Klimaschutz mit Beigeschmack

Vorarlberg / 20.04.2020 • 14:00 Uhr
Klimaschutz mit Beigeschmack
Wenn es bald notwendig sein werde, wirtschaftliche Impulse zu setzen, könnten etwa Radwege gebaut werden. VN/PAULITSCH

CO2-Emissionen dürften heuer sinken. Ein brauchbares Modell ist das jedoch nicht.

SCHWARZACH Klimaschützer könnten sich freuen: Zeiten wirtschaftlicher Krisen sind oft auch solche, in denen weniger Treibhausgase produziert werden. Kein Wunder: Betriebe stehen still, viele Menschen befinden sich sprichwörtlich auf der Straße und haben kein Geld und keinen Grund, Auto zu fahren. Eine Auswertung des Umweltbundesamtes zeigt, dass die Emissionen, die in 1000 Tonnen CO2-Äquivalent ausgewiesen werden, in Vorarlberg seit 1990 erheblichen Schwankungen unterworfen sind. Eine kleinere Delle von vielen könnte demnach mit der letzten Wirtschaftskrise zusammenhängen, die sich 2009 zutrug. Ein Blick auf die Kurven zeigt jedoch, dass die Geschichte ziemlich vielschichtig ist

Schadstoff

Die nunmehrige Coronakrise ist von einem außerordentlichen Kaliber: Jetzt ruht überhaupt fast alles. „2020 werden wir natürlich Effekte haben“, sagt Christian Gratzer vom „Verkehrsclub Österreich“ (VCÖ). Vom Verkehr stammen seit 20 Jahren die meisten Schadstoffe. Und genau hier fällt nun auch sehr viel weg, wie Gratzer ausführt: „Es gibt deutlich weniger Pendler und dienstlichen Verkehr.“ Auch Reisen und größere Ausflüge mit dem eigenen Pkw sind nicht mehr möglich: „Allein dadurch werden die CO2-Emmissionen stark reduziert.“

Klimaschutz mit Beigeschmack

Das wird sich auch in der Gesamtbilanz bemerkbar machen: In Vorarlberg beliefen sich die Emissionen insgesamt zuletzt auf 2,1 Millionen Tonnen pro Jahr. Gut die Hälfte davon entfiel mit knapp einer Million auf den Verkehrsbereich, also Autos, Lastkraftwagen und Motorräder. Das war nicht immer so: 1990 machte der Anteil dieses Sektors nur gut ein Viertel aus. Gleich groß war damals der Anteil des Gebäudesektors. Damit sind vor allem Emissionen gemeint, die durch das Heizen entstehen. Sie sind jedoch stark gesunken. Bessere Wärmedämmung und mildere Winter haben dazu beigetagen, dass weniger geheizt werden muss. Ergebnis: Der Anteil des Gebäudesektors an den gesamten Emissionen macht nur noch ein Fünftel aus. Eher rückläufig sind die Werte des dritten größeren Treibhausgasproduzenten, der Industrie. Sie liegen bei rund 0,3 Millionen Tonne

Radweg

Dass es heuer alles in allem voraussichtlich weniger werden wird, nützt dem Klima, ist aber kein Modell, wie auch Gratzer bestätigt: „Langfristig müssen die Emissionen reduziert werden, wenn die Wirtschaft läuft und die Menschen mobil sind.“ Gerade aus der Krise heraus wären dazu jedoch Lösungen möglich. Gratzer nennt ein Beispiel: Wenn es bald notwendig sein werde, wirtschaftliche Impulse zu setzen, könnten etwa Radwege gebaut werden. Das wären Aufträge, die auch kleineren, lokalen Bauunternehmen nützen würden. Und die Radwege wären wiederum ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz.