500 Vorarlberger wollen in den Ernteeinsatz, aber . . .

Nur knapp zehn Prozent können laut Landwirtschaftskammerpräsident längerfristig aushelfen.
Schwarzach Derzeit kommen die Gemüse- oder Erdbeerbauern mit den vorhandenen Arbeitskräften noch über die Runden. Doch die Zeit drängt. Ende April/Anfang Mai beginnt die Erntesaison. Vielen Betriebe fehlen dafür die Erntehelfer aus Osteuropa. Auf den Landweg können sie aufgrund der Beschränkungen nicht einreisen. Damit Corona nicht auch noch die Ernte versaut, hat sich die deutsche Bundesregierung darauf geeinigt, 80.000 ausländische Saisonkräfte per Flugzeug ins Land zu holen. Das fordern auch etliche österreichische Bauern. Denn: Was die Erntehelfer können, kann nicht jeder und hält es auch durch. Die Arbeit ist hart, man muss schnell sein und bei jedem Wetter raus auf das Feld.
50 aus 500
Österreich möchte allerdings einen anderen Weg gehen. Vor drei Wochen wurde zur Vermittlung von Arbeitskräften die Plattform www.dielebensmittelhelfer.at präsentiert. “Wir betrachten es kritisch, wenn in der jetzigen Situation mit mehr als 560.000 Arbeitslosen Erntehelfer eingeflogen werden”, sagt der österreichische und Vorarlberger Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger. Es gäbe natürlich Schlüsselarbeitskräfte, bei denen das womöglich unumgänglich sei, wie beim Spargelstechen, in der Fleischzerlegung oder bei Forstarbeiten. “Aber einfache Tätigkeiten wie Erdbeerpflücken, das schafft bald einmal jemand”, ist Moosbrugger überzeugt. Die Landwirtschaftskammer (LK) hätte derzeit jedenfalls nicht vor, Erntehelfer einfliegen zu lassen, wenn, dann hätten sich die Betriebe selbst damit zu beschäftigen. “Weil wir glauben, dass wir auch sonst eine Möglichkeit finden.” In Vorarlberg haben sich laut LK bislang 500 Interessierte gemeldet, viele davon stehen allerdings nur befristet bis 15. April zu Verfügung. An einem längerfristigen Arbeitsverhältnis seien derzeit rund 50 Personen interessiert, präzisiert der Präsident.
Kollektivvertrag
Was die heimischen Ernte- oder Alphelfer verdienen? Moosbrugger erläutert: “Das ist Verhandlungssache. Es gibt natürlich Kollektivvertragslöhne und die sind höher als jene von Erntehelfern.” Der Kollektivvertrag für den Gartenbau schreibt etwa 1380 Euro brutto vor, jener für die Landwirtschaft 1550 Euro. Klar ist für Moosbrugger daher auch, “dass regionale Lebensmittel mit regionalen Arbeitskräften nicht so billig sein können”. Damit die Landwirte trotz möglichem Bonus kein Geld drauflegen, müsse Regionalität auch mehr wert sein, unterstreicht er.