Auf eigene Faust: Heilfroh wieder daheim zu sein

Zur Not wäre Philipp Hofer mit dem Boot eines Freundes von Gran Canaria in Richtung Europa gesegelt.
Gran Canaria “Wir saßen wie auf Nadeln, um von Gran Canaria wieder nach Hause zu kommen”, erzählt der Lustenauer Personalvermittler Philipp Hofer (44) im Whatsapp-Call. “Wir wollten so gerne den Karneval auf Gran Canaria anschauen, der wurde durch die Coronapandemie abgesagt.” Zur Situation auf der Insel erzählt er: “Wir hatten am 11. März beim Einkaufen bereits Einweg-Handschuhe genommen. Reinigungsmittel, Handschuhe sowie Klopapier waren vergriffen – die Spanier haben Hamsterkäufe gemacht. Man konnte in Spanien nur noch 200 Euro pro Tag abheben”, schildert er.
Am Samstag, 14. März, war Philipp Hofer mit meiner Frau Doris (32) und der dreieinhalbjährigen Tochter Marie in einem Tierpark auf der Insel, doch seinen Blick konnte er aufgrund der sich überschlagenden Meldungen rund um die Coronapandemie nicht vom Handy lassen. Im sonst bei Touristen beliebten Park waren nur wenige Menschen unterwegs. “Ich habe immer wieder die Medien gecheckt, um an neue Informationen zu kommen, ob es in Spanien eine Ausgangssperre geben und vielleicht unsere Rückreise gefährdet sein würde.” Der Familienurlaub auf Gran Canaria war eigentlich bis zum 24. März gebucht.
Suche nach Flugtickets
Der Lustenauer verfolgte verschiedene Facebookseiten – auch von Gran Canaria. “Ich wollte einfach informiert sein.” In der Nacht auf Sonntag sollte ab Mitternacht die Ausgangssperre in Kraft treten. “Ich habe uns noch am Samstag in der APP des österreichischen Außenministeriums angemeldet und eingetragen. Zudem mit der WKO telefoniert, welche Branchen noch arbeiten dürfen, da meine Firma im Lustenauer Millenniumpark ansässig ist.”
Am Sonntag (15. März) hat er im Außenministerium angerufen. Es werden, so die Aussage einer Mitarbeiterin, zunächst die Pauschalreisenden heimgeholt. Man solle sich, da die Familie Hofer nicht als Pauschaltouristen reisen, auf ein “worst case” gefasst machen, länger auf der Insel zu bleiben. Sie sollten versuchen selbst eine Rückreise zu organisieren, denn sie könne derzeit nicht weiterhelfen, erinnert er sich an das Telefongespräch. Am Sonntagvormittag habe die Suche nach möglichen Flügen begonnen. “Wir haben alle Plattformen durchforstet, auf den Seiten der Reisebüros geschaut – es gab keine Flüge zu buchen. Dann die Frage, an welchem Flughafen dürfen wir überhaupt landen?”
Zur Not mit dem Boot
“Eine Notlösung war auch das Boot eines Freunden, das in Gran Canaria liegt”, sagt Hofer, der einen Hochseesegelschein besitzt. Zur Not wollte er mit dem Schiff zurück ins Mittelmeer segeln. “Die Windvorhersagen waren allerdings schlecht. In Richtung Portugal wären wir drei Wochen unterwegs gewesen.” Am Montag, 16. März, standen “im Supermarkt die Kunden bereits bis zur Tür. Der Einlass wurde per Blockabfertigung geregelt, die Strände wurden gesperrt, Helikopter kreisten, das Militär marschierte ein, um Schlüsselplätze gegen Plünderungen zu schützen, das Rote Kreuz war vor Ort. Was ich von anderen Touristen mitbekam war, dass das WLAN in vielen Hotels ausgeschaltet wurde”, berichtet er.
Doch in Krisen-Zeiten gibt es auch viel unkomplizierte Hilfsbereitschaft: “Ich konnte nicht buchen, aber Helbling Reisen im Schweizer Gossau war sehr hilfsbereit. Er konnte uns Flüge über Barcelona organisieren”, freut er sich über seinen BNI-Unternehmernetzwerk-Kontakt. Es sei ein komisches Gefühl beim Landeanflug auf Barcelona gewesen, keine Autos bewegten sich, alle Flieger waren am Boden. “Wir mussten nochmal das Gepäck in Richtung Zürich aufgeben und unsere Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz zeigen. Als wir am Mittwoch spätnachmittags in Zürich gelandet sind, haben wir dann das Mail vom Außenministerium bekommen. Man hätte nun einen Flug.” Er habe sofort das Mail geschrieben, dass die Familie bereits zuhause sei. “Nun habe ich am Freitag nochmal eine Mail vom Außenministerium bekommen, dass, wenn man es noch nicht geschafft habe, am nächsten Tag in Teneriffa ein Flug gehen würde. Es scheint alles drunter und drüber zu gehen.”
Sie hatten das Glück, da sie ihren Wohnsitz in Au (CH) haben, in die Schweiz einreisen zu können. “Das hätte sonst nicht geklappt. Uns geht es zuhause gut, wir haben einen Garten, in dem Marie spielt. Wir brauchten auch nicht einkaufen, weil wir eine gut gefüllte Speisekammer haben”, so Hofer, zufrieden wieder in seiner Heimat zu sein.