Seilbahner hängen in der Luft

Vorarlberg / 21.05.2020 • 07:00 Uhr
Seilbahner hängen in der Luft
Warten auf die Vorschriften: Speziell die großen Ausflugsbahnen wir jene auf den Pfänder stehen vor einer ungewissen Sommersaison. VN/STEURER

Start am 29. Mai mit vielen Fragezeichen. Vorarlberger Vorschlag liegt im Gesundheitsministerium vor.

Schwarzach Die Verunsicherung ist groß. In gut einer Woche dürfen Vorarlbergs Seilbahnen wieder Gäste befördern. Völlig unklar sind jedoch die Rahmenbedingungen. Gemacht werden die Regeln im Gesundheitsministerium. Dort hielt man sich auch gestern auf erneute VN-Anfrage bedeckt. Was in der Verordnung stehen wird, bleibt unter Verschluss oder ist noch gar nicht entschieden. Aus Vorarlberg liegt jedenfalls ein Vorschlag auf dem Tisch, wie Hannes Jochum (49), Sprecher der Seilbahnen bestätigt. Man habe von sich aus ein Modell erarbeitet und über die politischen Kanäle dem zuständigen Ministerium übermittelt. Der Vorarlberger Weg sieht eine Beschränkung der Personen in den Gondeln vor. Zu Beginn der Öffnung vielleicht noch unter 40 Prozent, skizziert Jochum ein Szenario. In Etappen sollten die Prozentsätze dann bis in den Sommer steigen. Schutz und Hygiene haben oberste Priorität.

Sorgen bei Pendelbahnen

Die Befindlichkeiten sind unterschiedlich. Umlaufbahnen mit kleinen Kabinen und hohen Kapazitäten dürften die Vorschriften weniger hart treffen als große Pendelbahnen wie etwa Pfänder-, Karren-, Lünersee-, Rüfikopfbahn oder die Seilbahn Bezau. Längst haben Gerüchte die Runde gemacht, eine Beschränkung von einer Person pro zehn Quadratmeter könnte vorgeschrieben werden. Ein Betrieb wäre unter diesen Umständen undenkbar. Aber eben: alles nur Gerüchte. „Das möchten wir gar nicht kommentieren. Ich rechne mit vernünftigen Lösungen“, so Jochum weiter.

Eine vernünftige Lösung wäre für Thomas Kinz (58), Chef der Pfänderbahn in Bregenz, eine Gleichbehandlung zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Warum dies nicht schon jetzt der Fall ist, erschließt sich ihm nicht. „Ob Zugkabine, Bus oder eben eine Pendelbahnkabine: Es gibt keinen Unterschied“, macht er seinem Ärger Luft. Mit der Maskenpflicht müsste das Auslangen gefunden sein. Einschränkungen, was die Beförderungskapazitäten betrifft, sind für Kinz inakzeptabel. „Wenn die Zahl der transportierten Personen zu gering ist, dann werden die Pendelbahnen den Betrieb nicht aufrechthalten können“, so der Unternehmer. Schon jetzt beklagt die Pfänderbahn Umsatzeinbußen von knapp 700.000 Euro. Aufsperren ohne Aussicht auf ein rentables Geschäft wird man in Bregenz nicht.

Wirtschaftlichkeit zweitrangig

Ein paar Kilometer weiter, in Bezau, teilt Fidel Meusburger (61) das Unverständnis, nicht wie ein Öffentliches Verkehrsmittel behandelt zu werden. Der Geschäftsführer der Seilbahnen rückt allerdings die Wirtschaftlichkeit des Fahrbetriebs in diesem Jahr in den Hintergrund. Man müsse dem Tourismus in der Region, aber auch den Einheimischen etwas bieten. Ein Betrieb wäre demnach auch mit einem Drittel weniger Fahrgäste in der Kabine möglich. Höhere Geschwindigkeit und eine kürzere Taktung werden in Bezau angedacht. Bei „vernünftigen Einschränkungen“, wie Meusburger sagt, werde man jedenfalls den Betrieb aufnehmen. Fix ist das freilich erst, wenn die Verordnung auf dem Tisch liegt. Das kann noch dauern.

UMFRAGE: Wie sehen Sie die Voraussetzunen für das Öffnen der Sommer- und Ausflugsbahnen?

Für mich ist es völlig unverständlich, dass Bus und Bahn fahren dürfen, wir aber nicht. Wenn die Fahrgäste einen Mund- und Nasenschutz tragen, dann wäre das meines Erachtens ausreichend. Wenn es zu starken Kapazitäsbeschränkungen kommt, werden die Pendelbahnen den Betrieb nicht aufrechthalten können.

Thomas Kinz, Pfänderbahn Bregenz

Das Sommergeschäft hat zuletzt deutlich an Bedeutung gewonnen. Die Pendelbahnen haben jetzt schon Hauptsaison, die brauchen volle Gondeln. Bei den anderen sind die Kapazitäten nicht so problematisch. Wir haben dem Ministerium proaktiv einen Vorschlag gemacht, wie ein Vorarlberger Weg aussehen könnte.

Hannes Jochum, Sprecher der Seilbahnen in Vorarlberg

Bei vernünftigen Rahmenbedingungen werden wir die Wirtschaftlichkeit des Betriebs in den Hintergrund rücken. Tourismus und Einheimische brauchen ein Angebot. Sollten wir aber zu wenige Personen transportieren dürfen, dann können auch wir nicht fahren. Es gibt da schon auch Grenzen.

Fidel Meusburger, Seilbahnen Bezau