Online-Hilfe für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Marc Fleisch hilft Menschen mit psychischen Erkrankungen. In Zeiten der Coronakrise jetzt auch via Onlinetool.
Sulz Die aktuelle weltweite Situation rund um die Coronaepidemie führt viele Menschen an ihre Grenzen. Das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Einsamkeit macht sich breit. Aber es gibt in unserem Land auch solche, die bereits vor der Ausnahmesituation an ihre psychischen Grenzen gekommen sind. Marc Fleisch (36), psychiatrischer Gesundheits- und Krankenpfleger aus Sulz, kümmert sich beruflich um Menschen mit psychischen Erkrankungen. Als Mitarbeiter von Pro Mente Vorarlberg betreut er im Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) in Feldkirch gemeinsam mit seinen Kollegen rund 500 bis 600 Menschen. Aber das in einer neuen Form, denn der direkte Kontakt zu den betreuten Menschen findet nur noch in Ausnahmefällen statt. „Wir arbeiten, wie viele andere auch, soweit möglich aus dem Homeoffice“, erklärt Fleisch. Für die Klienten steht man dabei telefonisch zur Verfügung, jetzt mit einem neuen Onlinetool. „Das Instahelp-Programm ist eine telemedizinische Plattform, bei der alles verschlüsselt abläuft“, erklärt der Sulner. Immerhin geht es ja um besonders sensible Daten. Bei den SpDis im Land, die von Pro Mente betreut werden, also in Dornbirn, Bregenz und Feldkirch, können die Menschen, mit einem Button direkten Kontakt herstellen. Das gilt auch für Menschen oder Angehörige, die in der aktuellen Situation, die psychisch sehr fordernd ist, an sich oder Mitmenschen psychische Veränderungen oder maßgebliche Verhaltensveränderungen feststellen. „Alle Anfragen werden schnellstmöglich beantwortet“, sagt Fleisch „Wir helfen dabei, an der richtigen Stelle Hilfe zu erhalten.“ Dafür gibt es ein interdisziplinäres Team, das sich um die Anfragen kümmert. Fleisch macht klar, dass es hier nicht zu allgemeinen Fragen rund um das Thema Corona gehe, sondern dass der Fokus klar auf der psychischen Gesundheit der Anrufer bzw. der Angehörigen liegt, wobei das natürlich im Zusammenhang mit der Epidemie stehen könne.

Das Tool kann aber noch mehr, es bietet einen verschlüsselten Chat und auch die Möglichkeit für eine Videkonferenz. Diese Geschichte ist beispielsweise mit einem Gespräch auf Instahelp entstanden. Fleisch unterstreicht, wie wichtig die Hilfe für psychische kranke Menschen gerade jetzt ist. „Viele unserer Klienten leiden an starken Ängsten, manche haben paranoide Gedanken“, berichtet der psychiatrische Krankenpfleger: „Das kann sich in einer Ausnahmesituation wie aktuell natürlich verstärken.“ Deshalb müsse man das Angebot möglichst breit weiterfahren, um zu verhindern, dass die psychischen Erkrankungen der Klienten akut werden. Denn dann würden die Betroffenen vielfach stationäre Aufenthalte benötigen, und damit die Ressourcen in den Spitälern belasten, die ja möglichst sparsam eingesetzt werden sollten.
Beruf, Studium, Familie
Neben der beruflichen Veränderung in Form einer rasch umgesetzten Digitalisierung der Hilfe hat die Coronakrise das Leben von Fleisch natürlich auch privat umgekrempelt. Zu Hause sind nun das Büro und die Familie (die Kinder sind 18, 14 und vier Jahre alt) rund um die Uhr präsent. „Es gilt, den Kindern eine gewisse Struktur zu geben und gleichzeitig die eigene Arbeit im Auge zu behalten.“ Neben seiner Arbeit studiert Fleisch Pflegewissenschaft. Hier laufe alles wie gewohnt weiter, das Studium ist als Fernstudium mit Online-Einheiten angelegt.
Fleisch holt sich die notwendige Distanz von der Arbeit bei seinen Hobbys: Spaziergänge mit der Familie, Fischen sowie zwei Pferde, die glücklicherweise im eigenen Garten in Sulz stehen. „Damit bekomme ich den notwendigen Ausgleich auch weiterhin.”
Marc Fleisch
Der pyschologische Gesundheits- und Krankenpfleger kümmert sich um Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Geboren am 25. Dezember 1984
Wohnort: Sulz
Familie: verheiratet, drei Kinder
Hobbys: Spazieren, Pferde, Angeln