IfS-Schuldenberatung rechnet wegen Coronakrise mit Klientenansturm

Vorarlberg / 29.04.2020 • 15:00 Uhr
IfS-Schuldenberatung rechnet wegen Coronakrise mit Klientenansturm
Simone Strehle-Hechenberger vermutet, dass sie das ganze Ausmaß der Krise im Sommer zu spüren bekommen. VOL.AT/MAYER

Im vergangenen Jahr wurden über 3000 Personen betreut.

bregenz Noch hat die Coronakrise, die vielen Menschen den Job kostete oder Kurzarbeit bescherte, nicht bei der Schuldenberatung des Instituts für Sozialdienste (IfS) aufgeschlagen. Lange dürfte das aber nicht mehr auf sich warten lassen. “Spätestens im Sommer werden auch wir das ganze Ausmaß zu spüren bekommen”, vermutet die Leiterin der Einrichtung, Simone Strehle-Hechenberger. Die durch Covid19 ausgelösten Probleme würden zahlreiche Menschen unter zusätzlichen finanziellen Druck setzen. Vor allem jene Klienten, die sich bereits in einer Schuldenregulierung befinden, sehen diese gefährdet, weil sie die vereinbarten Raten kaum noch aufbringen können.  Im vergangenen Jahr unterstützte die IfS-Schuldenberatung 3273 Menschen, die Schwierigkeiten hatten, ihre Außenstände zu begleichen. Lösungen werden gemeinsam erarbeitet und individuell angepasst.

Armut insgesamt bekämpfen

Zu den häufigsten Ursachen von Überschuldung zählen Einkommensverschlechterung bzw. Arbeitslosigkeit, das Konsumverhalten, Selbstständigkeit sowie Scheidung und Trennung. In diesem Jahr ist die Coronakrise dazugekommen. „Die massiven Auswirkungen auf unsere Wirtschaftsbetriebe sind noch nicht absehbar”, sagt Strehle-Hechenberger. Auf Bundesebene wurden zwar Maßnahmen getroffen, die Menschen mit Schulden das finanzielle Überleben sichern sollen, wie etwa die Stundung von Zahlungsplanraten. Ob sie ausreichen, werde sich zeigen. Sinnvoll und wichtig wäre es laut Strehle-Hechenberger, Armut insgesamt zu bekämpfen. “Es gilt, die Zinsspirale zu stoppen, sodass sich Schulden inklusive aller Kosten und Zinsen maximal verdoppeln. Das Existenzminimum sollte erhöht werden und der Familienbonus bei den Familien bleiben und nicht gepfändet werden”, lauten ihre Forderungen an die Politik.

Wenn Menschen die Schulden über den Kopf wachsen, hilft die Schuldenberatung weiter. <span class="copyright">ADOBE</span>
Wenn Menschen die Schulden über den Kopf wachsen, hilft die Schuldenberatung weiter. ADOBE

Von den mehr als 3000 im vergangenen Jahr betreuten Klienten waren 62 Prozent Männer und 38 Prozent Frauen. Das Altersspektrum des Großteils der Schuldner lag zwischen 26 und 55 Jahren. Rund 38 Prozent der Klienten waren vollzeitbeschäftig, 28 Prozent arbeitslos, 11 Prozent teilzeitbeschäftigt. Die Privatkonkurse sind nach einem Spitzenwert im Jahr 2018 (über 400) wieder gesunken.