Lehrer weg vom Schreibtisch und hinein in die Klassen

Vorarlberg / 06.05.2020 • 08:00 Uhr
Lehrer weg vom Schreibtisch und hinein in die Klassen
Sprachförderung für Kinder, die es brauchen: Solche Aktivitäten sollen auch künftig finanziert werden. VN/EDITH HÄMMERLE

Im Vorarlberger Pflichtschulbetrieb stehen Einsparungen zur Behebung des Lehrermangels an.

Bregenz “Es wird nicht alle freuen”, streut Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink (59, ÖVP) zwei Mal in ihre Ankündigung ein. Tatsächlich bleibt das, was sie über die beschlossenen Maßnahmen der Vorarlberger Bildungsdirektion zur Eindämmung des Lehrermangels im Land zu sagen hat, nicht ohne Konsequenzen.

Geplant sind Einsparungsmaßnahmen im adminstrativen Bereich und auch im pädagogischen Alltag. Direktoren und Pädagogen sollen künftig weniger verwalten müssen und mehr im Unterricht sein. Einschnitte im nicht als elementar wichtig angesehenen pädagogischen Angebot sollen den Maßnahmenkatalog vervollständigen. Zwei Prozent der vom Land über den Bundeslehrerstellenplan hinaus zur Verfügung gestellten Schulstunden sollen eingespart werden.

537 Lehrerstellen vom Land

Vorarlberg finanziert über die Planstellen des Bundes hinaus im Pflichtschulbereich 537 zusätzliche Vollzeitposten. Diese kosten über 35,8 Millionen Euro, 23, 6 Millionen zahlt das Land. Im Pflichtschulbereich ist Vorarlberg der Übestundenkönig der Nation. 2018/2019 wurden 340.698 Überstunden im Pflichtschulbereich verbucht. Diese kosteten knapp 15, 6 Millionen Euro.

Planungssicherheit

Für Schöbi-Fink dienen die jetzt beschlossenen Maßnahmen einem großen Ziel: “Wir müssen sicherstellen, dass alle geplanten Schulstunden auch mit Lehrern besetzt werden können. Und wir brauchen einen Puffer im Fall von plötzlichen Veränderungen. Wenn etwa Lehrer ausfallen oder sich Klassenschülerzahlen verändern und in Folge dessen pädagogisches Personal gebraucht wird.”

Wir brauchen beim Personal einen Puffer im Fall plötzlicher Veränderungen.”

Barbara Schöbi-Fink, Schullandesrätin

Dieses wird zunehmend knapper. Auch heuer werden wieder 150 Lehrer in Pension gehen, von der PH Vorarlberg kommen maximal 50 frisch ausgebildete Pädagogen nach.

Für die Pflichtschulen sei Planungssicherheit unabdingbar, betont die Schullandesrätin. Diese sei nur bei entsprechenden personellen Ressourcen gewährleistet.

Weniger Teamteaching?

Laut Schöbi-Fink werde derzeit 70 Prozent der administrativen Arbeit in den Pflichtschulen von Direktoren und Pädagogen erledigt. “30 Prozent des Verwaltungspersonals stellen die Gemeinden. Das muss mehr werden, damit Lehrer von der Verwaltung wieder vermehrt in den Unterricht wechseln können.”

Weitere personelle Einsparungsmöglichkeiten sieht die Schullandesrätin bei Teamteaching, unverbindlichen Übungen oder Projekten. Nicht betroffen werden sollen von den Einschnitten Aufwendungen für besonderen Förderbedarf, spezifische Lernförderung und Sprachheilpädagogik.

“Was wir hier machen, ist kein Sparpaket, sondern eine Reaktion auf die kleiner werdenden personellen Ressourcen”, sagt Schöbi-Fink. Man werde die jetzt gesetzten Maßnahmen in einem Jahr evaluieren und entsprechend reagieren.

Umgehend Protest gegen die geplanten Änderungen in der Verwaltung gibt es von mehreren Direktoren. Diese kämen in der jetzigen Situation zu früh, meinen die Schulleiter.

Finanzierung Pflichtschule Vorarlberg

Schuljahr 2018/2019

537 vom Land finanzierte Vollzeitstellen

35,9 Millionen Euro kostete Planstellenenüberschreitung

23 Millionen Euro davon finanzierte das Land

340.698 Überstunden im Pflichtschulbereich

15, 6 Millionen Euro kosteten diese Überstunden