Wo am Osterwochenende hölzerne Klänge ertönten

Vorarlberg / 13.04.2020 • 14:50 Uhr
Firmling Samuel Maier (Mitte) rätschte mit seinen Brüdern Mateo (r.) und Lucas (l.) im Oberzwischabäch und sorgte mit 24 Schulkollegen dafür, dass in Vandans heuer die Rätschen mit Abstand in verschiedenen Ortsteilen erklingen konnten.
Firmling Samuel Maier (Mitte) rätschte mit seinen Brüdern Mateo (r.) und Lucas (l.) im Oberzwischabäch und sorgte mit 24 Schulkollegen dafür, dass in Vandans heuer die Rätschen mit Abstand in verschiedenen Ortsteilen erklingen konnten.

Auf Balkonen, Terrassen und vor Hauseingängen wurde in Vandans und Stallehr fleißig gerätscht und gekläpft.

Vandans, Stallehr Traditionell wären die Rätschkinder am Osterwochenende in zwei Gruppen eingeteilt in ganz Vandans unterwegs gewesen. Aufgrund der derzeitigen Sicherheitsmaßnahmen war dies heuer jedoch nicht möglich. Deshalb wurde eine Anregung aus der Bevölkerung aufgegriffen und kurzerhand die Rätschen an die Kinder verteilt und nach Hause mitgegeben. „Die Kinder der 4. Klasse Volksschule haben bei der Erstellung des Buches ‚Wenn die Glocken wegfliegen…‘ fleißig mitgearbeitet. Deshalb wurden sie ausgewählt, heuer das Rätschbrauchtum zu praktizieren“, erklärt Volksschuldirektorin Evelyn Stoiser die Auswahl der 25 Kinder. Da einige Familien Rätschen im Privatbesitz haben, erhöhte sich die Anzahl der Rätschkinder sogar. Somit waren über weite Teil der Gemeinde Rätschen verteilt und zu den ausgemachten Zeiten ertönten die hölzernen Klänge. Pfarrer Hans Tinkhauser freute sich sehr über das lebendige Brauchtum. „Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, Traditionen weiterzuleben. Die Viertklässler, die gleichzeitig unsere Firmkinder sind, haben so einen wichtigen Dienst an der Gemeinschaft verrichtet“, so der Pfarrer.

Im 15. Jubiläumsjahr der Rätschner von Vandans wurde auch auf einen Film hingewiesen. Zu sehen ist er im Internet und beschreibt in knapp zehn Minuten das wiederbelebte Brauchtum. Anna-Maria Zimmermann als Initiatorin der Rätschner freut sich schon auf viele Rätschkinder im nächsten Jahr. „Dieses Jahr waren ‚nur‘ 25 Rätschen zu hören. Im nächsten Jahr freuen wir uns, wieder viele Kinder mit Rätschen auszustatten, um den Klang im ganzen Ort zu hören.“ Einen Eindruck davon kann sich jeder beim Schauen des Films machen.

Binger Kläpfer gaben alles

Auch Erwachsene beteiligten sich heuer an der Kläpferei in Stallehr, Bings und Radin und hatten sichtlich Spaß daran.
Auch Erwachsene beteiligten sich heuer an der Kläpferei in Stallehr, Bings und Radin und hatten sichtlich Spaß daran.

Auch in Bings, Stallehr und Radin war es trotz Kontaktverbots möglich, die alte Tradition des Kläpfens durchzuführen. Üblicherweise übernehmen die Kläpfer am Karfreitag und Karsamstag den Dienst der Kirchenglocken und marschieren durch Stallehr, Bings und Radin. Da dies heuer nicht möglich war, kläpften die Kinder einfach zu den üblichen Uhrzeiten vor ihren Häusern. Sogar Erwachsene beteiligten sich an dieser Aktion und brachten so ein wenig Normalität in diese außergewöhnliche Zeit.

Die Kläpfen unterscheiden sich von den üblichen Ratschen nicht nur im Klang, sondern auch durch ihre Bauweise. Eine Kläpfe besteht aus einem dickeren Brett und aus ein bis vier Holzhämmern. Je nach Holzsorte und Holzstärke gibt es einen anderen Klang. STO, SW