So denken Schweizer Ortschefs über Grenzöffnungen

Vorarlberg / 11.05.2020 • 17:00 Uhr
Scharfe Kontrollen auf beiden Seiten des Rheins. Das ist die "neue Normalität" in Vorarlberg und in der Schweiz.  <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Scharfe Kontrollen auf beiden Seiten des Rheins. Das ist die "neue Normalität" in Vorarlberg und in der Schweiz. VN/Hartinger

Grenzöffnung. Auer Ortschef Christian Sepin ist noch zurückhaltend, sein St. Margrethner Kollege Reto Friedauer weniger.

Au, St. Margrethen “Mein Wunsch ist es, dass wir möglichst bald wieder den Normalzustand haben”, sagt der Gemeindepräsident (=Bürgermeister) des Schweizer Grenzorts Au, Christian Sepin (52), angesprochen auf die für gewöhnliche Bürger geschlossenen Grenzen nach Österreich. Doch die dringende Notwendigkeit zum Hochziehen des Grenzbalkens fürs gemeine Volk sieht Sepin dennoch nicht. “Die gesundheitlichen Aspekte”, fügt der Ortschef an, “müssen absolut im Vordergrund stehen. Man sieht ja, dass die getroffenen Maßnahmen gefruchtet haben. Jetzt einfach dem ‘Nice to have’ zu folgen, wäre der falsche Weg, die Gesundheit hat Vorrang”, umreißt der Chef der 7800-Einwohner-Kommune seine Position in der Frage Grenzöffnung.

Nicht dazwischenfunken

Sepin nimmt zur Kenntnis, dass es bei den Experten Befürworter und Gegner einer sofortigen Grenzöffnung gibt. “Aber ich will mich diesbezüglich nicht positionieren und jenen dazwischenfunken, welche die Entscheidungen treffen”, demonstriert der Gemeindepräsident Loyalität zu den Entscheidungen des Bundesrats in Bern.

Dass eine geschlossene Grenze durch den Wegfall des Einkaufstourismus für Gewerbe und Handel in Au durchaus auch Vorteile haben kann, sieht Sepin nicht so. “Insgesamt ist der wirtschaftliche Schaden durch die geschlossenen Grenzen auch für uns viel größer.”

Murren wird lauter

Spürbarer ist das Verlangen einer baldigen Grenzöffnung bei Sepins Kollegen Reto Friedauer (57) aus St. Margrethen. “Es ist natürlich alles eine Abwägung von Gesundheit und Freiheit. Aber nach den vorliegenden Zahlen zu urteilen kann man wieder die Freiheit in den Mittelpunkt stellen. Es ist Zeit für die Freiheit”, bricht Friedauer eine Lanze für eine schnelle Öffnung der Grenzen. “Ich merke, dass das Murren auch bei uns lauter wird. Leute können nicht mehr mit dem Velo nach Bregenz an den Bodensee fahren, viele ihre Freunde nicht mehr sehen. Und wenn ich mich mit meinem Höchster Bürgermeisterkollegen treffen will, muss ich das auf der Brücke tun.”

“Das Murren wird immer lauter. Es ist jetzt Zeit für die Freiheit.

Reto Friedauer, Gemeindepräsident von St. Margrethen

Das Leben in seiner Kommune, die 6000 Einwohner zählt, sei zwar ruhiger und weniger hektisch geworden. “Aber die Leute wollen trotzdem zurück zur Normalität.” Freilich ist auch Friedauers Einfluss auf die Entscheidungen in Bern sehr beschränkt. Und einen Wunsch für die Nach-Coronazeit möchte der Gemeindepräsident auf alle Fälle deponieren. “Ich hoffe nicht, dass es dann mit dem Einkaufstourismus so weitergeht wie vorher. Ich hoffe vielmehr, dass unsere Gemeindebürger die Leistungen unserer Gewerbe- und Handelsbetriebe stärker zu schätzen wissen.”