Druck auf die Grenzbalken nimmt mächtig zu

Vorarlberg / 11.05.2020 • 06:00 Uhr
Druck auf die Grenzbalken nimmt mächtig zu
VN/PAULITSCH

Angesichts der Entwicklung von Corona sinkt Verständnis für Grenzblockaden.

Schwarzach „Jetzt, wo die Coronazahlen in den benachbarten Ländern zu Vorarlberg annähernd gleich sind, ist es nicht länger einzusehen, dass dieser Grenzverkehr weiter blockiert wird. Das Gleiche gilt natürlich für die Grenzen nach Liechtenstein und Deutschland.“ Diese Meinung herrscht bei Vertretern der meisten Branchen im Land. Vorarlberg verdanke sein Wirtschaftskraft nämlich sowohl dem Export als auch dem direkten Kundenverkehr und dem Tourismus. Darüber hinaus würden die ausländischen Kunden die handwerklichen Fähigkeiten der Betriebe schätzen. Vor allem im Raum Kummenberg, aber auch Lustenau und Feldkirch scheint das Verständnis für die Grenzblockaden drastisch im Sinken begriffen.

Beziehungen über Grenzen hinweg

Immerhin bestünden die wirtschaftlichen Verknüpfungen seit Jahrzehnten, wird von Geschäftsleuten in Gesprächen mit den VN erklärt. Auch die Industrie macht zunehmend stärker Druck auf die Grenzbalken und Kontrollen. Aber auch für die Gastronomie, die am 15. Mai wieder ihre Pforten öffnen darf, sind die Gäste aus dem benachbarten Ausland ein wichtiger Kundenstock. Darüber hinaus, so beispielsweise Manfred Böhmwalder als Obmann der Wirtschaft amKumma in Götzis, seien auch die zahlreichen freundschaftlichen und familiären Beziehungen über die Landesgrenzen hinweg ein Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist.

Dass Österreicher als Gäste die Einbrüche in der Sommersaison lindern könnten, wollen zumindest viele Wirte nicht so recht glauben. „Der österreichische Gast spielt in Vorarlberg traditionell eine eher geringe Rolle. Der Gast aus Wien oder Linz bleibt meist eher in Salzburg oder in Tirol hängen, kaum einer schafft es durch den Tunnel“, räumt Gastronomie-Fachgruppenobmann Andrew Nussbaumer vom Palast Hohenems ein. Und: „Für den ostösterreichischen Gast ist außerdem auch Kärnten attraktiv. Vorarlberg jedoch ist bei ,Heimat zuerst‘ für viele Österreicher nicht die erste Idee.“ VN-TW, RAU

