Wie es um die heurige Alpsaison bestellt ist

40.000 Tiere verfügen sich in Vorarlberg nach und nach in ihre Sommerfrische.
Schwarzach Noch vor gut einem Monat fühlten sich Älplern und Viehbesitzer nicht ganz unbeschwert. Die große Trockenheit, die sich übers Land gelegt hatte, bremste den Graswuchs. Man wollte sich nicht ausmalen, wie das wird, wenn der Regen weiter ausbleibt.
Doch der Mai mit reichlich Niederschlag wurde für Älpler und Bauern zum Wonnemonat. “Jetzt haben wir auf den Alpen traumhafte Bedingungen. Das Gras wächst ideal, der Regen war für alle ein Segen”, beschreibt Christoph Freuis (41), Geschäftsführer des Alpwirtschaftsvereins, die derzeitige Situation. Besonders wichtig war der Niederschlag, weil auf den Bergen heuer relativ wenig Schnee lag. “Im vergangenen Jahr war ich am 13. Juni in Damüls noch mit meiner Tochter rodeln”, erinnert sich Freuis.
Mehrere niedrig gelegene Alpen wurden bereits bestoßen. “Jetzt geht es nach und nach auf die Standorte in mittlerer Höhe, so zwischen 1300 und 1500 Meter. Ende Juni, Anfang Juli sollten dann auch die Hochalpen bestoßen werden können”, schätzt Freuis.
Entlastung für Milchmarkt
Der Fachmann rechnet damit, dass letztlich alle 520 Vorarlberger Alpen auch heuer wieder bevölkert sein werden. “Wenn das Vieh auf der Alpe ist, bedeutet das wirtschaftlich eine Entlastung für den derzeit angespannten Milchmarkt”, erwähnt Freuis einen ökonomischen Vorteil der Alpbewirtschaftung. Aufgrund der extensiven Haltung und der fast ausschließlichen Ernährung des Viehs durch Gras geht die Milchproduktion landesweit deutlich zurück. Dafür wird ordentlich Käse hergestellt, rund 450 Tonnen pro Jahr.
Die Alpwirtschaft ist aber auch ein wichtiger Bestandteil des Sommertourismus in Vorarlberg. “Heuer sieht man schon im Frühjahr viel mehr Menschen in den Bergen. Das ist eine Folge von Corona, weil die Leute hier bleiben, statt irgendwo hinzufliegen”, betont der GF des Alpwirtschaftsvereins.
“Wegen Corona halten sich heuer viel mehr Menschen auf Alpen auf.“
Christoph Freuis, GF Alpwirtschaftsverein
Gefahren der Alpen
Freilich birgt die Alpwirtschaft seit Jahren auch Gefahren in sich. Zum einen ist da die stets drohende Ansteckung des Viehs durch den TBC-Erreger, der beim Kontakt mit dem Wild passieren kann. Gerade im letzten Jahr gab es einige dramatische TBC-Ausbrüche, die mit der Tötung von Dutzenden Rindern endeten.
Da ist aber auch die Gefahr, die in der Begegnung von Weidetieren mit unvorsichtigen Touristen liegt. Das Tiroler Urteil, das nach einer tödlichen Attacke von Mutterkühen auf eine Hundebesitzerin in erster Instanz den Alpbesitzer verantwortlich machte, ließ die Alarmglocken schrillen. Auch wenn in der Berufung die Schuld geteilt wurde, sind viele Älpler verunsichert. “Man kann nur an die Vernunft aller appellieren, die geltenden Verhaltensregeln einzuhalten”, hofft Freuis auf friedliche Alpzeiten in diesem Sommer.