Digitalisierungsschub für Zoll in Corona-Zeiten

Speziell am Zollamt Wolfurt sind physische Kontakte auf ein Minimum reduziert.
Wolfurt, Lustenau Wie alle anderen Wirtschaftsbereiche hat auch die Transportwirtschaft markante Einbußen zu verzeichnen. Es werden derzeit viel weniger Waren über die Grenzen verschickt bzw. kommen ins Land herein. Beim Zoll sieht man die Herausforderungen hingegen nicht geringer. Laut Wolfgang Hämmerle (51), dem Vorstand des Zollamtes Feldkirch-Wolfurt, Chef über 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, habe man die Zeit genutzt und eine tiefgreifende Digitalisierung der Abfertigungstätigkeit implementiert.
“Wir sind auch jetzt an Werktagen mit der Abfertigung von 3500 Lkw beschäftigt, die über die verschiedenen Grenzübergänge fahren. Die Umstellung auf ein digitales System hilft uns zum richtigen Zeitpunkt, physische Kontakte weitestgehend zu vermeiden”, sagt Hämmerle.
Kaum physische Kontakte
Hämmerle beschreibt die Vorteile des neuen Abfertigungssystems von Lkw in Wolfurt. “Dort haben sich noch vor Corona bis zu 150 Fahrer gleichzeitig im Schalterraum aufgehalten. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Nun schickt der Anmelder per E-Mail die Angaben zur Fracht mit Laufzettel nach Wolfurt. Wir bestätigen das, schicken das Formular zum Schweizer Zoll, der schließlich seine Bestätigung dem Frächter zusendet. Dann kann’s für den mit der Fahrt losgehen”, schildert der Zollvorstand die neuen Abläufe. Physischer Kontakt sei kaum mehr notwendig.
“Vor Corona waren bis zu 150 Fahrer im selben Raum. Jetzt nur vier.”
Wolfgang Hämmerle, Vorstand Zollamt Feldkirch-Wolfurt
Verschiedentlich würden Lkw freilich immer noch tatsächlich untersucht, dank Risikoanalysesystem sei dies jedoch nur noch in sehr geringer Zahl notwendig.
Dank der Digitalisierung befänden sich in Wolfurt jetzt vielleicht noch zwei bis vier Personen gleichzeitig im Schalterraum. “Und die begleichen dort zumeist die Lastenschwerverkehrsabgabe für die Schweiz”, erklärt Hämmerle.
Nicht alle umgestellt
Nicht alle Frächter haben freilich schon auf das neue System umgestellt. Manche beklagen ein zu komplexes Prozedere, das noch alles andere als eingespielt sei. Hämmerle bittet diesbezüglich um Geduld.
Kein Systemproblem, sondern ein handfestes wirtschaftliches Problem haben alle Frächter, die einen mehr, die anderen weniger. “Wir verzeichnen derzeit einen Einbruch von 30 bis 40 Prozent”, klagt Barbara Scheffknecht, von der gleichnamigen Spedition in Lustenau. Die Firma hat wie so viele andere Kurzarbeit verfügt und beklagt noch eine andere Unannehmlichkeit. “Dass an der Grenze zu Deutschland wieder mehr kontrolliert wird, ist natürlich ärgerlich. Mehr Kontrollen, weniger Transporte: So ist das halt im Moment einfach”, bringt die Firmenchefin das Dillemma auf den Punkt.
Zufrieden mit Kooperation
Völlig zum Erliegen sind die sogenannten U34-Abstempelungen zur Rückforderung der österreichischen Mehrwertsteuer an den großen Grenzübergängen geworden. Die dafür eingesetzten sieben Mitarbeiter, die an Samstagen an den Zollämtern in Lustenau, Hohenems und Feldkirch-Tisis im Einsatz sind, würden nun andersweitig verwendet, berichtet Hämmerle, der sich von der Kooperation mit Polizei, Bundesheer, Behörden und Schweizer Kollegen sehr beeindruckt zeigt.
Aktuelle lkw-Abfertigungen
3500 Lkw täglich insgesamt
500 Tisis
500 Wolfurt
1000 Lustenau
500 Höchst