Kritik an Notarzt-Einsätzen sorgt beim Roten Kreuz für Ärger

Vorarlberg / 29.05.2020 • 16:00 Uhr
Kritik an Notarzt-Einsätzen sorgt beim Roten Kreuz für Ärger
Das Rote Kreuz sieht sich in Vorarlberg qualitativ hochwertig aufgestellt. VN/PAULITSCH

Blaulichtorganisation wehrt sich gegen Aussagen der Österreichischen Ärztekammer.

feldkirch “Ich lade die Wiener gerne ein, sich unser Notarztsystem einmal anzuschauen.” Nur schwer kann Rotkreuz-Geschäftsführer Roland Gozzi (61) seine Empörung über Aussagen der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) verbergen. Im Zusammenhang mit einem Anlass in Niederösterreich hatte ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres (58) auch den Roten Kreuz in Vorarlberg unterstellt, zunehmend Notfallsanitäter zu Notfällen zu schicken, auch wenn Notärzte permanent anwesend seien. Die Betreuung bei akuten gesundheitlichen Problemen könne nur in der Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten liegen, sieht Szekeres diese untergraben. 

Definierte Einsätze

Roland Gozzi kontert: “Wir verfügen über ein perfektes Notarztsystem”, verweist er auf den im vergangenen Jahr in den Bezirken Feldkirch und Bludenz installierten Notfallrettungswagen (N-RTW). Diese Fahrzeuge sind mit einem Notfallsanitäter sowie einem Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz besetzt. Ziel ist es, Notärzte von nicht notfallpflichtigen Einsätzen zu entlasten. Ausrückungen, die ohne Notarzt erfolgen können, sind vom Chefarzt des Roten Kreuzes definiert worden. “Wir stehen zu unseren Notärzten und wollen durch die Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz auch keine Konkurrenz schaffen”, betont Gozzi.

Ein weiterer Aspekt, der das N-RTW-Projekt rechtfertigt, ist laut dem Rotkreuz-Geschäftsführer die enorme Zunahme an Einsätzen, die besonders das Freiwilligensystem an seine Grenzen katapultiert. Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz seien eine zusätzliche Ressource und damit eine Entlastung für die Ehrenamtlichen, die vor allem die Nachtdienste abdecken. So kämen die Freiwilligen zu ihren Einsätzen, aber auch zu den erforderlichen Ruhezeiten.

Die Basis des Rettungswesens bildet der Krankentransport. Die nächste Stufe ist der Rettungsdienst (RTW). Die Fahrzeuge sind mit allen Geräten ausgestattet, die es zur Versorgung von Notfallpatienten braucht. Die Besatzung besteht aus zwei ausgebildeten Sanitätern, oft auch einem Notfallsanitäter. Sie sind für Frischverletzte und akut Erkrankte ohne vitale Einschränkungen zuständig. Bei Patienten mit Vitalgefährdung wird ein Notarzt mit alarmiert.

Positive Rückmeldungen

Dazu kommt der Notfallrettungswagen. Er unterscheidet sich vom RTW insofern, als dass immer ein erfahrener Notfallsanitäter mit Notfallkompetenz an Bord ist. Der im Bezirk Feldkirch durchgeführte Pilotversuch habe die Entlastung von Notärzten bei nicht notarztpflichtigen Patienten bestätigt. Ebenso gebe es aus den Spitälern positive Rückmeldungen. Am 1. Juli startet ein N-RTW im Bregenzerwald, im Herbst in Bregenz.