Rhesi ist jetzt in Wien und Bern

Vorarlberg / 12.05.2020 • 16:00 Uhr
Rhesi ist jetzt in Wien und Bern
Der Entwurf für den Staatsvertrag zu Rhesi ist fertig. Das Dokument wurde nach Wien und Bern geschickt, Verhandlungen beginnen. VN/HÄMMERLE

Entwurf für Staatsvertragsverhandlungen für Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit liegt vor.

Bregenz Aus Sicht von Landeshauptmann Markus Wallner (52,ÖVP) ist es ein historischer Tag. Wie zum Beweis dafür hebt der höchste Vorarlberger bedeutungsschwanger den dicken Band von seinem Stehtisch im Presseraum des Landhauses und blickt ihn an. Es ist der Entwurf für den Staatsvertrag mit allen juristischen und technischen Details. “Wir sind jetzt nicht mehr im Stadium der Variantendiskussion, und es gibt kein zurück an den Start”, betont Wallner einmal mehr eindringlich. “Das vorliegende Papier wird jetzt in Wien und Bern geprüft und soll in etwa zwei Jahren unterschriftsreif sein. Danach wollen wir mit dem UVP-Verfahren beginnen. Im besten Fall kann der Baustart für das Projekt im Jahre 2024 erfolgen”, skizziert der Landeshauptmann den ambitionierten Rhesi-Zeitplan.

Der Bau werde 20 Jahre dauern. “Ich hoffe, ich erlebe das noch”, bemerkt in diesem Zusammenhang Umweltlandesrat Johannes Rauch (61, Grüne). Er dankt allen Beteiligten für die Vorarbeiten und hält fest: “Ich halte das jetzt vorliegende Projekt für ausgewogen. Natürlich ist es ein Kompromiss. Den einen geht es zu weit, den anderen zu wenig weit.”

“Ich halte das vorliegende Projekt für ausgewogen. Es ist natürlich ein Kompromiss.”

Johannes Rauch, Umweltlandesrat

Kritik im UVP-Verfahren

Einig sind sich Wallner und Rauch darin, dass alle geäußerten Bedenken im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung abgehandelt werden sollen. Der Zeitplan soll so nicht gestört werden. Rauch sieht die zum Teil heftigen Kritiken am knapp eine Milliarde Euro teuren Großvorhaben nicht als Störfeuer. “Das ist alles legitim, und dem müssen wir uns stellen.”

Der Staatsvertrag zwischen Österreich und der Schweiz, es ist der bereits vierte im Zusammenhang mit Umgestaltungen des Rheins, dokumentiert die Übereinkunft beider Staaten, Rhesi gemeinsam umsetzen zu wollen.

Katastrophenszenario

Dass die Umsetzung von Rhesi nicht mehr ewig dauern sollte, untermauert Sicherheitslandesrat Christian Gantner (39, ÖVP) mit Riskoszenarien. “Rhesi ist vorrangig ein Wasserschutzbau zur Gewährleistung der Sicherheit von über 300.000 Menschen in einer wirtschaftsstarken Region. Ein Hochwasserereignis würde nicht nur viele Menschen persönlich treffen, sondern wäre ein wirtschaftlicher Genickbruch.”

Das Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit sieht Aufweitungen des Rhein-Flussgerinnes vor. <span class="copyright">VISUALISIERUNG, RHESI</span>
Das Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit sieht Aufweitungen des Rhein-Flussgerinnes vor. VISUALISIERUNG, RHESI

Das Projekt Rhein-Erholung-Sicherheit erstreckt sich auf einer Länge von 26 Kilometern von der Illmündung in Feldkirch bis zur Bodenseemündung in Fußach. Die Durchflussmenge soll dabei von 3100 Kubikmeter auf 4300 Kubikmeter pro Sekunde erweitert werden. Im Zuge der massiven Umgestaltung des Rheins soll auch dessen Ökologie wiederbelebt werden. Ein Trittsteinkonzept mit vier Aufweitungen des Gerinnes im Projektgebiet soll neue Pflanzen- und Tierwelten entstehen lassen.

Projekt Rhein-Erholung-Sicherheit

Projektgebiet: Illspitz bis zur Bodenseemündung

Länge: 26 Kilometer

Hochwasserschutz: Erhöhung der Durchflusskapazität auf 4300 m3/Sekunde

Geplanter Baustart: 2024

Bauzeit: 20 Jahre

Kosten: 900 Millionen Euro