Arbeit statt Fenstertage: So reagieren Schuldirektoren auf Anordnung

Gewerkschafter-Kritik auch am Comeback-Plan für Schulen. Direktoren reagieren unterschiedlich.
Wien, Bregenz Pflichtschulgewerkschafter Gerhard Unterkofler (60) und Pflichtschullehrervertreter Willi Witzemann (60) sind sich einig: Den Lehrern die schulautonomen Fenstertage wegnehmen zu wollen sei ein Gesetzesbruch. Nach Wochen des distance learnings mit ihren Schülern samt Osterwoche-Betreuung sei eine Belastungsgrenze erreicht. “Irgendwann ist Schluss” meint Unterkofler. Witzemann kritisiert den Etappenplan zur Wiederöffnung der Schulen. Auch fehle eine klare Definierung der Risikogruppen. Ebenso ungeklärt sei, wie die Betreuung parallel zum Unterricht funktionieren soll. “Wichtig ist die Verordnung und nicht die Pressemappe des Ministers”, bemängelt Witzemann die Kommunikation des Ministeriums. Mit den Lehrervertretern habe man vorher nicht geredet.
Anregung, nicht Anordnung
ÖAAB-Lehrervertreter Wolfgang Türtscher (64) findet die Kritik am Minister überzogen. “Ich sehe seine Äußerung bezüglich Öffnung der Fenstertage als Anregung und nicht als Anordnung. Ich persönlich hätte eigentlich nichts dagegen, wenn man sie öffnet. Auch sonst gibt es viele Details, welche die Schulen autonom klären können und sollen.”
“Ich persönlich hätte eigentlich nichts gegen die Öffnung der Fenstertage.”
Wolfgang Türtscher, ÖAAB-Lehrervertreter
Gelassen sieht die ministeriellen Äußerungen zum Thema Wiederöffnung von Schulen Gerd Neururer (57), Direktor der Mittelschule Lustenau Rotkreuz. “Dieser Vorstoß des Ministers ist noch nicht exakt ausgearbeitet und wird ja regelmäßig korrigiert. Ich kann mit dem vorgeschlagenen Fahrplan prinzipiell gut. Ändern würde ich den Rhythmus des Präsenzunterrichts . Ein Tag Schule, ein Tag zu Hause: Das fände ich besser. Würde ich für die Fenstertage Lehrer zur Betreuung brauchen, würde ich sicher genug bekommen.”
Gemeinden müssen helfen
Kollege Christian Höpperger (50) kritisiert die Kommunikation des Ministeriums mit den Lehrern. “Man sollte schon miteinander reden, bevor solche Maßnahmen ins Auge gefasst werden”, meint der Schulleiter der Mittelschule Hard-Mittelweiherburg. Wie groß das Engagement der Lehrer sei, belegt Höpperger mit seinen in der Krise gemachten Erfahrungen. “27 von meinen 30 Kollegen haben sich bei mir freiwillig für die Betreuung in den Osterferien gemeldet.” Bei der Wiedereröffnung der Schulen sieht Höpperger auch die Gemeinden gefordert. “Sie müssen uns vor allem bei der Umsetzung der notwendigen Hygienemaßnahmen helfen.”
Das No-Go
Ganz auf die Seite von Gewerkschaft und Lehrervertretung stellt sich Sabine Bader (59), Direktorin der Volksschule Dornbirn Edlach. “Da geht es auch um die Infragestellung der gesetzlich festgelegten Jahresarbeitszeit von Lehrern. Die Streichung der autonomen Tage ist für mich ein No-Go.” Ihre Lehrerinnen und Lehrer würden derzeit “Unglaubliches” leisten. Da könne man nicht einfach noch zusätzliche Arbeitstage anordnen. Für die Wiedereröffnung der Schule ist die VS Edlach laut Direktorin Bader gerüstet. “In unserer neuen Schule mit den vielen Gruppenräumen geht das mit den kleinen Einheiten ja auch gut. Ich frage mich nur: Wie machen das andere?”
Von zu erwartenden hohen Belastungen für ihre Lehrer durch distance learning und gleichzeitigem Präsenzunterricht spricht BG Lustenau-Direktorin Ulrike Fenkart (62). Persönlich sieht sie keine Notwendigkeit zur Streichung der autonomen Tage. “Das Home-Office funktioniert bei uns gut. Meine Lehrer leisten ganze Arbeit.”