“Das Virus ist ein Feind des Herzens”

Vorarlberg / 09.04.2020 • 06:00 Uhr
Prof. Heinz Drexel vom VIVIT.
Prof. Heinz Drexel vom VIVIT.

Für  Prof. Heinz Drexel sind beim Thema Corona praktische Ärzte und Internisten die Spezialisten.

Schwarzach, Feldkirch Was hat Corona mit anderen Erkrankungen zu tun? Auf diese Frage ging Prof. Heinz Drexel in einem digitalen VN-Vortrag und im Gespräch mit VN-Redakteurin Marlies Mohr ein. Die Angst, vom Coronavirus betroffen zu sein, ist nach wie vor groß. Vor allem fachspezifische Antworten auf die Frage, wer zum besonders gefährdeten Personenkreis gezählt wird, sind gefragt. Vor diesem Hintergrund ging Drexel als langjähriger Primar der Internen Abteilung am LKH Feldkirch und Leiter des VIVIT-Instituts, das ein molekularbiologisches Labor unterhält, auf die Thematik ein.

Hohes Fieber fordert Körperorgane

Aus seiner Sicht sind Internisten und praktische Ärzte die richtigen Spezialisten zur Behandlung von Corona, betonte der Facharzt. “Sie alle machen einen guten Job.” Jede Infektion führe zu einer Beeinträchtigung des Organismus. “Wir können sagen, das ist wie ein Kampf des Erregers mit unserem Organismus, der eine Armee von Organen besitzt. Und diese Organe sind damit mehr gefordert. Man weiß genau, wenn wir Fieber haben geht der Motor sozusagen auf Vollgas. Bei einem hohen Fieber von 40 Grad wäre dies fast die doppelte Leistung, die wir damit von Herz und Lunge verlangen. Corona und andere Viren können das Herz angreifen und für eine Entzündung des Herzmuskels sorgen. Das heißt, das Virus ist ein Feind des Herzens.” Vor diesem Hintergrund ist es besonders schlecht, wenn eine Herzkrankheit besteht, warnte der Experte. “Ist das Herz bereits angeschlagen, hat es im Kampf gegen das Virus, das wiederum auf das Herz schlagen kann, schlechte Waffen.” Es sei zwar nicht durchwegs das Herz das Opfer, vielfach handle es sich um die Lunge. Schwere Krankheitsverläufe bei Corona seien nachweislich für Herz und Lunge ein Problem.

Wie kann man selbst spüren, dass möglicherweise Herz und Lunge angeschlagen sind? “Da gibt es ein Symptom, und zwar Atemnot schon bei geringer körperlicher Belastung.” Heuschnupfen erhöhe hingegen nicht das Risiko an Corona zu erkranken. Diabetes oder hoher Blutdruck würden unter der Voraussetzung, dass sie medizinisch behandelt würden, ebenso keine Gefahr darstellen, sagte Drexel. Menschen mit geschwächten Immunsystemen sollten hingegen jeglichen Kontakt mit Corona-Infizierten tunlichst meiden. Sind alle über 65 Risikopatienten? Drexel: “Wer von sich sagen kann, dass er fit ist und eine gute Leistungsfähigkeit hat, ist nicht gefährdet, nur weil er über 65 Jahre alt ist.”