Diese Sorgen plagen die Hotellerie vor der Wiedereröffnung

Kaum Buchungen und viele offene Fragen: Ungewissheit belastet Vorarlberger Hoteliers.
Au Eine Stornierung nach der anderen komme herein, sagt Peter Simma (38). „Seit sieben Wochen geht das jetzt so, Tag für Tag. Das ist schon sehr frustrierend.“ Dabei wollte die Hoteliers-Familie in Au im Bregenzerwald in gut zwei Wochen mit vollem Haus in die zweite Sommersaison nach einem Vier-Millionen-Euro-Umbau ihres Hotels Adler starten. Gemeinsam mit dem Zweitbetrieb Rössle warten 145 Gästebetten auf Kundschaft. Buchungen sind dieser Tage rar. Da komme einem schon ein „Juhu“ über die Lippen, wenn tatsächlich jemand sein Kommen ankündige.
Wie den Simmas geht es derzeit vielen Hoteliers im Land. Kaum Buchungen und viele offene Fragen setzen ihnen zu. Noch sei unklar, ob man überhaupt aufsperren werde, jedenfalls nicht zum möglichen Starttermin Ende Mai. Das stehe jetzt schon fest. „Wir haben keine Informationen, wie der Betrieb laufen kann. Zudem brauchen wir eine gewisse Auslastung, um starten zu können“, so Simma im Gespräch mit den VN.
Wellnessbereich als Voraussetzung
Auf wesentliche Fragen gibt es keine konkreten Antworten. Vieles habe man gehört, bestätigt sei wenig. „Können wir den Gästen wie gewohnt unser Frühstücksbuffet anbieten, wie schaut es mit Sauna und Pool aus?“, zählt der Hotelier auf und stellt gleich klar. Ohne Wellnessbereich sei ein Neustart nach der Coronapause undenkbar. „Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum man zu uns kommt.”
Fragen über Fragen und vor allem eine Ungewissheit: Wer darf überhaut ins Land herein. Rund 70 Prozent der Gäste im Bregenzerwald kommen aus Deutschland. Auch der Anteil Schweizer Urlauber hat zuletzt stark zugenommen. Wenn der deutsche Gast nicht kommen könne, dann stehe ein Totalausfall ins Haus, sagt Simma. Österreicher, wie von der Bundesregierung propagiert, könnten das nie kompensieren. Wenn auch die Hoffnung besteht, dass Vorarlberger sich auf eine Auszeit im eigenen Land besinnen. In Summe macht der Anteil österreichischer Gäste etwa im Bregenzerwald allerdings nur rund fünf Prozent aus.
Kontakt mit Stammgästen
Adler und Rössle in Au haben viele Stammkunden. „Wir sind mit ihnen im Kontakt. Da spürt man schon eine gewisse Sehnsucht nach Urlaub“, sagt der 38-Jährige. Reisewarnungen und geschlossene Grenzbalken sind allerdings alles andere als gute Voraussetzungen für Buchungszusagen. Mit Änderungen bei den Stornobedingungen, bis kurz vor Anreise, wolle man das Risiko für den Gast minimieren. In der Luft hängen derzeit nicht nur die Hoteliers, sondern auch ihre Mitarbeiter. Gut 40 davon sind je nach Saison bei den Simmas angestellt, viele davon kommen aus der Region. Sie sollen unbedingt mit an Bord sein, wenn es wieder losgeht. „Die ersten vier bis sechs Wochen müssen wir Mitarbeiter mit Wiedereinstellungsbestätigung in Vollzeit beschäftigen.“ Genau in einer Zeit, in der völlig unklar sei, wie es um die Buchungslage bestellt und wie groß der Arbeitsaufwand sei. „Für uns, und das sehen auch andere Betriebe so, braucht es die Möglichkeit, Mitarbeiter von Beginn an in Kurzarbeit wieder einstellen zu können. Das wäre, was wirklich helfen würde.“

