Schon jetzt großes G’riss um den Grippeimpfstoff

Land schließt sich bundesweiter Sammelbestellung an.
Bregenz, Höchst Wochenlang hat das Coronavirus auch die Menschen in Vorarlberg in Atem gehalten. Nachdem inzwischen und zumindest vorerst das Schlimmste überstanden scheint, drängt sich ein anderes Virus auf, nämlich das Grippevirus. Schon jetzt sind die Impfstoffhersteller mit einer starken Nachfrage nach Grippeimpfstoff konfrontiert, wie Apothekerkammerpräsident Jürgen Rehak auf VN-Anfrage bestätigte. Dabei ist das Serum frühestens Mitte September verfügbar. Im vergangenen Jahr wurden österreichweit 750.000 Dosen benötigt. Für heuer sind 800.000 Dosen reserviert. Die kolportierte Nachfrage soll gar bei zwei Millionen liegen.
Die doppelte Dosis
Das Land will sich einer bundesweiten Sammelbestellung anschließen, um genug Dosen des plötzlich heiß umkämpften Impfstoffes vorrätig zu haben. Statt der bisher saisonal georderten Menge von 15.000 Dosen umfasst die Bestellliste aus Vorarlberg jetzt 30.000 bis 40.000 Dosen. „Diesen Bedarf haben wir angemeldet“, erklärte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Wie der Impfstoff verteilt wird, ob ihn die Apotheken erhalten oder das Land eine eigene Impfaktion startet, steht allerdings noch nicht fest. Jürgen Rehak wünscht sich schnellstmöglich Klarheit, denn bislang bestellte jede Apotheke den Impfstoff selbst. „Das müsste spätestens Mitte Juni geschehen“, sagt Rehak.
Vergessene Tote
Noch zählt Österreich EU-weit zu den Ländern mit der schlechtesten Durchimpfungsrate bei Grippe. Gerade einmal sieben bis acht Prozent der Bevölkerung schützen sich mit einem Stich gegen die echte Influenza. Die fordert pro Jahr zwischen 1500 und 2500 Todesopfer, und: „Die Grippe trifft auch junge Menschen“, gibt Gesundheitsexperte Armin Fidler zu bedenken. Er rät, auch in Hinblick auf das nach wie vor lauernde Coronavirus, dringend zur Grippeimpfung. „Es wäre gut, wenn wir im Herbst wenigstens eine Krankheit ausschalten könnten“, ergänzt Martina Rüscher. Aufgrund der Ereignisse rund um Corona rechnen beide mit einem deutlich höheren Bedarf an Grippeimpfungen, als dies bisher der Fall war. Da könne es schnell zu Engpässen beim Impfstoff kommen.
In welcher Form das Bewusstsein für die Grippeimpfung unters Volk gebracht werden soll, ist noch Gegenstand von Gesprächen zwischen den Ländern und dem Gesundheitsministerium. Zur Diskussion stehen zwei Modelle: eine österreichweite Impfkampagne oder finanzielle Unterstützung der Bundesländer für eigene Aktionen. „Es wird jedoch keine Pflicht zur Impfung geben“, betont Martina Rüscher. Auch an eine Gratisabgabe des Impfstoffs ist nicht gedacht, wohl aber an die obligate Verbilligung. Die Apotheken ihrerseits hoffen auf baldige Empfehlungen der Gesundheitsbehörden.