Kein Aufatmen: Kleinwalsertal braucht eine echte Lösung

Vorarlberg / 04.05.2020 • 12:30 Uhr
Kein Aufatmen: Kleinwalsertal braucht eine echte Lösung
Die Grenzen bleiben für deutsche Urlauber geschlossen. Dem Kleinwalsertal droht ein wirtschaftlicher Totalschaden. VN/GASSER

Existenzielle Bedrohung: Grenze bleibt für deutsche Urlauber dicht.

Mittelberg Im Kleinwalsertal brodelt es weiter. Die Erfolgsmeldung, wonach die Grenze für Einheimische wieder leichter passierbar ist, habe zu keiner wesentlichen Verbesserung der Situation geführt. Davon sind Touristiker und Handel überzeugt. „Es gibt jetzt einige Erleichterungen, aber längst keine echte Lösung“, sagt Daniel Hilbrand, Obmann des Handels- und Gewerbevereins Kleinwalsertal. Allein im Handel würden deutsche Gäste zwischen 80 und 90 Prozent des Umsatzes beisteuern. Signale, dass die Grenze auch für sie bald geöffnet werden, gibt es keine. Der Region droht ein wirtschaftlicher Totalschaden. „Wir haben nur ein einziges Standbein: das ist der Tourismus“, so Bürgermeister Andi Haid.

Daniel Hilbrand, Obmann des Handels- und Handwerkvereins Kleinwalsertal: "Wir brauchen eine echte Lösung. Eine, die auch die Einreise deutscher Urlauber ermöglicht. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Daniel Hilbrand, Obmann des Handels- und Handwerkvereins Kleinwalsertal: "Wir brauchen eine echte Lösung. Eine, die auch die Einreise deutscher Urlauber ermöglicht. VN/Steurer

Seit letzter Woche dürfen Kleinwalsertaler ins benachbarte Allgäu, etwa um Einkäufe zu erledigen. Was von der Politik im Land als großer Verhandlungserfolg gefeiert wurde, stößt im Tal selbst nicht nur auf Begeisterung. „Eigentlich hat das nur zur Folge, dass weiter Kaufkraft aus dem Kleinwalsertal abfließt“, beschreibt Daniel Hilbrand im VN-Gespräch die Stimmung in seiner Branche.

Status für Wirtschaft unverändert

Rund 5000 Bewohner zählt das Kleinwalsertal, das eine Sonderstellung hat. Erreichbar sind die Ortschaften ausschließlich über deutschen Boden. Das Zollausschlussgebiet ist wirtschaftlich an Deutschland angegliedert. Mit der Coronakrise wurden die Menschen im Tal besonders hart getroffen. Fast sechs Wochen herrschte eine Art „Zwangsquarantäne“. Vom wirtschaftlichen Aspekt war nie so sehr das Problem, dass die Bewohner das Tal nicht verlassen konnten, sondern dass niemand reinkam. An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert.

„Wir brauchen dringend eine große Lösung“, appellieren Wirtschaftstreibende an die Politik. Würden Deutsche im Sommer tatsächlich ausgesperrt bleiben, dann stelle dies eine existenzielle Bedrohung dar, hofft Daniel Hilbrand auf ein Einlenken in Berlin. Das Kleinwalsertal brauche die Unterstützung der heimischen Politik. Die Grenzen müssten gänzlich geöffnet werden, zu sehr sei man aufgrund der besonderen Konstellation an Deutschland gebunden“, so der Unternehmer weiter.