirchenchor mit, aber so gehe es nicht weiter. Seit zwei Jahren leben die Eheleute mittlerweile in Bizau. Jetzt spielen sie mit dem Gedanken, in die ursprüngliche Heimat zurückzukehren. “Wir können noch nicht einmal Bekannte zum Grillen einladen. Sich im Garten zu unterhalten, ist einfach nicht möglich”, so der Pensionist, der zu Pfingsten in einer einzigen Stunde über 100 Motorräder gezählt hat. Bei Schönwetter, speziell am Wochenende, sei die Situation unerträglich geworden. Da helfe nicht einmal Oropax.
Ruf nach Fahrverboten
Heinz Schuster legt Wert darauf, nicht alle Biker über einen Kamm scheren zu wollen. Überhaupt gönne er jedem seinen Spaß. Allerdings habe das Ausmaß der Lärmbelästigung jegliche Grenzen überschritten. Zum Winter, in dem die Belastung aufgrund des Ausweichverkehrs zuletzt ebenfalls stark zugenommen habe, komme jetzt die Motorradsaison und damit auch der Ruf nach Fahrverboten. Solche gibt es seit Mittwoch dieser Woche im Tiroler Außerfern, wo besonders laute Zweiräder mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel (die VN berichteten) von den Straßen verbannt wurden. In Tirol waren es Proteste von Bewohnern, die die Behörden zum Handeln bewegten.
Darauf hofft auch Heinz Schuster. Bisher seien seine Hilferufe allerdings auf taube Ohren gestoßen. “Viele stört der Lärm, aber kaum jemand sagt was”, so Schuster. Eine Lösung nach dem Vorbild des Außerfern würde er sich auch für seine neue Heimat im Bregenzerwald wünschen. Wenn nicht bald etwas passiert, dann kommt es für ihn allerdings zu spät. “Wir werden ziemlich sicher wegen des Motorradlärms hier wegziehen”, hat der 64-Jährige die Hoffnung schon fast aufgegeben. Auch wenn das Land angekündigt hat, sich eng mit den Tiroler Experten abzustimmen und genau zu schauen, wie die Fahrverbote im Nachbarbundesland wirken.