Vorarlberger fahren auf Ländle-Fleisch ab

Schlachthof Dornbirn ist trotzdem nur spärlich ausgelastet und harrt ungewisser Zukunft.
Dornbirn, Andelsbuch Anton Fetz (48) ist derzeit so oft in seinem heimatlichen Betrieb in Andelsbuch wie schon lange nicht. Er schlachtet Tiere, zerlegt und verpackt das Fleisch. Zwei volle Tage die Woche war er vor Corona noch im großen Schlachthof Dornbirn, den er gepachtet hat. Jetzt reicht dort ein Tag. “Zwischen 30 bis 40 Prozent hat sich die monatliche Schlachtmenge seit Corona reduziert. Wir haben vor Corona noch knapp 100 Tonnen Fleisch produziert, jetzt sind es um einiges weniger”, verdeutlicht Fetz den Rückgang.
Großabnehmer fehlen
Der Rückgang ist nachvollziehbar: Kein Tourismus, keine Hotellerie, keine Gastronomie, keine Veranstaltungen mehr. Da verwundert es, dass die Verluste nicht noch höher sind. Und jetzt kommt die positive Botschaft des Unternehmers: “Verblüffend ist, wie die Nachfrage von Privatpersonen gestiegen ist. 100 Prozent mehr Fleisch gekauft haben die als noch vor Corona”, staunt Fetz. Das gibt ihm Zuversicht für die Zukunft. “Ich denke, das Kaufverhalten könnte sich nach der Coronakrise verändern, und zwar in Richtung Nachfrage nach Produkten der heimischen Fleischerzeuger”, hofft der Unternehmer.
Neues Konzept
Wie lange es mit dem Schlachthof Dornbirn und ihm als Pächter weitergehen wird, weiß Fetz nicht. “Da entscheide nicht ich. Ich weiß nur, dass Ende 2021 endgültig Schluss ist und der Schlachthof einen neuen Standort braucht.”
Während Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger von guten Gesprächen über potenzielle Standorte spricht, berichtet der freiheitliche Kammerrat Andreas Hagspiel (50) von einem neuen Konzept für die Fleischproduktion und Vermarktung in Vorarlberg. “Die Ländle-Viehvermarktung als zuständiges Unternehmen für Lebendvieh und Tochter der Landwirtschaftskammer soll ein Geschwisterchen bekommen: ein Unternehmen, das sich um die Schlachtung, Zerlegung und Vermarktung von Fleisch kümmert. Per Umlaufbeschluss soll das Konzept in der Kammer abgesegnet werden”, spricht Hagspiel von einer baldigen Umsetzung.
„Wir wollten schon immer Schlachthof, Verarbeitung und Vermarktung zusammenlegen.“
Andreas Hagspiel, FPÖ-Kammerrat LK Vorarlberg
Der Lustenauer Landwirt sieht dabei die Vorschläge der freiheitlichen Fraktion in der Kammer kurz vor der Verwirklichung. “Wir waren schon immer für eine Zusammenlegung von Schlachthof, Fleischverarbeitung- und Vermarktung auf genossenschaftlicher Basis.” Bereits am kommenden Montag soll in der Landwirtschaftskammer der Beschluss zur Neukonzeptionierung der Fleischproduktion samt Vermarktung von der Kammer fallen.