Als die “Hohentwiel” zur zweiten Jungfernfahrt aufbrach

Historischer Bodensee-Dampfer feiert 30-jähriges Jubiläum der zweiten Jungfernfahrt.
Hard m Sonntag, dem 17. Mai, ist es 30 Jahre her, dass der historische Schaufelraddampfer “Hohentwiel”, nach einer etwa fünfjährigen Generalsanierung zu seiner zweiten Jungfernfahrt aufbrach. Für Adi Konstatzky ist das Datum speziell. Seit 16 Jahren ist er Kapitän der „Hohentwiel“, dem ältesten noch verkehrenden Passagierschiff auf dem Bodensee. „Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist“, sagt Konstatzky.
Auch der frühere Kapitän der „Hohentwiel“, Reinhard Kloser, wird den 17. Mai 1990 niemals vergessen. Der Schiffsingenieur hat das zweite Leben der “Hohentwiel” entscheidend mitgeprägt. „Die erste Fahrt ging nach Friedrichshafen, in den alten Heimathafen der ‚Hohentwiel‘. An die 6000 Menschen standen rund um die Hafenmauer, alle haben Beifall geklatscht.“
Über 100 Jahre alt
Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Schiff 1913 von den Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen in den Dienst gestellt. 1962 folgte die Ausmusterung. Dann hätte wohl die Verschrottung gedroht, wenn nicht der Bregenzer Segelclub gewesen wäre. Er erwarb das Schiff und nutzte es für die nächsten zwei Jahrzehnte als Klubheim und Restaurant.

Das einst stolze Dampfschiff war schließlich nicht viel mehr als ein Schrotthaufen. Doch 1984 wendete sich das Blatt. „Vonseiten der Internationalen Bodenseekonferenz war die Idee aufgekommen, die letzten Reste eines Dampfers zu retten und vielleicht ein Museum herzurichten, das man von Hafen zu Hafen geschleppt hätte”, erzählt Kloser. Der Verein „Internationales Bodenschifffahrtsmuseum“ sollte sich der „Hohentwiel“ annehmen.
Kosten reduziert
Vereinspräsident und finanzieller Vater des damaligen Projekts war der Lindauer Landrat Klaus Henninger. Schiffsingenieur Kloser war als Projektleiter mit an Bord. „Ich konnte dem Vereinspräsidenten vermitteln, dass ein Schiffsmuseum nicht Sinn der Sache sein kann. Das Schiff sollte wieder vollständig hergerichtet werden. Er war begeistert.“ Im Verein habe es hingegen niemand für möglich gehalten, das Wrack wieder auf Vordermann zu bringen. Außerdem fürchtete man horrende Kosten. Doch Kloser wusste eine Lösung. „Ich habe alle Werkteile genau aufgeschlüsselt und siehe da, ich konnte die Kosten auf ein Viertel reduzieren.“

Dass die „Hohentwiel“ einen Anlegeplatz erhielt, war nur dem damaligen Harder Bürgermeister Gerhard Köhlmeier zu verdanken, der sich in der Gemeindevertretung durchgesetzt und den Harder Industriehafen zum symbolischen Preis von 100 Schilling angeboten hatte. Umgerechnet etwa 2,4 Millionen Euro kostete die bis ins Detail originaltreue Restaurierung. 186 Firmen beteiligten sich teilweise auch durch preisgünstige und gesponserte Mitarbeit an dem ehrgeizigen Projekt. Im Mai 1990 war es dann schließlich so weit: Die „Hohentwiel“ konnte wieder in alter Pracht in den Bodensee stechen.
30 Jahre später macht die Coronapandemie großen Feierlichkeiten einen Strich durch die Rechnung. Das bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebte Dampfschiff steht im Hafen. „Solange die Grenzen zu unseren Nachbarländern geschlossen sind, ist der Betrieb eines Dampfschiffs viel zu kostspielig“, erklärt Kapitän Konstatzky. Man wird sich also noch etwas gedulden müssen, bis das Juwel vom Bodensee wieder seine Runden drehen wird.