So lief der Kanzlerbesuch im Kleinwalsertal ab

Jubelnde Menschenmenge vor dem Walserhaus, Medientross an der Walserschanze.
Mittelberg Die Idee, zum Auftakt der ersten Bundesländer-Tour nach dem Corona-Lockdown dem bis vor kurzem völlig abgeschnittenen Kleinwalsertal die Aufwartung zu machen, kam direkt aus dem Kanzleramt. “Das Kleinwalsertal ist für mich beispielhaft, wie groß die Herausforderung in der Coronakrise ist – das Tal war wochenlang abgeschnitten: auf der einen Seite ein Berg, auf der anderen eine Grenze. Und wenn die Grenze zu ist, ändert sich das Leben dramatisch”, sagte Sebastian Kurz vor deutschen und österreichischen Journalisten an der historischen, am Mittwochabend aber vor allem neblig-kühlen, Walserschanze. Die Nachricht vom Kurz-Besuch soll nicht nur in Vorarlberg, in Österreich wirken – sie soll vor allem weit in den Freistaat Bayern hinein strahlen, bis in die Münchner Staatskanzlei, wo der in Fragen der Grenzöffnung bislang äußerst zurückhaltende Ministerpräsident Markus Söder regiert.
Was gilt an der Grenze?
Jetzt geht es darum, die für den 15. Mai angekündigten Lockerungen klarer zu definieren, die schon ab morgen an den Grenzen gelten sollen. “Nach 10 Wochen in Wien freue ich mich im Kleinwalsertal beginnen zu dürfen, weil dies eine jener Regionen ist, die am stärksten von der Corona-Krise betroffen ist”, so der Kanzler. Er bezeichnete die bereits in der gestrigen VN-Ausgabe exklusiv berichteten Erleichterungen an der Grenze als “wichtigen Schritt, da mit 15. Juni alle Grenzübergänge zu Deutschland, zu Liechtenstein und der Schweiz öffnen werden.”

Treffen mit Liechtenstein
Noch ist da vieles über die konkreten Erleichterungen im Unklaren, aber der heutige Donnerstag soll den Bundeskanzler kurzfristig mit Vertretern Liechtensteins und eventuell auch der Schweiz zusammenbringen. Auch Landeshauptmann Markus Wallner betonte im Kleinwalsertal, dass das aktuelle Ziel sei, Lockerungen an der Grenze schon vor dem 15. Juni Realität werden zu lassen. “Ab 15. Juni soll dann die vollkommene Normalität herrschen”, sagte auch Sebastian Kurz und ermahnte die viel zu eng stehenden Medienvertreter: “Damit das aber stattfindet, müssen wir alle unseren Beitrag leisten – und Abstand halten.”

Jubelnde Walser
Nach dem ersten Stopp auf dem Breitachklamm-Parkplatz fiel es der Delegation vor dem Walserhaus in Hirschegg dann selbst schwer, Abstand zu halten: es waren statt den geplanten zehn Gesprächspartnern mehr als 150 Kleinwalsertaler gekommen, Österreich-Fahnen. Grüppchen an der Straße, einige Häuser tatsächlich beflaggt. Kanzler-Schauen, Selfie-Wünsche, Corona hin oder her. Kurz kam um eine Ansprache nicht umhin, die Walser freuten sich sichtlich über die Aufmerksamkeit – Jubel.
Läge noch Schnee, es erinnerte noch mehr an eine Siegerehrung.





