Erdbeeren-Produzent bangt um bulgarische Pflücker

Vorarlberg / 06.04.2020 • 14:30 Uhr
Erdbeeren-Produzent bangt um bulgarische Pflücker
Vorarlbeiter Radek aus Polen erledigt mit zwei Helfern auf dem riesigen Erdbeerfeld der Kargs die letzten Vorarlbeiten, bevor es dann mit der Ernte losgeht. VN/HÄMMERLE

Wolfgang Karg weiß zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob er bei der Ernte auf sein bewährtes Team zurückgreifen kann.

Gaißau Der Frühling zeigt sich im Naturschutzgebiet Rheindelta mit all seinen Reizen. Ein leichter Wind streift über die weiten Grasflächen und die Felder, auch über die vier Hektar des Erdbeerlandwirts Wolfgang Karg. In wenigen Wochen schon sollten die die köstlichen Früchte nach und nach reif werden, bereit, gepflückt zu werden.

Eingespieltes Team

Fragt sich nur. Wer wird sie pflücken? Wolfgang Karg weiß es nicht. “Ich hab’ gewöhnlich mein eingespieltes Team hier. 20 geschickte Arbeiter aus Bulgarien, 70 Prozent davon Frauen.” Die Container für die Arbeiterinnen und Arbeiter stehen schon bereit: Schlafstätten, Gemeinschaftsküche, Aufenthaltsraum, Satellitenschüsseln zum Empfang von bulgarischen Fernsehsendern in der kargen Freizeit. Doch Corona hält alles in Schwebe. “Die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Was heute ist, kann morgen schon ganz anders sein”, beschreibt Karg seine Gefühlslage.

Auf dem Luftweg

Der Erdbeerbauer gibt niemandem die Schuld an der Situation. “Die Landwirtschaftskammer ist an einer Lösung dran. So wie es derzeit aussieht, sollen die Bulgaren auf dem Luftweg zu uns kommen. Über Land müssten sie diverse Grenzen passieren. Das ist derzeit heikel.” Und doch ist noch nix wirklich fix. Ob Bulgarien Bürger in gut zwei Wochen noch ausreisen lässt, ob Österreich sie reinlässt, wie sich die Corona-Gesamtsituation weiterentwickelt – alles unklar.

Dankbar, aber. . .

Kargs Erntehelfer sind bewährte Kräfte. “Sie sind ausdauernd, geschickt und robust. Nicht jeder kann das, was sie können. Und hält das auch durch. Sie arbeiten bei 30 Grad genauso wie bei Regen. Wenn’s sein muss auch mal länger.” Geerntet wird in der von Mai bis in den Juli dauerden Saison jeden Tag. Die Erdbeeren müssen zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt.

Wolfgang Karg ist dankbar über das Angebot für Erntehilfe aus der Vorarlberger Bevölkerung. Doch er weiß: “Diese Arbeit ist hart. Das halten nicht alle aus. Und es braucht eine Anlernzeit, bis man die notwendige Menge schafft.” Ein geübter Pflücker bringt es am Tag auf bis zu 12 Kilo Erdbeeren.”

Sollten alle Stricke reißen, ist Karg dennoch froh um jedes Hilfsangebot. Auch wenn Vorarlberger Pflücker gerade jetzt noch einen anderen Nachteil haben. “Sie fahren am Abend wieder nach Hause und erhöhen dadurch das Infektionsrisiko, wenn sie wieder zurückkommen. Die Bulgaren hingegen wären immer am Hof.”