„Es gibt kein Mehl mehr“

Vorarlberg / 03.04.2020 • 09:00 Uhr
„Es gibt kein Mehl mehr“
Daniela Lais lebt mit ihrem Mann zwischen Kalifornien und Oregon.

Wie eine Hörbranzerin die Coronakrise in Amerika erlebt.

Portland Die USA sind zum globalen Epizentrum der Coronapandemie geworden. In keinem anderen Land gibt es so viele bestätigte Infektionen.

Die gebürtige Hörbranzerin Daniela Lais (38) ist seit Juli 2019 mit einem Amerikaner verheiratet. Im Oktober sind die beiden nach Brawley in Kalifornien gezogen, um dort den Winter zu verbringen. Den Rest des Jahres leben sie in Portland/Oregon. „Wir haben die Anfänge von Covid-19 in Brawley mitbekommen. Da wir aber sehr ländlich leben und keine Nachbarn rund um unser Haus haben, hat es uns dort nicht wirklich getroffen. Es war etwas schwerer Toilettenpapier zu bekommen, aber alles war am Anfang noch verfügbar“, schildert die 38-Jährige. Vorletzte Woche ging es für das Paar mit dem Auto die knapp 1200 Kilometer zurück nach Portland. „Wir haben einen Stopp in San José bei der Mutter meines Mannes eingelegt. Zu diesem Zeitpunkt gab es für die Bay Area bereits eine ‚stay in shelter‘-Regel für drei Wochen. In der Stadt selbst war kaum Verkehr, gewöhnlicherweise sind die Straßen dicht. Auch auf dem Weg rund um Los Angeles war alles frei.“

„Es gibt kein Mehl mehr“
Vorletzte Woche ging es für das Paar mit dem Auto die knapp 1200 Kilometer zurück nach Portland.

Einkaufskörbe in der Spülmaschine

Mittlerweile sind auch in Oregon nur noch dringende Erledigungen wie der Einkauf von Lebensmitteln oder der Gang zur Apotheke erlaubt. Danielas Mann Joel arbeitet als Fahrradmechaniker. „Sein Geschäft ist eines der wenigen ‚regulären‘ Geschäfte, die noch geöffnet sind. Viele Menschen hier in Portland sind auf das Fahrrad angewiesen, weil viele kein Auto haben“, erzählt die Autorin von zwei veganen Koch- und Backbüchern.  

„Es gibt kein Mehl mehr“
Einkaufskörbe werden in der Spülmaschine gewaschen.

In einem ihrer Lebensmittelstammgeschäfte seien nur noch zehn Menschen erlaubt, alles werde desinfiziert. In einem anderen werden die Einkaufskörbe in der Spülmaschine gewaschen. An frischem Obst und Gemüse mangle es nicht. „Es gibt aber kein Mehl und keine Hefe mehr und auch kein Toilettenpapier. Bohnen sind überall rar. In den Gratis ‚Nachbarschaftsgruppen‘ wird manchmal Toilettenpapier angeboten oder auch Desinfektionsmittel“, berichtet sie. Eigentlich wollte Daniela Lais Mitte April für ein paar Monate zum Arbeiten zurück nach Österreich fliegen. In den USA darf sie aktuell kein Geld verdienen, da sie noch keine Green Card besitzt. „Ich befinde mich im Endspurt meines ‚Adjustment of status‘ und muss auf Abruf hier sein. Ich darf nur mit einer Reisebewilligung der Homeland Security nach Österreich retour, diese kommt jetzt aber natürlich nicht und zudem ist es aktuell sowieso nicht machbar“, bedauert sie. Ihre Familie und Freunde wird die Wahlamerikaner jetzt wohl längere Zeit nicht sehen. Wie lange das sein wird, das weiß derzeit niemand so genau …

„Es gibt kein Mehl mehr“
Mit Humor durch die Krise: Daniela und ihr Mann Joel.
„Es gibt kein Mehl mehr“
Hier dürfen nur noch zehn Kunden gleichzeitig eintreten.