“Ehrliche Antworten auf Entschädigungsfragen”
Lech „Schon Konfuzius wusste, dass Pläne sinnlos sind, wenn es über Grundsätzliches keine Einigung gibt“, betont Johannes Pfefferkorn, der in Lech das Fünf-Sterne-Hotel Krone betreibt, im VN-Gespräch. „Wir wünschen uns klare Richtlinien zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen in allen Profitcentern, die von Gästen in und außerhalb des Hotels besucht werden. Dazu zählen Spa, Wellness, Restaurants, Lounges sowie Terrassen und bei auf Familienurlaub spezialisierten Hotels die Kinderbetreuung. Auch Almhütten, Bergbahnen, Busse und andere Einrichtungen gehören dazu. Sind geführte Wanderungen erlaubt? Wenn ja, in welcher Form? Ist Yoga möglich?“ Es gehe auch um klare Ansagen zu Grenzöffnungen, meint Pfefferkorn, immerhin würden 96 Prozent der Nächtigungen in Lech von Gästen ausländischer Herkunft erzielt und mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter würden aus dem Ausland stammen.
„Ausschließlich mit Inlandsgästen wird der Lecher Bergsommer zu einer noch nie dagewesenen Talfahrt im Hinblick auf Nächtigungen und Umsatz. Beides können wir uns nicht leisten.“ Die Finanzen brennen den Hoteliers freilich ebenso unter den Nägeln. „Wir wollen ehrliche Antworten auf Entschädigungsfragen durch die abrupt beendete Wintersaison, die uns große Verluste brachte. Galt zum Zeitpunkt der Anordnung der Schließungen noch das Epidemiegesetz von 1950? Wie und wann wird der finanzielle Schaden behoben?“ (von Tony Walser)

„Wir lassen uns trotz Krise den
Optimismus nicht nehmen“
Tschagguns Christoph Tschohl (56), Wortführer der Eigentümerfamilie des „Montafoner Hof“ und des „Löwen“ in Tschagguns, bemüht sich um analytische Nüchternheit. „85 Prozent unserer Gäste sind Nicht-Österreicher, 50 Prozent davon sind Deutsche, 30 Prozent kommen aus der Schweiz. Wir haben durch die Coronakrise ein Drittel unseres Wintergeschäftes verloren und wissen nicht wie es weitergeht. Das ist sehr unangenehm.“
Das Viersternhotel „Montafoner Hof“ hätte für gewöhnliche Urlauber jetzt zwar zu, „aber es wären zu dieser Zeit Seminarteilnehmer im Hotel, die im Löwen verköstigt würden.“
Würden. Hätten. Das bezieht sich bei den Tschohls auch auf Investitionen, die jetzt zumindest hinterfragt werden: Eine neue Küche, die Erweiterung des Wellnessbereiches, ein neuer Skiraum. Tschohl ist wie seine Branchenkollegen zum Warten verdammt. Warten auf politische Entscheidungen bezüglich Grenzöffnungen, Warten auf klare Richtlinien für die Hotellerie, Warten auf die Reaktion der Gäste.
Löwen öffnet
Verzweifelt wirkt der Unternehmer, dessen Familie in der fünften Generation Gastronomie und Hotellerie in Tschagguns prägt, nicht. „Wir lassen uns trotz Krise den Optimismus nicht nehmen.“ Das bestätigen ihm auch die zahlreichen Stammgäste, die ihre Buchungen für den Sommer großteils noch nicht storniert haben und auf ein Happy End warten. Genauso wie die Tschohls selbst. Und natürlich auch deren Personal. Rund 60 Menschen beschäftigt der Betrieb gewöhnlich. „Sie kommen mehr oder weniger alle aus der Region und wären sofort bereit zu arbeiten, sollten wir wieder aufsperren.“
Ob das im Montafoner Hof passiert, hängt nicht nur vom grünen Licht durch die österreichische Regierung ab. „Wenn die Grenzen zur Schweiz und nach Deutschland zu bleiben, sperren wir nicht auf“, stellt Christoph Tschohl klar. Gespannt verfolgt er deshalb täglich die aktuellen Meldungen zur Coronakrise auch bei den Nachbarn.
Öffnen wird am 15. Mai der Löwen. Darauf dürfen sich immerhin die Einheimischen aus Tschagguns und Umgebung freuen. (von Klaus Hämmerle)