Alltag soll in Heime zurückkehren: Welche Regeln ab Donnerstag gelten

Vorarlberg / 09.06.2020 • 19:00 Uhr
Alltag soll in Heime zurückkehren: Welche Regeln ab Donnerstag gelten
Seniorenheime stehen während der Coronakrise im Spannungsfeld zwischen Schutz und Wahrung der Freiheitsrechte der Bewohner. VN/PAULITSCH

Ein Drittel der an Covid-19-Verstorbenen in Österreich lebte im Alters- oder Pflegeheim. Ab Donnerstag weitere Öffnung.

Schwarzach, Wien Je älter ein Mensch, desto wahrscheinlicher endet eine Infektion mit Covid19 tödlich. Was bereits Studien im Jänner vermuten ließen, ist heute eine der wenigen gesicherten Tatsachen zum Coronavirus. Diesen Befund bestätigt nun auch eine weitere Studie, die am Dienstag von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (59, Grüne) präsentiert wurde. Demnach sind österreichweit 222 Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen an Covid19 verstorben. Das entspricht rund einem Drittel der insgesamt 646 Covid19-Toten in Österreich.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Susanne Jaquemar (Bewohnervertretung) im Rahmen der Studienpräsentation am Dienstag in Wien. <span class="copyright">APA</span>
Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Susanne Jaquemar (Bewohnervertretung) im Rahmen der Studienpräsentation am Dienstag in Wien. APA

Bis zum Montag wurden unter den 16.868 verzeichneten Covid-19-Infektionen 833 im Rahmen der Kontaktverfolgung und Clusteranalysen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Alten- und Pflegeeinrichtungen zugeordnet. Die Fallsterblichkeit in dieser Gruppe betrug demnach 26,7 Prozent. Insgesamt sind 0,3 Prozent aller Heimbewohner in Österreich bisher an Covid-19 verstorben, erklärte Studienautorin Elisabeth Rappold von der Gesundheit Österreich GmbH.

Beschwerden von Angehörigen

Im Spannungsfeld zwischen Beschützen und Besuchen in Senioren- und Pflegeheimen hätten sich vor allem in der Zeit des strengen Lockdowns die Beschwerden gehäuft, erklärte Susanne Jaquemar, Leiterin der Bewohnervertretung des Vereins Vertretungsnetz. Vielfach wurden etwa Spaziergänge unter Androhung von Isolationsmaßnahmen untersagt, der Rahmen des Heimaufenthaltsgesetzes wurde dabei mitunter verlassen: Für derartige Maßnahmen, bei denen die Freiheit von Heimbewohnern eingeschränkt wurde, „gab es keine gesetzliche Grundlage“, betonte Jaquemar. Die Bewohnervertretung lässt solche Fälle gerichtlich prüfen.

Herbert Spiess (61), Leiter der ifs Bewohnervertretung Vorarlberg, erklärt im Gespräch mit den VN, dass die Arbeit der Bewohnervertreter durch die Besuchsverbote und die Sicherheitsmaßnahmen erschwert gewesen sei. „Durch die Masken kommt man außerdem nicht mehr so gut an die Menschen, die oft an Demenz leiden, heran.“

In Vorarlberg habe es laut Spiess einen Fall gegeben, in dem das Gericht für unzulässig befunden habe, dass die Zimmertür eines Bewohners geschlossen gehalten wurde. Pauschale Freiheitsbeschränkungen habe es aber nicht gegeben. Spiess begrüßt die am Dienstag präsentierten Lockerungsempfehlungen des Ministeriums. „Meine Hochachtung gilt den Mitarbeitern der Pflegeheime und Krankenhäuser, die unter schwierigen Umständen gearbeitet haben.“

Weitere Öffnung von Pflegeeinrichtungen: Das gilt ab Donnerstag

Wie die VN berichteten, fällt ab Donnerstag das generelle Besuchsverbot in Pflege- und Seniorenheimen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober stellte diesbezüglich am Dienstag Lockerungsempfehlungen in Alters- und Pflegeheimen vor, die nun auf der Homepage des Gesundheitsministeriums abrufbar sind. Grundsätzlich gilt: Die einzelnen Heimbetreiber sollen individuelle Konzepte erarbeiten. So liegt es etwa in der Entscheidung des Heimträgers, in welche Bereiche die Besucher Zutritt haben. Terminvereinbarungen sind keine mehr nötig. Nach wie vor gelten aber die allgemeingültigen Hygiene- und Abstandsregeln, Händewaschen, Desinfektion und Mund-Nasen-Schutz. Auch Kinder, die bisher nur aus besonderen Gründen in die Heime durften, können wieder zu Besuch kommen. Verankert sei laut Anschober außerdem, dass man sich, sobald die pandemische Situation kritischer werde, „zusammensetzt, um hier Verbesserungen und Anpassungen zu realisieren“.

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VN/Lerch

Zahlen & Fakten: Coronavirus in Senioren- und Pflegeheimen in Vorarlberg

43

Bewohnerinnen und Bewohner in Vorarlbergs Pflege- und Seniorenheimen wurden bisher positiv auf das Coronavirus getestet. Elf davon sind verstorben. Davon betroffen waren das SeneCura-Pflegeheim „In der Wirke“ in Hard sowie das Haus Klostertal. In Vorarlberg wurden laut Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (56, Grüne) alle Mitarbeiter von Pflege- und Seniorenheimen sowie alle Bewohner in Heimen, in denen positive oder Verdachtsfälle waren, getestet. Derzeit gibt es in Pflege- und Seniorenheimen keine positiven Fälle mehr.

35

Mitarbeiter von Pflege- und Seniorenheimen wurden positiv auf Covid19 getestet. Die weitere Strategie des Landes sieht vor, dass weiterhin dort Personal und Bewohnerschaft getestet wird, wo es positive Fälle sowie Verdachtsfälle gibt, erklärt Wiesflecker im VN-Gespräch. Als Präventionsmaßnahme sollen pro Quartal alle MitarbeiterInnen aller Pflege- und Seniorenheime in Vorarlberg getestet werden.

222

Seniorenheimbewohner in Österreich sind an Covid19 verstorben. Das ist ein Drittel aller bekannten Todesfälle. Die Fallsterblichkeit betrug 26,7 Prozent. Somit sind 0,3 Prozent aller Heimbewohner in Österreich an Covid-19 verstorben.