<strong>Hotellerie </strong>"Nur 13 Prozent unserer Gäste kommen aus Österreich", betont Hotellerie-Fachgruppenobmann<strong> Elmar Herburger </strong>vom Mohren in Rankweil. Wenn die Grenzen geschlossen bleiben, bleiben es daher auch die Hotels. Es komme die Beherberungsbetriebe billiger, gar nicht zu öffnen, als den ganzen Betrieb für eine Auslastung von maximal 20 Prozent hochzufahren. Gleichzeitig mangle es am Stammpersonal. Auch im Sommer kämen viele Arbeitskräfte vor allem aus Kroatien nach Vorarlberg, diese seien in vielen Talschaften nicht zu ersetzen. Hier arbeite man bereits an Lösungen, denen die niedrigen Infektionszahlen in Kroatien entgegenkämen. <span class="copyright">FOTO: VN/Stiplovsek</span>
Hotellerie "Nur 13 Prozent unserer Gäste kommen aus Österreich", betont Hotellerie-Fachgruppenobmann Elmar Herburger vom Mohren in Rankweil. Wenn die Grenzen geschlossen bleiben, bleiben es daher auch die Hotels. Es komme die Beherberungsbetriebe billiger, gar nicht zu öffnen, als den ganzen Betrieb für eine Auslastung von maximal 20 Prozent hochzufahren. Gleichzeitig mangle es am Stammpersonal. Auch im Sommer kämen viele Arbeitskräfte vor allem aus Kroatien nach Vorarlberg, diese seien in vielen Talschaften nicht zu ersetzen. Hier arbeite man bereits an Lösungen, denen die niedrigen Infektionszahlen in Kroatien entgegenkämen. FOTO: VN/Stiplovsek
<strong>Gastronomie </strong>Während die Wirte im Rheintal auf die Schweizer warten, blicke man im Norden des Landes wie im Laiblachtal schon eher nach Deutschland, erklärt Fachgruppenobmann <strong>Andrew Nussbaumer</strong>. Die Deutschen stellen vorarlbergweit zwar die meisten ausländischen Gäste, der Schweizer und Liechtensteiner Gast habe aber den höheren Pro-Kopf-Konsum. "Das liegt auch daran, dass der Schweizer Gast eher die gehobenere Gastronomie aufsucht", erklärt Nussbaumer. Auch könne man keine Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland anmelden, da die während des Lockdowns arbeitslos gemeldeten Fachkräfte theoretisch verfügbar wären und Vorrang hätten.<span class="copyright"></span><span class="copyright"></span><span class="copyright">Foto: vN/Prock</span>
Gastronomie Während die Wirte im Rheintal auf die Schweizer warten, blicke man im Norden des Landes wie im Laiblachtal schon eher nach Deutschland, erklärt Fachgruppenobmann Andrew Nussbaumer. Die Deutschen stellen vorarlbergweit zwar die meisten ausländischen Gäste, der Schweizer und Liechtensteiner Gast habe aber den höheren Pro-Kopf-Konsum. "Das liegt auch daran, dass der Schweizer Gast eher die gehobenere Gastronomie aufsucht", erklärt Nussbaumer. Auch könne man keine Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland anmelden, da die während des Lockdowns arbeitslos gemeldeten Fachkräfte theoretisch verfügbar wären und Vorrang hätten.Foto: vN/Prock
<strong>Handwerk </strong>"Alle leiden darunter, vom Metzger über Friseure bis zum Bauhandwerk", weiß Spartenobmann <strong>Bernhard Feigl </strong>(Glas Marte). Gerade im Bereich Lebensmittel ist das Handwerk stark mit dem Tourismus verknüpft. So mangle es den Bäckern und Metzgern beispielsweise aufgrund der geschlossenen Hotels und Lokale an Abnehmern. Doch auch andere Handwerker merken den Stillstand im Tourismus. Die Friseure wiederum hätten nun zwar einige Wochen volle Auftragsbücher, doch gerade in Grenznähe haben viele Betriebe auch Kundschaften aus der Schweiz. Im Bau sind manche in der Schweiz recht aktiv, derzeit auch mit Einschränkungen. <span class="copyright">FOTO: VN/Steurer</span>
Handwerk "Alle leiden darunter, vom Metzger über Friseure bis zum Bauhandwerk", weiß Spartenobmann Bernhard Feigl (Glas Marte). Gerade im Bereich Lebensmittel ist das Handwerk stark mit dem Tourismus verknüpft. So mangle es den Bäckern und Metzgern beispielsweise aufgrund der geschlossenen Hotels und Lokale an Abnehmern. Doch auch andere Handwerker merken den Stillstand im Tourismus. Die Friseure wiederum hätten nun zwar einige Wochen volle Auftragsbücher, doch gerade in Grenznähe haben viele Betriebe auch Kundschaften aus der Schweiz. Im Bau sind manche in der Schweiz recht aktiv, derzeit auch mit Einschränkungen. FOTO: VN/Steurer
<strong>Handel </strong>Die Region amKumma, mit Altach, Götzis, Koblach, Mäder liegt direkt im Grenzgebiet zu der Schweiz. "Es gibt einen Regen Einkaufsverkehr sehr vieler Schweizer Stammunden in die Region", sagt <strong>Manfred Böhmwalder</strong> als Obmann Wirtschaft amKumma. Auch Gewerbe- und Handwerksbetriebe würden zahlreiche Kundenkontakte ins Nachbarland pflegen. "Daher ist es für unsere Betriebe und Kunden sehr wichtig, dass die Grenzen schnellstmöglich wieder öffnen. Vor allem jetzt wo die Enwicklung der Zahlen in Sachen Corona in den benachbarten Ländern annähernd gleich sind wie bei uns, ist es nicht einzusehen dass der Grenzverkehr weiter blockiert wird." <span class="copyright">Foto: Privat</span>
Handel Die Region amKumma, mit Altach, Götzis, Koblach, Mäder liegt direkt im Grenzgebiet zu der Schweiz. "Es gibt einen Regen Einkaufsverkehr sehr vieler Schweizer Stammunden in die Region", sagt Manfred Böhmwalder als Obmann Wirtschaft amKumma. Auch Gewerbe- und Handwerksbetriebe würden zahlreiche Kundenkontakte ins Nachbarland pflegen. "Daher ist es für unsere Betriebe und Kunden sehr wichtig, dass die Grenzen schnellstmöglich wieder öffnen. Vor allem jetzt wo die Enwicklung der Zahlen in Sachen Corona in den benachbarten Ländern annähernd gleich sind wie bei uns, ist es nicht einzusehen dass der Grenzverkehr weiter blockiert wird." Foto: Privat
<strong>Industrie </strong>In erster Linie sind es für <strong>Martin Ohneberg</strong> als Präsdent der Vorarlberger Industriellenvereinigung ( IV) die Grenzbalken zu Deutschland, Italien sowie der Schweiz, die sich so rasch wie möglich öffnen sollten. „Die Schweiz ist ein Riesenthema, die sind noch sehr streng.“ Davon hänge für Vorarlberg als exportorientiertes Land vieles ab, betont Ohneberg auf Anfrage der VN. Die drastischen Auftragseinbrüche seien für die Unternehmen das mit Abstand größte Hindernis zur Wiederherstellung ihrer Produktion. Für den IV-Präsidenten und Unternehmer ist eine rasche, behutsame Öffnung der Grenzen ist für den Wirtschaftsstandort entscheidend. <span class="copyright">Foto: VN/Paulitsch</span>
Industrie In erster Linie sind es für Martin Ohneberg als Präsdent der Vorarlberger Industriellenvereinigung ( IV) die Grenzbalken zu Deutschland, Italien sowie der Schweiz, die sich so rasch wie möglich öffnen sollten. „Die Schweiz ist ein Riesenthema, die sind noch sehr streng.“ Davon hänge für Vorarlberg als exportorientiertes Land vieles ab, betont Ohneberg auf Anfrage der VN. Die drastischen Auftragseinbrüche seien für die Unternehmen das mit Abstand größte Hindernis zur Wiederherstellung ihrer Produktion. Für den IV-Präsidenten und Unternehmer ist eine rasche, behutsame Öffnung der Grenzen ist für den Wirtschaftsstandort entscheidend. Foto: VN/Paulitsch