Wer schon alles im Kleinwalsertal zu Besuch war

Vorarlberg / 13.05.2020 • 16:30 Uhr
Wer schon alles im Kleinwalsertal zu Besuch war
Bundeskanzler Kreisky zählt zu den prominenteren Gästen im Kleinwalsertal. GEMEINDEARCHIV MITTELBERG

Im Kleinen Walsertal gaben sich schon Kronprinzen, Könige und Präsidenten die Klinke in die Hand.

Mittelberg Das Kleine Walsertal lockte schon früh die großen Namen der europäischen Politik an. 1902 war Erzherzog Eugen im Tal und spendierte einen Schießstand, der deutsche Kronprinz Wilhelm urlaubte ab 1910 zum Jagen mehrmals im Walsertal – was auch weitere deutsche Prinzen anlockte. 1911 öffnete eine Kurklinik, die vor allem in Deutschland bekannt wurde. In den 1930ern entdeckte das niederländische Königshaus das Kleinwalsertal für sich. Dass die spätere Königin Juliana im Winterurlaub während der Olympischen Winterspiele 1936 ihren Gatten kennenlernte, darf sich die Enklave daher wohl mit auf die Fahne schreiben.

De Gaulle im Walsertal

Das Sporthotel Ifen in den 1930er-Jahren <span class="copyright">Gemeindearchiv Mittelberg</span>
Das Sporthotel Ifen in den 1930er-Jahren Gemeindearchiv Mittelberg

Ab 1943 nutzte die Gestapo das in den 1930ern erbaute Nobelhotel Ifen als Edel-Gefängnis für die Eliten der besetzten Länder, darunter den früheren französischen Botschafter in Berlin und späteres Mitglied der Hohen Kommission für Deutschland André François-Poncet. Am 1. Mai 1945 übernahm der 30-köpfige Heimatschutz kurzerhand die Kontrolle im Tal und begrüßte am nächsten Tag die anrückenden Franzosen mit dem Hinweisschild “Here is Austria” – man hatte mit den Amerikanern und nicht mit den Franzosen gerechnet.

Der Heimatschutz an der Walserschanz 1945. <span class="copyright">Gemeindearchiv Mittelberg</span>
Der Heimatschutz an der Walserschanz 1945. Gemeindearchiv Mittelberg

Der französischen Besatzung verdankte das Kleinwalsertal den wohl höchsten Staatsgast seit Langem: Am 20. Mai kam der Oberbefehlshaber der französischen Armee und spätere Präsident Frankreichs Charles de Gaulle ins Walsertal. “Man sagt schon, dass die Franzosen und die Amerikaner nicht gut miteinander auskamen”, weiß Gemeindearchivar Stefan Heim. Ob aber de Gaulle deswegen das Tal auch zur Moralstärkung besuchte, könne er im Nachhinein nicht beurteilen. Möglicherweise könnte er gerade in Bayern gewesen sein und dabei die Gelegenheit genutzt, die nächstgelegene französische Garnison zu besuchen.

Charles de Gaulle vor dem Hotel Ifen.  <span class="copyright">Gemeindearchiv Mittelberg</span>
Charles de Gaulle vor dem Hotel Ifen. Gemeindearchiv Mittelberg

Kreisky und afrikanische Könige

Bald kamen wieder große Namen ins Kleinwalsertal, neben österreichischen Ministern zog es vor allem Diplomaten und einmal einen Neffen des Papstes zur Erholung ins Tal. Auch das Hotel Ifen wurde wieder zum Nobeltreffpunkt, der Wintertourismus nahm allgemein Fahrt auf. 1968 ließ sich Bundespräsident Franz Jonas einen Besuch im Tal nicht nehmen. 1973 kamen dann Bundeskanzler Bruno Kreisky und Finanzminister Hannes Androsch auf “Informationsbesuch”, nachdem ein vergleichbarer Termin 1972 abgesagt werden musste. Die beiden flogen per Hubschrauber vom Arlberg ein und brauchten so nur 10 Minuten in die Enklave. Das Walser Urgestein Wilhelm Fritz habe zu diesem Staatsbesuch extra ein Lied komponiert, verrät die Mittelberger Chronik.

Bundeskanzler Kreisky verschafft sich einen Überblick im Tal. <span class="copyright">Gemeindearchiv Mittelberg</span>
Bundeskanzler Kreisky verschafft sich einen Überblick im Tal. Gemeindearchiv Mittelberg

Auch nach Kreisky rissen die hohen Besuche nicht ab, Bundeskanzler war jedoch keiner mehr dabei. 1988 war auch letztmalig ein Bundespräsident vor Ort. Otto von Habsburg und Jörg Haider hielten Vorträge und Diskussionsrunden in der Enklave, 1998 machte der König der Ewe in Ghana, Céphas Bansah, Urlaub im Tanneck – wobei der Monarch eher symbolischen Charakter hat und in Ludwigshafen lebt. Doch auch Bischof Erwin Kräutler ist dem Kleinwalsertal verbunden, spendete er hier doch gleich drei Mal die Firmung. Und 2008 besuchten die Nachkommen François-Poncets den Ort seiner Haft.