Wie einem Lehrer in Corona-Zeiten die Grenze zu schaffen macht

Vorarlberg / 23.03.2020 • 09:00 Uhr
Wie einem Lehrer in Corona-Zeiten die Grenze zu schaffen macht
Hanno Klocker bereitet für seine Schüler das Lernmaterial für die kommenden Wochen vor. KLOCKER

Hanno Klocker weiß nicht, wie lange er noch an seine Schule in die Schweiz kommt.

Mäder Bisher war der Grenzübertritt für Hanno Klocker keine langwierige Sache. Doch inzwischen muss sich der Lehrer, der täglich an seinen Arbeitsplatz in die Gemeinde Goldach pendelt, am Morgen in Geduld üben. Seit etwas über einer Woche greifen nämlich die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Dies bedeutet, dass die Grenzkontrollen zwischen Vorarlberg und der Schweiz begonnen haben. Dazu kommt, dass in der Nacht auf Mittwoch die acht kleineren der insgesamt 14 Grenzübergänze zur Schweiz geschlossen worden sind. Dies bedeutet, dass es für den Berufspendler zu Wartezeiten kommt. Am ersten Tag habe er eine halbe Stunde am Grenzübergang Mäder gewartet. „Die Schweizer Zöllner kontrollieren kurz. Sie verlangen nur den Pass und die Grenzgängerbewilligung“, erklärt der Mäderer. Aber diese kurze Kontrolle reiche aus, um den Grenzverkehr zum Stocken zu bringen. Der Grenzübertritt vom schweizerischen Kriessern nach Mäder hingegen habe sich nur um einige Minuten verzögert, erzählt der 44-Jährige, der seit 16 Jahren als Lehrer in der Schweiz arbeitet. Er überlegt sich schon, mit dem Fahrrad an seinen Arbeitsplatz zu fahren, um sich die morgendliche Warterei an der Grenze zu ersparen. „Ich brauche mit einer Stunde Fahrzeit genauso lange mit dem Fahrrad als derzeit mit dem Auto. Dafür bin ich nicht im Stau gestanden und habe Sport inkludiert.“

Vorbereitungen für Distanzunterricht

Auch in der Schweiz wurde das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Alle Geschäfte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wurden bis zum 19. April geschlossen. Auch die Schulen sind zu. Trotzdem fährt Hanno Klocker noch täglich an seinen Arbeitsplatz. Die vergangenen Tage hätten er und seine Lehrerkollegen der Primarschule Bachfeld das Lernmaterial für den Distanzunterricht zusammengestellt. „Wir haben am Vormittag Anwesenheitspflicht und sitzen im Konferenzzimmer. Natürlich wahren wir Abstand untereinander“, schildert der zweifache Familienvater. Die Schule hat zwar auch Kinderbetreuung angeboten, aber bisher habe kein Elternteil Bedarf angemeldet.

Grenzübertritt in Zukunft

Der Lehrer einer Einführungsklasse hat seinen Schülern mehr Lernmaterial mitgegeben. „Ich habe Material bis nach Ostern vorbereitet. Zum einen ist es Material zum Wiederholen. Zum anderen weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickelt und ich dann noch über die Grenze komme“, ist der Lehrer nachdenklich. Die angedachte Einführung eines Fernunterrichts sieht er in seinem Fall eher kritisch. Er unterrichtet eine Art Vorschulklasse, in der in zwei Jahren der Stoff der ersten Klasse Volksschule gelehrt wird und arbeitet mit viel Anschauungsmaterial wie beispielsweise Bauklötzen. „Wir werden uns was überlegen müssen. Aber wir werden es schon hinbekommen“, ist der Mäderer optimistisch.