Wie Grenzzäune in diesen Tagen Liebende trennen

Vorarlberg / 30.03.2020 • 16:00 Uhr
Wie Grenzzäune in diesen Tagen Liebende trennen
An der grünen Grenze bei Widnau: Ein Zaun trennt Birgit und Peter, die seit 18 Jahren ein Paar sind.

Birgit und Peter sind seit 18 Jahren ein Paar, leben aber nicht zusammen. Das wurde ihnen in der Corona-Krise zum Verhängnis.

Bregenz/Berneck Der 55. Geburtstag wird Peter immer in Erinnerung bleiben. „Der war wirklich ganz speziell“, sagt er. Der Schweizer, der in Berneck lebt, feierte seinen Ehrentag am 22. März. Es war ein kalter und windiger Sonntag, aber die Sonne schien vom Himmel. An diesem Tag verabredete er sich mit Birgit (55), seiner Lebensgefährtin aus Vorarlberg, an der grünen Grenze bei Widnau.

Das Paar, das seit knapp 18 Jahren zusammen ist, hatte sich zuletzt am 16. März in Bregenz gesehen. „Wir hatten das Wochenende zusammen verbracht. Am Montagmorgen fuhr Peter zurück in die Schweiz“, berichtet Birgit, die in Bregenz wohnt. Kurz darauf machten Österreich und die Schweiz wegen der Coronavirus-Pandemie die Grenzen dicht. „Peter und ich konnten uns jetzt nicht mehr gegenseitig besuchen. Wir konnten nur mehr miteinander telefonieren.“  

Grenze wird bewacht

Aber das Paar wollte unbedingt Peters Geburtstag gemeinsam feiern. Birgit war es auch wichtig, „dass ich meinem Schatz das Geburtstagsgeschenk übergeben kann“. Also traf man sich an Peters Ehrentag am Grenzübergang Widnau. „Er war geschlossen. Auch die grüne Grenze war geschlossen. Es waren Absperrgitter und Verbotsschilder aufgestellt und Bänder angebracht. Außerdem beobachteten Grenzpatrouillen auf der österreichischen und schweizerischen Seite die Grenze“, zeigt Birgit auf, dass die Grenze streng bewacht wird.

Da war die Welt für Birgit und Peter noch in Ordnung. Das Paar feierte im Oktober Birgits 55. Geburtstag.
Da war die Welt für Birgit und Peter noch in Ordnung. Das Paar feierte im Oktober Birgits 55. Geburtstag.

Das Paar hielt sich an die Regeln. „Jeder von uns blieb auf seiner Seite. Mich freute es ja schon, dass ich Peter überhaupt sehen konnte.“ Die 55-Jährige hatte Tee mitgebracht und einen Kuchen. Außerdem bekam Peter von Birgit ein Geburtstagsgeschenk. Dieser freute sich sehr über das gelbe Hemd.

„Meiner Seele hat es gutgetan, dass ich den Geburtstag mit meiner Lebensgefährtin feiern konnte.“

Peter

Wegen Corona hielt das Paar Abstand. „Wir haben uns nicht gedrückt und umarmt.“ Mehr als eine Stunde unterhielten sich die beiden, dann hieß es Abschiednehmen für eine unbestimmte Zeit. „Das war nicht schön. Denn Peter und ich sind sehr gern zusammen. Wir harmonieren sehr gut miteinander und streiten fast nie.“ Auch Peter schmerzte der Abschied. „Es tat richtig weh.“ Aber seiner Seele hatte es gutgetan, dass er seinen Geburtstag mit dem Menschen feiern konnte, der ihm am wichtigsten ist. Birgit drehte sich ein paar Mal nach ihrem Liebsten um. Erst als sie ihn nicht mehr sah, ging auch sie weg.

Inzwischen ist mehr als eine Woche verstrichen. Birgit hat ihren Lebensgefährten seither nicht mehr gesehen. Sie vermisst Peter, den sie vor der Corona-Krise jeden zweiten Tag sah, sehr. „Ich fühle mich einsam. Mir fehlen der persönliche Austausch und die gemeinsamen Freizeitaktivitäten.“ Auch Peter leidet unter der Trennung und hofft, „dass bald wieder der Normalzustand einkehrt und wir uns endlich wieder in die Arme nehmen können“.