So lief der Kanzlerbesuch im Kleinwalsertal ab

Vorarlberg / 13.05.2020 • 22:25 Uhr
So lief der Kanzlerbesuch im Kleinwalsertal ab
Großer Medienandrang bei der Ankunft auf der Walserschanze. VN/RIEDMANN

Jubelnde Menschenmenge vor dem Walserhaus, Medientross an der Walserschanze.

Mittelberg Die Idee, zum Auftakt der ersten Bundesländer-Tour nach dem Corona-Lockdown dem bis vor kurzem völlig abgeschnittenen Kleinwalsertal die Aufwartung zu machen, kam direkt aus dem Kanzleramt. “Das Kleinwalsertal ist für mich beispielhaft, wie groß die Herausforderung in der Coronakrise ist – das Tal war wochenlang abgeschnitten: auf der einen Seite ein Berg, auf der anderen eine Grenze. Und wenn die Grenze zu ist, ändert sich das Leben dramatisch”, sagte Sebastian Kurz vor deutschen und österreichischen Journalisten an der historischen, am Mittwochabend aber vor allem neblig-kühlen, Walserschanze. Die Nachricht vom Kurz-Besuch soll nicht nur in Vorarlberg, in Österreich wirken – sie soll vor allem weit in den Freistaat Bayern hinein strahlen, bis in die Münchner Staatskanzlei, wo der in Fragen der Grenzöffnung bislang äußerst zurückhaltende Ministerpräsident Markus Söder regiert. 

Was gilt an der Grenze?

Jetzt geht es darum, die für den 15. Mai angekündigten Lockerungen klarer zu definieren, die schon ab morgen an den Grenzen gelten sollen. “Nach 10 Wochen in Wien freue ich mich im Kleinwalsertal beginnen zu dürfen, weil dies eine jener Regionen ist, die am stärksten von der Corona-Krise betroffen ist”, so der Kanzler. Er bezeichnete die bereits in der gestrigen VN-Ausgabe exklusiv berichteten Erleichterungen an der Grenze als “wichtigen Schritt, da mit 15. Juni alle Grenzübergänge zu Deutschland, zu Liechtenstein und der Schweiz öffnen werden.”

Treffen mit Liechtenstein

Noch ist da vieles über die konkreten Erleichterungen im Unklaren, aber der heutige Donnerstag soll den Bundeskanzler kurzfristig mit Vertretern Liechtensteins und eventuell auch der Schweiz zusammenbringen. Auch Landeshauptmann Markus Wallner betonte im Kleinwalsertal, dass das aktuelle Ziel sei, Lockerungen an der Grenze schon vor dem 15. Juni Realität werden zu lassen. “Ab 15. Juni soll dann die vollkommene Normalität herrschen”, sagte auch Sebastian Kurz und ermahnte die viel zu eng stehenden Medienvertreter: “Damit das aber stattfindet, müssen wir alle unseren Beitrag leisten – und Abstand halten.”

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Jubelnde Walser

Nach dem ersten Stopp auf dem Breitachklamm-Parkplatz fiel es der Delegation vor dem Walserhaus in Hirschegg dann selbst schwer, Abstand zu halten: es waren statt den geplanten zehn Gesprächspartnern mehr als 150 Kleinwalsertaler gekommen, Österreich-Fahnen. Grüppchen an der Straße, einige Häuser tatsächlich beflaggt. Kanzler-Schauen, Selfie-Wünsche, Corona hin oder her. Kurz kam um eine Ansprache nicht umhin, die Walser freuten sich sichtlich über die Aufmerksamkeit – Jubel. 

Läge noch Schnee, es erinnerte noch mehr an eine Siegerehrung.

Ich hoffe, dass es stimmt mit der Grenzöffnung. Und es ist gut, dass er her kommt und sieht, wie die Menschen leben. Die Grenzöffnung sehe ich aber auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Wir sind inzwischen virusfrei, nun sollen wieder Leute ins Tal kommen. Aber der Tourismus braucht auch Gäste. Wir alle müssen lernen mit dem Virus zu leben. Barbara Fritz, 73 Seniorin
Ich hoffe, dass es stimmt mit der Grenzöffnung. Und es ist gut, dass er her kommt und sieht, wie die Menschen leben. Die Grenzöffnung sehe ich aber auch mit gemischten Gefühlen entgegen. Wir sind inzwischen virusfrei, nun sollen wieder Leute ins Tal kommen. Aber der Tourismus braucht auch Gäste. Wir alle müssen lernen mit dem Virus zu leben. Barbara Fritz, 73 Seniorin
Man erhofft sich im Kleinwalsertal doch, dass vielleicht bereits zu Pfingsten etwas mehr Fremdenverkehr möglich wäre. Die geschlossene Grenze war eine harte Zeit für uns hier, immerhin die Lockerung funktioniert inzwischen ohne Probleme. Nun müssten noch die Deutschen die Quarantäne für Heimkehrer lockern, damit sie auch kommen. Jockl Metzger, 56 Mediengestalter
Man erhofft sich im Kleinwalsertal doch, dass vielleicht bereits zu Pfingsten etwas mehr Fremdenverkehr möglich wäre. Die geschlossene Grenze war eine harte Zeit für uns hier, immerhin die Lockerung funktioniert inzwischen ohne Probleme. Nun müssten noch die Deutschen die Quarantäne für Heimkehrer lockern, damit sie auch kommen. Jockl Metzger, 56 Mediengestalter
Hut ab, dass er uns überhaupt besuchen kommt. Ich bin froh dass er kommt und auch sehr froh, wenn die Grenze aufgeht. Wir waren hier schließlich seit Wochen in Quarantäne, wobei wir schon lang fallfrei sind. Trotzdem kommen wir nicht in den Rest von Österreich. Die Stimmung im Tal ist aber sehr gut mit einem starken Zusammenhalt. Sibylle Metzler, 53, Unternehmerin
Hut ab, dass er uns überhaupt besuchen kommt. Ich bin froh dass er kommt und auch sehr froh, wenn die Grenze aufgeht. Wir waren hier schließlich seit Wochen in Quarantäne, wobei wir schon lang fallfrei sind. Trotzdem kommen wir nicht in den Rest von Österreich. Die Stimmung im Tal ist aber sehr gut mit einem starken Zusammenhalt. Sibylle Metzler, 53, Unternehmerin
Wir leben seit fünf Jahren hier und fühlen uns auch wohl. Nun hoffen wir, dass die Grenzen tatsächlich bald aufgehen, wir würden gerne im Sommer unsere Verwandtschaft im Ausland besuchen können. Es wäre auch gut für die Talschaft, wenn wir wieder mehr Freiheiten erhalten würden. Ohne Gäste wird es für sehr viele hier schwierig. Hajnal Rado, 51 Arzthelferin
Wir leben seit fünf Jahren hier und fühlen uns auch wohl. Nun hoffen wir, dass die Grenzen tatsächlich bald aufgehen, wir würden gerne im Sommer unsere Verwandtschaft im Ausland besuchen können. Es wäre auch gut für die Talschaft, wenn wir wieder mehr Freiheiten erhalten würden. Ohne Gäste wird es für sehr viele hier schwierig. Hajnal Rado, 51 Arzthelferin