Prominente Vorarlberger erleben Unruhen in den USA hautnah

Vorarlberg / 02.06.2020 • 09:30 Uhr
Prominente Vorarlberger erleben Unruhen in den USA hautnah
Stefan Sagmeister erlebte die Proteste nach dem gewaltsamen Tod des Farbigen George Floyd praktisch vor seiner Haustüre. VOL

In New York war Künstler Stefan Sagmeister Zeuge der Proteste, in New Orleans der Historiker Günter Bischof

New Orleans, New York Die gebürtigen Vorarlberger Günter Bischof und Stefan Sagmeister leben seit vielen Jahren in den USA und erleben die Dramatik der zum Teil gewaltsamen Proteste hautnah.

Stefan Sagmeister (57) befindet sich in New York an einem der Hotspots der Proteste, die nach dem durch einen Polizisten verursachten gewaltsamen Tod des farbigen George Floyd das Land wie einen Flächenbrand überziehen.

„Die Demonstrationen finden auch direkt vor meinem Studio auf der 14. Straße statt. Wenn sich die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte der Civil Rights- Bewegung in Amerika wiederholen, dann nützen friedliche Demonstrationen den Demokraten, gewalttätige Demonstrationen den Republikanern. Das wird auch diesen Herbst bei den Wahlen wieder so sein. Martin Luther King warnte vor über 50 Jahren: ‚Every time a riot develops it helps George Wallace.‘ George Wallace war der wahrscheinlich Trump-ähnlichste Politiker seiner Zeit“, meint Sagmeister.

Trump-Anhänger gewalttätig?

Eine Demonstration erlebte in New Orleans auch der Mellauer Geschichteprofessor Günter Bischof (66). „Ich bin gestern auf dem Weg zur Uni an einer Kundgebung vorbei geradelt. Es war alles friedlich. Im ganzen Land dreht sich momentan alles nur um diese Proteste“, erzählt Bischof.

Günter Bischof radelte in New Orleans auf dem Weg zur Universität an einem Kundgebungszug vorbei. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Günter Bischof radelte in New Orleans auf dem Weg zur Universität an einem Kundgebungszug vorbei. VN/Hartinger

Es sei wichtig, herauszufinden, aus welcher Ecke die Gewaltaktivisten kommen. „Es gibt Spekulationen, dass es sich dabei auch um Trump-Anhänger handelt“, berichtet der Historiker.

Die Stimmung im Land ist laut Bischof sehr aufgeheizt. „Die Polizeigewalt gegen Schwarze ist in den USA an der Tagesordnung. Durch diesen Vorfall ist es zu einer Explosion gekommen.“ Präsident Trump habe in der Krisenbewältigung einmal mehr versagt. „Er twittert, statt dass er sich in ausgewogenen Worten an die Nation wendet. So hat es dessen Vorgänger Barack Obama immer wieder geschafft, in Krisen eine Situation zu beruhigen“, analysiert Bischof.

Ob die Unruhen die Wahl im November beeinflussen, traut sich Bischof nicht zu sagen.