Lehrer bekommen auch jetzt Überstunden bezahlt

Sogar Lehrervertreter Willi Witzemann ist das nicht recht. Aber der Erlass des Bildungsministeriums macht es möglich.
Bregenz, Wien Die Lehrer stehen bei der Bevölkerung derzeit hoch im Kurs. Eine große Mehrheit der Eltern gibt an, mit der jetzt möglichen schulischen Betreuung ihrer Kinder durch die Lehrer zufrieden zu sein. Digitale Lernplattformen und der Austausch von Lehrern mit ihren Schülern bzw. das Aufbereiten und Verteilen von Unterrichtsmaterialien funktioniert im Wesentlichen gut.
Geringere Belastung
Dennoch erreichen die Belastung und der Aufwand der Pädagogen für ihre Schüler nicht jenes Ausmaß wie beim regulären Unterricht. An den Schulen selbst wird außer dem Journaldienst kaum ein Pädagoge gebraucht, die Homeoffice-Betreuung der Schüler ist vom Aufwand her nicht mit normalen Unterrichtsstunden sowie deren Vor- und Nachbereitung zu vergleichen.
Trotzdem werden die Pädagogen auch in der Coronakrise nicht nur voll bezahlt, jene, die gewöhnlich Überstunden leisten, bekommen diese auch jetzt vergütet.
Keine Lehrerforderung
Im Erlass des Bildungsministeriums vom 12. März heißt es diesbezüglich: “Da die Dienstleistungen sowie der Unterricht und die Klassenstrukturen bis auf Weiteres aufrecht bleiben und lehramtliche Pflichten weiter wahrzunehmen sind, besteht vorerst weiterhin Anspruch auf die von den Lehrpersonen bezogenen dauernden Mehrdienstleistungen, Zulagen und Vergütungen.”
“Die Lehrervertretung hat die Bezahlung der Überstunden nicht gefordert.”
Willi Witzemann, Vorarlberger Pflichtschullehrervertreter
Die Weiterbezahlung der Überstunden auch in diesen Ausnahmezeiten versteht sogar Lehrervertreter Willi Witzemann (60) nicht. “Ich möchte klarstellen, dass das keine Forderung der Lehrervertretung war und wir keinen Anspruch auf die Bezahlung von Überstunden während dieser Ausnahmesituation erhoben haben. ” Es seien einige Kollegen auf ihn zugekommen, die sich skeptisch über diese Bestimmung gezeigt haben. “Es gibt viele von uns, die aus Solidarität mit anderen Menschen und zur Entlastung des Budgets auch vorübergehende Kürzungen des normalen Gehalts in Kauf genommen hätten”, sagte eine Pädagogin gegenüber den VN.
0,3 Prozent der Schüler in Betreuung
Laut Markus Juranek, Leiter der Präsidiale in der Vorarlberger Bildungsdirektion, sind in der jetzigen Situation die unmittelbaren Vorgesetzten der Lehrerinnen und Lehrer dafür zuständig, dass der Schulbetrieb auch ohne Schulbesuch möglichst reibungslos abläuft. Die Schulqualitätsmanagerinnen und -manager haben jederzeit für Auskünfte aller Art zur Verfügung zu stehen.
Zur Verfügung stehen werden Pädagoginnen und Pädagogen ausnahmsweise auch in den Osterferien. Für Kinder von Eltern in systemerhaltenden Berufen wird eine Betreuung eingerichtet. Der Bedarf wird zurzeit erhoben, genauso werden die Standorte der Betreuung in den jeweiligen Kommunen festgelegt. Eine extra Bezahlung gibt es für die arbeitenden Pädagogen in der Osterwoche nicht.
Die angebotene Schülerbetreuung wird derzeit in Vorarlberg nur sehr spärlich genutzt. “Am Dienstag haben 92 Schülerinnen und Schüler in Vorarlberg die schulische Betreuung in Anspruch genommen. Das sind 0,3 Prozent aller Pflichtschüler. Die meisten davon, insgesamt 80 Kinder, sind Volksschüler”, berichtet Elisabeth Mettauer, Kommunikationschefin der Bildungsdirektion Vorarlberg.