2000 Sozialarbeiter sind in Kurzarbeit

In manchen Sozialbereichen ist keine Tätigkeit möglich, in anderen steigt der Bedarf.
Bregenz Die Coronakrise hat alle Lebensbereiche erfasst. Unternehmen haben ihre Mitarbeiter gekündigt oder in Kurzarbeit geschickt. Viele stehen vor familiären und sozialen Problemen. Vorarlbergs Sozialinstitutionen dienen diesen Menschen als Netz. Doch auch sie kämpfen mit klammen Kassen. Die Landesregierung hat deshalb Vorarlbergs Institutionen aufgefordert, Mitarbeiter zur Kurzarbeit anzumelden. Von 7700 Mitarbeitern sind mittlerweile rund 2000 zur Kurzarbeit angemeldet.
Die Aufforderung erging Anfang April per Brief an 30 Sozialinstitutionen. Darin spricht die Sozialabteilung von teilweise massiven Arbeitsrückgängen. Sollte man die Kurzarbeit nicht in Anspruch nehmen, dann könnte am Ende die Tangente nicht voll ausgeschöpft werden. Was bedeutet: Den Sozialinstitutionen droht weniger Geld aus dem Sozialfonds.
Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker erläutert: „In manchen Bereichen ist Kurzarbeit überhaupt nicht möglich, wie in Pflegeheimen. In anderen hingegen schon.“ Caritas-Direktor Walter Schmolly bestätigt. „In Sozialeinrichtungen haben wir es mit zwei Welten zu tun. Auf der anderen Seite gibt es Angebote und Dienstleistungen, die aufgrund der Vorgaben nicht möglich sind.“ Das betrifft alle Bereiche mit unmittelbarem Kontakt, wie Werkstätten, häusliche Einrichtungen und Gruppentherapien. Deshalb hat die Caritas 45 Prozent der Mitarbeiter, also rund 250, zur Kurzarbeit angemeldet. Das bedeute allerdings nicht, dass alle tatsächlich in Kurzarbeit müssen, ergänzt Schmolly.
Vorsorglich angemeldet
Das IFS meldete 220 Mitarbeiter zur Kurzarbeit an, erklärt Geschäftsführerin Martina Gasser. “In zwei Bereichen sind wir fast zum Stillstand gekommen, zum Beispiel in der Schulsozialarbeit. Stationäre Bereiche wie die Frauennotwohnungen verzeichnen hingegen zum Teil eine Mehrbelastung.” Überall dort, wo man die sogenannte neue Normalität merke, steige die Nachfrage. „Zum Beispiel bei der Schuldenberatung. Wir erwarten in nächster Zeit einen massiven Anstieg.“ Einsamkeit sei ebenfalls ein großes Thema.
Auch Dowas hat sich den bürokratischen Aufwand der Kurzarbeitsanmeldung angetan. „Nun sieht es so aus, als war es eher eine überflüssige Übung. Wir haben mehr Arbeit und rechnen damit, dass wir Kurzarbeit nicht brauchen“, erläutert Geschäftsführer Peter Brunner. Der Treffpunkt für Menschen in der Notschlafstelle sei zum Beispiel den ganzen Tag offen. „Dass wir über Kurzarbeit diskutieren, ist ein bisschen skurril. Wenn alles wieder hochfährt, werden mehr Leute merken, was Arbeitslosigkeit bedeutet. Wir werden eher mehr Arbeit bekommen.“
Sozialeinrichtungen finanzieren sich über Spenden, Förderungen, private Aufträge und über die Tangenten: Für jede Leistung erhält man Geld. Bereiche, in denen derzeit nicht gearbeitet werden kann, können auch keine Leistung erbringen. „Wenn die Dienstleistungen nicht erfolgen, kann ich nicht einfach die Tangenten voll auszahlen“, betont Landesrätin Wiesflecker. Beim IFS ist man aber nicht beunruhigt, wie Geschäftsführerin Gasser betont. „Wir gehen davon aus, dass wir viele Leistungen, wie derzeit wegfallen, im kommenden halben Jahr erbringen. Wir haben keinen speziellen Engpass.“ Caritas-Direktor Schmolly spricht von einer angespannten finanziellen Situation. „Aber wir merken eine solidarische Grundstimmung und sind für die Spenden dankbar.“
Anforderungen steigen
Um die Coronakrise zu bewältigen, müssen die Verantwortlichen in Wien, Bregenz und den Gemeinden tief in den Steuertopf greifen. Das Geld fehlt irgendwann. „Natürlich gibt es einen Druck auf das Budget“, weiß Wiesflecker. Sparen im Sozialbereich sei aber nicht möglich. „Wir können davon ausgehen, dass wir im Sozialfonds mehr brauchen werden.“ Bei der Mindestsicherung merke man schon jetzt einen Anstieg, die Ausgaben für Pflege, Beratungen und Existenzsicherung würden weiter steigen. Die Frauennotwohnungen wurden bereits aufgestockt. „Ich halte es für sehr schwierig, im Sozialbereich Einsparungen vornehmen zu können.“ Sie gehe nicht davon aus, dass der Bedarf weniger wird. Nachsatz: „Im Gegenteil.“