Schulstart: Zwei Eingänge, zwei Gruppen, kein Singen, kein Turnen

Was auf die Pflichtschüler bei der Wiedereröffnung zukommt.
Wien Die Pflichtschulen rüsten sich langsam für das Comeback. Am 18. Mai kehren österreichweit 700.000 Schüler in die Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen und Sonderschulen zurück. Sie werden in Gruppen aufgeteilt. Turnunterricht gibt es nicht. Wer Musik lehren will, kann das tun. Singen ist aber verboten. Mittelschuldirektor Christian Höpperger ist gelassen und nervös zugleich. Die Vorbereitung an seiner Mittelschule Hard-Mittelweiherburg laufe gut. „Aber es ist eine völlig neue Situation.“
Seit zwei Wochen arbeitet der Schulleiter daran, die Hygienestandards umzusetzen. Mittlerweile habe er mit dem Schulwart 30 Tische in der Turnhalle aufgestellt. Zwischen jedem einzelnen Platz seien dort vier Meter Abstand. Das ist genug für die Mitglieder des Schulforums, die kommende Woche im Turnsaal beschließen wollen, dass die Lehrer der Mittelschule Hard-Mittelweiherburg auch an den Fenstertagen am 22. Mai und 12. Juni unterrichten.
Gegen das geblockte Modell
Alle Klassen werden in zwei Gruppen geteilt, berichtet Höpperger. „Die größte Klasse hat 24 Schüler, das sind dann zwei Zwölfergruppen.“ Die Höchstgrenze liegt laut Bildungsministerium bei 18 Schüler pro Klasse. Unterrichtet werden darf nur bis 14 Uhr. „Warum das so ist, wissen wir nicht“, sagt der Direktor. Anders als das Ministerium vorschlägt, werden die Gruppen auch tageweise wechseln. Das sei mit der Bildungsdirektion vereinbart worden und auch sinnvoller. „Auf einen Unterrichtstag folgt ein Hausübungstag und dann wieder ein Unterrichtstag.“ Damit sei es möglich, kurzfristiger zu reagieren. Bei dem für mehrere Tage geblockten Modell des Ministeriums hätte passieren können, „dass wir die Schüler fast eine Woche lang nicht sehen“.
An den sogenannten Hausübungstagen stünde den Kindern, die es brauchen, ein Betreuungsangebot in jenem Ausmaß zur Verfügung, in dem sie im Normalfall Unterricht hätten. Das heißt, es gibt auch Ganztageslösungen bis 16.15 Uhr.
Musik entfällt
Nicht alle Fächer werden weiter unterrichtet. Musik entfällt in Hard, da das Ministerium es untersagt, an den Schulen zu singen. So bliebe nur die Theorie. Obwohl Singen genau das wäre, was den Kindern gut tun würde, bedauert Höpperger: „Es wäre sicher im Freien möglich gewesen.“ Die fehlende Turnstunde will der Direktor mit gemeinsamen Spaziergängen kompensieren. Ausreichend Abstand sei natürlich immer die Grundregel.
Diese lernen die Schüler bereits, wenn sie die Schule betreten. „Wir haben zwei Eingänge eingerichtet. Die Schüler kommen zeitversetzt. Die Dritt- und Viertklässer fangen später an.“ Es gebe Schleusen mit Desinfektionsmitteln, die auch beaufsichtigt seien. Viel mehr vorbereiten könne er nicht, sagt Höpperger. „Der Rest wird sich in der Praxis zeigen.“ Auch in seiner zehnjährigen Laufbahn als Schulleiter habe er sowas noch nicht erlebt.