So laufen Geburten in Zeiten der Coronakrise ab

Wie Rita Heel die Geburt ihres Söhnchens erlebte. Neugeborener in der Tiefgarage abgeholt.
Satteins Der Frühling kam und mit ihm der kleine Kilian. Entbunden wurde der Bub im Landeskrankenhaus Feldkirch. Seine Eltern, Rita (36) und Matthias Heel (37), hatten irgendwie noch Glück. Der Vater durfte während der Geburt dabei sein, musste danach aber sofort das Krankenhaus verlassen. Am Sonntag konnte er Mutter und Kind noch einmal sehen, weil beide in einem Einzelzimmer untergebracht waren und die Verordnung, die letztlich auch Vätern ein Besuchsverbot auferlegte, erst am Montag unterschrieben wurde. Danach ging nichts mehr. Die Abholung gestaltete sich ebenfalls etwas ungewöhnlich. Sie fand nämlich in der Tiefgarage des Spitals statt. „Dort mussten wir zuerst einmal das Baby einkleiden, weil wir damit gerechnet hatten, dass mein Mann uns auf der Station abholen darf“, erzählt Rita Heel. Inzwischen ist die Familie wieder glücklich vereint und genießt das Glück mit den Söhnen Marius (4) und Kilian in ihrem Heim in Satteins.
Eingeschränkte Betreuung
Schwangerschaft und Geburt sind in Zeiten der Coronakrise ein spezielles Thema. Die Hebammen können mit werdenden Eltern nur noch telefonisch oder per Skype kommunizieren, denn die Geburtsvorbereitungskurse wurden gestrichen und Nachbetreuungen zu Hause auf das Notwendigste beschränkt. „Es geht darum, die Frauen zu schützen“, betont Helga Hartmann, Sprecherin der Hebammen in Vorarlberg. Das Fehlen persönlicher Kontakte macht die Beratungen intensiver. „Die Angst vor dem Coronavirus ist auch bei Schwangeren da“, weiß Hartmann aus zahlreichen Gesprächen: „Es liegt an uns Hebammen, die Frauen zu beruhigen.“ Hausbesuche in den ersten fünf Tagen nach der Entlassung aus dem Spital finden ebenfalls kaum noch statt, außer in dringenden Fällen. Mütter befürchten eine Ansteckung, und die niedergelassenen Hebammen verfügen noch über keine Schutzausrüstung. „Wir warten auf die Lieferung“, sagt Hartmann. Bis sie kommt, behelfen sich die Frauen mit selbstgenähten Masken.
Corona blieb draußen
Rita Heel konnte ihre Geburtsvorbereitung im buchstäblich letzten Augenblick vollständig abschließen. Mehr Gedanken machte sich die werdende Mama über das, was mit all den Einschränkungen im Krankenhaus auf sie zukommt. Im Rückblick kann sie sagen: „Das Coronavirus war weder im Kreißsaal noch auf der Wochenstation ein großes Thema. Krankenschwestern und Hebamme haben es gut verstanden, das Problem von uns fernzuhalten.“ Dass ihr Mann wenigstens bei der Geburt dabei sein konnte, beschreibt Rita Heel als großes Glück. „Ohne ihn wäre ich verloren gewesen.“ Hätte das nicht geklappt, hätte sie sich ein anderes Krankenhaus gesucht. „Ich wäre auch bis nach Bregenz gefahren“, merkt sie an. Am 21. März 2020 erblickte Kilian Lothar Heel schließlich das Licht der Welt: 51 Zentimeter lang und 3190 Gramm schwer. „Er entwickelt sich prächtig“, fügt die Mutter noch glücklich an.