Veranstalter Walter Egle: “Dieses Jahr ist für uns gelaufen”

Der Showfactory-Chef spricht von einem wirtschaftlichen Desaster für die heimische Veranstaltungsbranche.
Bregenz Der Eventsommer würde in diesen Tagen so richtig Fahrt aufnehmen: Konzerte, Musicals, Schlagerpartys und vieles mehr standen auf dem Eventkalender der Showfactory. Hunderttausende Besucher haben sich österreichweit dafür ihre Tickets sichern lassen. Doch die Coronakrise macht diese Pläne zunichte und die Veranstaltungsbranche bangt um ihre Existenz. “Die Regierung hat uns zu einer Vollbremsung von 100 auf null gezwungen”, bedauert Walter Egle (49), Geschäftsführer des Konzert- und Showveranstalters Showfactory. Vor 30 Jahren hat er die Showfactory gegründet. “Aber so etwas haben wir noch nicht erlebt. Das ist eine einzige Katastrophe.”
“Wie in einem schlechten Hollywood-Film”
300 Events wären in diesem Jahr in ganz Österreich vorgesehen gewesen, 50 davon in Vorarlberg. Ein Großteil wurde auf das Jahr 2021 verschoben, einige wenige komplett abgesagt. Dass in diesem Jahr überhaupt noch Großveranstaltungen durchführbar sind, glaubt Walter Egle nicht, auch wenn die Bundesregierung kürzlich verlautbaren ließ, dass ab 1. August wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen erlaubt sein könnten. “Ich denke, das Jahr 2020 ist für uns komplett gelaufen. Solange es kein Medikament oder einen Impfstoff gibt, wird es schwierig werden, Massenevents durchzuführen”, unterstreicht Egle. Auch Abstandsregelungen seien bei Großevents kaum durchführbar. “Es kann sich nicht rechnen, wenn ich für einen Besucher zehn Quadratmeter Platz zur Verfügung stellen muss.”
Die Showfactory verzeichnet jährlich einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. “Das ist wirtschaftlich für uns ein Desaster. Irgendwie fühle ich mich wie in einem schlechten Hollywood-Film.” Dass auch die Ausfallversicherung im Falle von Pandemien nicht greift, macht dem Veranstalter zu schaffen. Das neue Modell, das die Ticketrefundierung in Form von Gutscheinen ermöglicht, soll dabei helfen, die schwierige Zeit zu überbrücken und die kulturelle Vielfalt am Leben zu erhalten. “Als Nächstes müssen wir schauen, dass wir an Fördergelder kommen, ansonsten geht uns das Licht aus”, betont Egle.
“Es hängt vieles zusammen”
Wie viele andere Veranstalter fühlt sich auch Walter Egle von der Bundesregierung in der Krise zu wenig wahrgenommen. “Es sind ja nicht nur die Events betroffen, sondern in der Folge auch die Hotellerie und Gastronomie. Da hängt vieles zusammen.” Der Eventexperte möchte nicht als Bittsteller auftreten, erhofft sich aber von der Politik entsprechende Unterstützung, “um den Schaden in irgendeiner Form gutzumachen. Unsere Hoffnung ist es, dass Veranstaltungen im nächsten Jahr wieder ohne Auflagen durchgeführt werden können. Noch ein Jahr mit solchen Maßnahmen könnten wir finanziell nicht stemmen.”