Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Festspiele 2020

Vorarlberg / 09.05.2020 • 06:59 Uhr

Im Ausnahmezustand kommt vielem eine größere Bedeutung zu: gesund sein, Angehörige, Freunde und Arbeit haben, beispielsweise. Politik wiederum ist nicht mehr nur Selbstzweck, Populäres zu machen und Wahlen zu gewinnen. Wirklich Wesentliches will geregelt werden.

“Land und Leute brauchen ein Erlebnis, das die Coronakrise relativiert oder vorübergehend vergessen macht.”

Auch Kunst und Kultur braucht es mehr denn je: Sie helfen, zu reflektieren, zu entdecken, zu genießen oder einfach nur Abenteuer im Kopf zu haben. In einer Zeit, in der jeder Einzelne auf sich selbst und sein begrenztes Umfeld zurückgeworfen ist, ist das so wichtig wie Luft zum Atmen.

Vor diesem Hintergrund ist es bitter, wenn offenbleibt, wie und wann es wieder Opern, Theater und Konzerte geben kann. Regierungsmitglieder mögen Pressekonferenzen bis zum Abwinken geben, Rahmenbedingungen vorgeben können sie noch keine. Zunächst müssen die Folgen der ersten Lockerungen abgewartet werden. Und überhaupt: Wie das mit dem „Abstandhalten“ und größerem Publikum klappen soll, ehe alle gegen Covid19 geimpft sind, ist und bleibt ein Rätsel, das Böses erahnen lässt.

Kulturelle Sternstunde

Gerade weil aber Kunst und Kultur zur Befriedigung der Grundbedürfnisse so unverzichtbar geworden sind, sollte es Bregenzer oder andere Festspiele in irgendeiner Form geben: Land und Leute brauchen ein Erlebnis, das die aufreibenden Erfahrungen dieser Wochen und Monate relativiert oder vorübergehend vergessen macht; das zum Ausdruck bringt, dass es auch etwas anderes und vielleicht sogar Größeres gibt; und das in Zeiten sozialer Distanz ein gesellschaftliches Ganzes zum Ausdruck bringt.

Die Klangwolke der Blasmusikszene Anfang Mai war ebenso ein starkes Zeichen in diesem Sinne wie die bisherigen Balkonkonzerte: Sie sind Quelle des Trostes und der Energie. Mögen sie Anstoß sein, gerade in diesem Sommer zumindest eine kulturelle Sternstunde zu versuchen, die dafür sorgt, dass 2020 nicht nur für dieses verdammte Virus steht.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.