Zwei Ausbreitungspunkte in Nenzing

Vorarlberg / 23.03.2020 • 07:30 Uhr
Zwei Ausbreitungspunkte in Nenzing
Aus dem Nenzinger Zentrum darf niemand mehr hinaus und niemand darf mehr hinein (mit wenigen Ausnahmen). VN/STEURER

4000 Nenzinger dürfen ihren Ortsteil nicht mehr verlassen.

Nenzing Große Teile Nenzings stehen bis 3. April unter Quarantäne. Wie die Landesregierung am Samstag um 22.30 Uhr bekannt gegeben hat, sind der Ortsteil Beschling und das Zentrum abgeriegelt. Die Ortszufahrten wurden gesperrt und drei Kontrollpunkte eingerichtet. 4000 Menschen sind nun isoliert, sie dürfen auch nicht zur Arbeit außerhalb des Ortes fahren. Wer nicht in Nenzing wohnt, hatte bis Sonntagmittag Zeit, die Gemeinde zu verlassen, um sich zuhause 14 Tage in Quarantäne zu begeben.

In Nenzing haben sich die Fälle von positiven Tests zuletzt gehäuft. Die Situation sei am Mittwoch noch nicht abschätzbar gewesen. Am Dienstag waren sieben positiv getestete Nenzinger bekannt, am Mittwoch zwölf. Seit Donnerstag kann das Land bis zu 1000 Tests am Tag durchführen, womit es zu keinem Rückstau mehr kommt. Mehr Tests bedeuten allerdings auch mehr Erkrankte. In Nenzing stieg die Zahl bis Samstag auf 22 Erkrankte. Gemeinsam mit Bürgermeister Florian Kasseroler habe man sich angesehen, in welchen Ortsteilen sich die Erkrankten befinden, berichtet Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Nachdem die Landesregierung unter der Woche noch betonte, nach dem Arlberg keine weiteren Orte unter Quarantäne stellen zu wollen, kam am Samstag die Kehrtwende.

Lehrer aus anderen Gemeinden

Es gibt zwei Ausgangspunkte. Zum einen die Sportmittelschule Nenzing. Dort wurden, wie am Freitag die VN berichteten, Lehrer positiv getestet, worauf 300 Schüler in Quarantäne mussten. Nicht alle Lehrer arbeiten in Nenzing. „Das Kontaktmanagement hat gut funktioniert, das Virus hat sich in den anderen Gemeinden nicht verbreitet. Nur in Nenzing.“ Allerdings könnte es auch in anderen Gemeinden noch zu Fällen kommen.

Kontaktmanagement bedeutet: Bei jedem Infektionsfall wurden möglichst viele Kontaktpersonen eruiert. In der Walgaukaserne sitzen vier Amtsärzte. Sie haben die negativ Getesteten informiert, bei den positiv Getesteten übernahm der Landessanitätsdirektor die Benachrichtigung. Sieben Lehrer und ein Hauswart haben einen Anruf der Landessanitätsdirektion erhalten. Der zweite Ausgangspunkt ist der Arlberg. „Nenzing ist ja eine extrem Skisport begeisterte Gemeinden“, erzählt Bürgermeister Kasseroler. Viele hätten sich leider am Arlberg angesteckt. Dass das Zentrum und Beschling isoliert werden, habe er auch erst am Samstagabend erfahren. „Bevor die Maßnahme veröffentlicht wurde, hat mich der Landeshauptmann angerufen“, fährt er fort. Die Zufahrten sind technisch gesperrt worden, lediglich drei Kontrollpunkte bleiben offen. Er habe die Ortsteile nicht ausgewählt. „Aufgrund der Hotspots hat das Land die Bereiche festgelegt.“

Bürgermeister überrascht

Der Bürgermeister erzählt: „In dieser Geschwindigkeit war die Entscheidung überraschend. Ich habe eigentlich nicht damit gerechnet.“ Er verstehe den Schritt aber. „Die konkreten Auswirkungen haben sich nicht großartig verändert. Die Einschränkungen gibt es ja schon. Betroffen sind eigentlich nur jene, die außerhalb der Gemeindegrenze arbeiten.“ Die Bevölkerung setze die Ausgangsbeschränkungen diszipliniert um. Kinder haben sich bisher nicht infiziert. Zwar wurden laut Rüscher einige Schüler getestet, allerdings ist bisher kein Fall bekannt. Das liege unter anderem daran, dass 300 Schüler ab dem Moment zuhause bleiben mussten, als der erste Fall bekannt wurde. „Es kann auch sein, dass sie es haben und nicht merken.“

Das gelte übrigens für das ganze Land. „Wir haben schon einige Kinder im ganzen Land getestet. Aber noch war niemand positiv“, hat die Gesundheitslandesrätin auch gute Nachrichten parat.