Schweiz: Die Enkel umarmen, aber nicht hüten

Bei den Eidgenossen sind die Perspektiven für Großeltern besser.
Bern Was die Ländergrenzen betrifft, zeigen sich die Schweizer nach wie vor rigoros. Ein- und Ausreisen sind nur unter strengsten, für viele nicht verständlichen Auflagen erlaubt. Die Grenzen im zwischenmenschlichen Bereich sehen die Eidgenossen nun offenbar nicht mehr so eng. Darauf lassen Aussagen von Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) schließen, die für großes Echo sorgten. Laut Koch dürfen Enkel jetzt wieder von den Großeltern zumindest umarmt werden. Vom Enkel hüten er allerdings ab. Die Eltern seien nämlich das Problem, weil in der Regel die mittlere Generation das Virus übertrage. Die Schlussfolgerung des BAG-Delegierten für Covid19: „Also darf man kleine Kinder wieder einmal umarmen, solange man Abstand zur mittleren Genration hält.“
Komplizierte Studie
Den Rummel ausgelöst hatte ein Interview mit Daniel Koch in der Zeitschrift „Großeltern“. Daraufhin gab es eine Medienkonferenz, bei welcher Koch seine Aussagen bekräftigte. Kinder würden praktisch nicht infiziert und das Virus nicht weitergeben. Zudem würden Kinder, wenn, dann meistens von ihren Eltern angesteckt. Darum gehe von kleinen Kindern selbst keine Gefahr für Risikopatienten oder Großeltern aus, erläuterte Daniel Koch. Bei älteren Kindern ab zehn Jahren sei der Kontakt jedoch nicht mehr erwünscht. Da steige die Gefahr einer Übertragung.
Hüten sollten Oma und Opa ihre kleinen Enkel dennoch nicht, weil diese von den Eltern gebracht würden. Das führe zu einer Durchmischung der Generationen, Eltern hätten dann Kontakt mit den Großeltern und die Distanzregeln würden nicht mehr eingehalten, lautet die Begründung. Die Empfehlungen des BAG stützen sich auf eine laut Koch komplizierte Studie, die analysiert hat, ob es bei Kindern Rezeptoren für das Virus gibt. Das sei nicht der Fall. Weiters wurde diesbezüglich Rücksprache mit Infektiologen und Kinderärzten der Unispitäler Zürich, Bern und Genf gehalten. Das BAG wolle Kenntnisse, die zum Vorteil der Bevölkerung sind, dieser nicht vorenthalten