Diese Kleinwalsertal-Pläne sind im Sand verlaufen

Jahrzehntelang wurde geplant. Eine direkte Straßenverbindung auf österreichischem Boden gibt es bis heute keine.
Mittelberg Die Coronakrise rückt das Kleinwalsertal erneut in den Fokus. Wochenlang waren die Grenzen dicht, die Bewohner im Tal praktisch eingesperrt. Nach den Lockerungen der letzten Tage keimt Hoffnung auf. Die Tourismusregion braucht freie Fahrt an der Walserschanze, sonst droht ihr der wirtschaftliche Totalschaden. Die laut Werbeprospekt schönste Sackgasse der Welt steckt in einer eben solchen. Dabei gab es in den letzten Jahrzehnten immer wieder Pläne, das Tal mit dem restlichen Vorarlberg zu verbinden. Widdersteinstraße, Fremdenverkehrstransversale, Basistunnel unter der Neuhornbach-Alpe oder Untertunnelung des Gottesacker-Massivs – die Kleinwalsertal-Pläne sind allesamt in den Schubladen verschwunden. Wohl auch weil die Tal-Bevölkerung stets wenig Begeisterung für eine direkte Straßenverbindung zeigte.
Dokumentiert wird das etwa in einem Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel. 1984 zitierte es den damaligen Mittelberger Bürgermeister Walter Fritz mit den Worten: “Ich habe nicht intrigiert und nicht sabotiert. Ich habe mich einfach tot gestellt”. Mit seiner passiven Haltung habe Fritz die Absicht der Vorarlberger Landesregierung, ihre 5000 Kleinwalsertaler mithilfe eines Tunnels heimzuholen, durchkreuzt, schrieb das Magazin weiter. Es war der letzte Versuch einer direkten Straßenverbindung, deren Planungen ins Jahr 1976 zurückreichen. Sie hätten den Ortsteil Schwende in Richtung Sibratsgfäll mit dem Bregenzerwald zusammenführen sollen. Die letzten Kreditraten einer dafür notwendigen und auch realisierten Brücke hat Mittelberg vor zwei Jahren abgestottert.
Tunnel zum Kalbelesee
Erste Planungen liegen weit länger zurück. Hitlers Generaldirektor für Straßenbau, Fritz Todt, verfolgte hartnäckig die Idee eines kurzen Weges von Augsburg über das Kleinwalsertal, den Arlberg- und Reschenpass direkt nach Italien. Ein zwei Kilometer langer Tunnel unter dem Hochalppass zum Kalbelesee in Warth sollte das Kleinwalsertal mit Vorarlberg verbinden. Der Kriegsbeginn am 1. September war auch Planungsende.
Lange lagen in den Nachkriegsjahren Pläne in den Schubladen. Einen neuen Vorstoß gab es erst 1967. Die Landesregierung präsentierte Überlegungen einer „Vorarlberger Fremdenverkehrs-Transversale“, die vom Allgäu durch ganz Vorarlberg bis nach Davos verlaufen sollte. Die VN schrieben von einer „Straße der Zukunft“. Die Behörden würden sich ernsthaft damit auseinandersetzen. „Das Land war immer die treibende Kraft“, erinnert sich Toni Berchtold, der zwischen 1971 und 2012 im Mittelberger Rathaus beschäftigt war. Die Gemeinde und die Bürger hätten die Verbindung nie wirklich gewollt.
1,1 Milliarden Schilling teuer
Gestört hat das in Bregenz offensichtlich niemanden. Pläne wurden weiter gewälzt. Ab 1971 war die Verbindung Mittelberg-Schoppernau in den Bundesstraßenkatalog aufgenommen. Sie hätte durch das Schwarzwassertal führen sollen. Die Baukosten wurden mit 1,1 Milliarden Schilling beziffert. Was blieb, waren Planungsspesen. Realisiert wurde keine der Varianten. Das mache den Reiz des Tals aus, sagt Zeitzeuge Toni Berchtold.
Mit dem Zollvertrag glaubte das Tal, alle notwendigen Absicherungen zu haben. Dass Covid19 das Vertragswerk aus dem Jahr 1891 aushebeln könnte, daran hatte niemand gedacht. Jetzt wird an eine Reparatur gedacht.