Kleinwalsertal sucht Weg aus der Sackgasse

Schon über 2000 Unterschriften: Ein ganzes Tal drängt auf eine rasche Grenzöffnung.
Mittelberg Für deutsche Urlauber sind die Grenzen ins Kleinwalsertal weiter dicht. Dabei ist ein offener Grenzbalken an der Walserschanze so etwas wie die Lebensader für eine ganze Region. Rund 11.500 Betten gibt es in den Ortschaften, über 80 Prozent der beinahe 1,8 Millionen Nächtigungen gingen im Vorjahr auf das Konto deutscher Gäste. Bleiben sie dem Tal fern, bricht der einzige Wirtschaftszweig weg. Das Kleinwalsertal lebt wie keine andere Region des Landes vom Tourismus. „Es gibt praktisch keinen Arbeitsplatz, der nicht direkt oder indirekt davon abhängt“, sagt Roman Schuster (57), Sprecher der Vermietungs- und Beherbergungsbetriebe.
„Die schönste Sackgasse der Welt“, liest man häufig über die Ortschaften Mittelberg, Riezlern, Hirschegg und Baad. Genau in einer solchen stecken sie jetzt. Mit der Coronakrise ist die Enklave, die ausschließlich über deutsches Bundesgebiet erreichbar ist, wirtschaftlich abgeschnitten. „Mit der gemeinsamen Tourismusregion Allgäu/Kleinwalsertal vermarkten wir seit langem einen grenzüberschreitenden Fremdenverkehr. Skigebiet und auch die Bergbahnen im Sommer sind miteinander verbunden“, beschreibt Schuster die Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen. Dass dieses Miteinander jetzt plötzlich nicht mehr möglich ist, macht allen massiv zu schaffen. „Ohne eine rasche Lösung droht ein wirtschaftlicher Totalschaden“, so der Beherbergungssprecher.
Zwischen den Stühlen
Das Kleinwalsertal droht zwischen den Stühlen durchzufallen. Was immer in Österreich entschieden wird, ist für den Tourismus im Tal unbedeutend. Wenn hierzulande am 15. Mai die Gastronomie öffnet und zwei Wochen später Beherbergungsbetriebe wieder Gäste empfangen dürfen, werden die meisten Hotels und Restaurants im Zollausschlussgebiet geschlossen bleiben. Österreichische Gäste verirren sich nur in kleiner Zahl ins Kleinwalsertal. Mit unter einem Prozent beziffert Schuster ihren Anteil. „Ohne Gäste können wir die Betriebe auch nicht aufsperren“. Vereinzelt öffne vielleicht das ein oder andere Gasthaus, damit für die Einheimischen ein Stück weit Normalität zurückkehre, glaubt Roman Schuster. Mehr wird es aber nicht sein.

Die Nachrichten aus Deutschland machen zudem wenig Mut. Mit der Verlängerung der Reisewarnung aus Berlin und dem Appell des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder an seine Landsleute, doch in Deutschland Urlaub zu machen, droht dem Kleinwalsertal ein Totalausfall. Dabei hat das Sommergeschäft eine besondere Bedeutung. Mit sanftem Tourismus sei es gelungen, die Sommermonate zu stärken, so Schuster. Mittlerweile fällt die Hälfte der Nächtigungen auf die warme Jahreszeit.
Schon 2000 Unterschriften
Roman Schuster kämpft mit Touristikern im Tal für einen Weg aus der Sackgasse. Persönliche Kontakte zu Spitzenpolitikern auf EU-Ebene werden genutzt. Man will sich bei den Innenministern in Deutschland und Österreich Gehör verschaffen. Auch die Landesregierungen werden sensibilisiert.
Bisher allerdings mit bescheidenem Erfolg. Die Erleichterungen beim Grenzübertritt für Einheimische sind nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. „Ein Zuckerl, das wir bekommen haben. In Wahrheit nutzt uns das aber gar nichts“, so Schuster, der vor zehn Tagen eine Petition gestartet hat. In kurzer Zeit haben fast 2100 Menschen unterschrieben. „Bilaterale Grenzöffnung zwischen Deutschland und Österreich für den Reiseverkehr“ lautet die Forderung. Eine Sonderlösung soll es geben für ein Tal mit einem Sonderstatus, das die Folgen der Coronakrise wie keine andere Region zu spüren bekommt. Mit der Petition wolle man der Politik in Deutschland und Österreich verdeutlichen, dass die Bevölkerung hinter der Forderung nach einer raschen Grenzöffnung stehe.
Petition
„Bilaterale Grenzöffnung zwischen Deutschland und Österreich für den Reiseverkehr“ unter shorturl.at/wJKPT