Ein Immunitätsausweis, damit der Motor wieder anspringt

Ökonom David Stadelmann kontert Kritikern an seiner Forderung nach Immunitätszertifikat.
Bayreuth Die Staatsdruckerei entwickelt gemeinsam eine App, die Staaten und Privatpersonen die Rückkehr in die Normalität erleichtern soll. Via Smartphone soll eine Immunität gegen das Virus nachgewiesen werden können. Damit entwickelt die Staatsdruckerei das, was der Vorarlberger Ökonom David Stadelmann schon lange fordert: ein Immunitätszertifikat. Der Wissenschaftler der Uni Bayreuth hofft, dass dadurch das normale Leben wieder beginnen kann. Schließlich benötige es eine Exit-Strategie aus den strikten Einschränkungen. Er sieht die Immunität als Ressource.
Stadelmann und zwei Kollegen haben herausgearbeitet, weshalb es den Nachweis brauche. Nachdem der Vorschlag auch Kritik hervorgerufen hat, gibt es nun eine neue Version des Aufsatzes, in der die Forscher darauf eingehen.
Kein Neid auf Immune
So hielten manche entgegen, dass ein Zertifikat dem Gleichheitsgrundsatz widerspreche. Schließlich dürften sich nur jene Menschen frei bewegen, die schon krank waren und somit immun sind. „Rechtlich wird keinem Gleichheitsgrundsatz widersprochen. Wirtschaftlich könnten Immunitätszertifikate eine gewisse Ungleichheit bringen“, räumt Stadelmann ein. Aber: „Die ist von kurzer Dauer und bringt im Gegenzug völlige Freiheit und Effizienz. Je mehr Menschen immun werden, desto mehr nimmt der Wert der individuellen Immunität ab.“ Neid auf immune Menschen sollte keine Rolle spielen.
Stadelmann fordert mehr Rationalität. Am Ende sei es immer eine Abwägung zwischen Gesundheit, Wirtschaft und Sozialleben, so war es schon vor der Coronakrise. „Viele werfen uns vor, wir bräuchten eine Herz-Strategie, keine Exit-Strategie“, erzählt der Ökonom. „Große und relevante Probleme mit Herz anzuschauen, heißt aber, sie rational anzuschauen. Das sollte auch für die Entscheidungsträger gelten“, fordert er. Der Fokus auf tragische Einzelschicksale sei nicht hilfreich. „Wenn wir mit Maß und Vernunft vorgehen und versuchen, das Gesamtbild zu sehen, erkennen wir, wie viele die Krankheit überwinden und dass es sehr viele milde Fälle gibt.“
Vieles liegt an der Reaktion
Ein Begriff, der in der Coronakrise regelmäßig auftaucht, ist die Triage, also das Einteilen der Erkrankten nach Schwere der Krankheit, anhand dessen die Behandlung stattfindet. In Italien mussten Ärzte entscheiden, welche Patienten ein Beatmungsgerät erhalten und welche nicht. „Im Grunde wollen uns die Politiker mit dem Lockdown etwas Gutes tun, weil sie meinen, sie müssten Traige-Situationen minimieren“, beschreibt Stadelmann. „Aber Triage-Situationen zu minimieren ist etwas anderes als Todesfälle zu minimieren. “ Der Lockdown führe zu enormen dauerhaften ökonomischen und sozialen Verwüstungen. „In Entwicklungsländern wird es viele Hungertote geben. Das liegt nicht am Virus, sondern an der Reaktion auf das Virus.“
Um den Erfolg zu messen, müsse man sich auf die geretteten Lebensjahre fokussieren, nicht auf die Zahl der geretteten Leben. Bei der Statistik sieht er Nachholbedarf bei der österreichischen Bundesregierung. Zu Beginn sei der Lockdown vielleicht das richtige Mittel gewesen. „Aber man hätte die Zeit nutzen müssen, um Informationen zu erhalten.“ Das habe man verpasst.
Ohne Immunität ein Problem
Die Kritik, dass der Ausweis nur funktioniert, wenn es eine Immunität gibt, versteht er. „Das wäre das einzige echte Problem. Auch eine Impfung würde es dann nicht geben. Das Virus wäre dann ein normaler Begleiter, wie der normale Tod.“ So weit sei es aber derzeit nicht. „Eine Immunität ist höchstwahrscheinlich.” Auch die Staatsdruckerei geht davon aus. Sie hofft, ihre App in zwei Monaten zum Einsatz zu bringen.