Senioren agieren oft leichtsinnig

Vorarlberg / 20.03.2020 • 09:00 Uhr
Senioren agieren oft leichtsinnig
Werner Braun schützt sich mit Hilfe von Plexiglasscheiben gegen die Virenbedrohung. Er wünscht sich, dass auch die älteren Kunden besser auf sich aufpassen. VN/Paulitsch

Apotheker appelliert, bei Medikamentenbedarf Nachbarschaftshilfe oder Zustelldienst in Anspruch zu nehmen.

Bregenz In der Stadtapotheke von Werner Braun (55) ist es ruhiger geworden. Seit sich die Coronakrise so massiv ausgebreitet hat, werden Kunden nur noch in limitierter Zahl eingelassen. Gerade werden zwei von den mittels Plexiglas geschützten Mitarbeitern bedient. „Schon wieder ist eine ältere Person da“, registriert der Pharmazeut kopfschüttelnd und fragt sich, warum gerade die besonders durch das Coronavirus gefährdete Gruppe so wenig auf die Appelle, zu Hause zu bleiben, acht gibt.

Noch immer sind rund die Hälfte der Kunden, die täglich seine Apotheke aufsuchen, Personen über 65. Ein Stück weit kann er verstehen, dass viele die vielleicht einzige Möglichkeit, wenn auch nur kurz unter Leute zu kommen, nützen wollen. Doch alle Maßnahmen seien vorrangig auf den Schutz der alten Menschen ausgerichtet und darauf, dass sie im Ernstfall ein funktionierendes Gesundheitssystem vorfinden. Deshalb sein Appell, bei einem Medikamentenbedarf doch auf Nachbarschaftshilfe oder den für den Notfall vorgesehenen Zustelldienst der Apotheken zurückzugreifen. „Es wird niemand vergessen“, beruhigt er.

Grenzwertige Kampagne

Werner Braun hält aber auch die laufende Informationskampagne des Bundes teilweise für grenzwertig. Als Beispiel nennt er die Oma, die zwar versichert, dass sie ihre Enkel derzeit nicht sehen will, aber: „Dann sollte sie gleich dazusagen, dass sie auch nicht in die Apotheke, zum Lebensmittelhändler oder zur Post geht, sondern jemand anderer das für sie erledigt.“ Braun hat diesbezüglich schon bei Bundesstellen interveniert. Es sei ihm versprochen worden, sich die Sache genau anzuschauen.

Der Apotheker macht darauf aufmerksam, dass Rezepte derzeit telefonisch beim Hausarzt angefordert werden können und auch nicht selbst in die Apotheke gebracht werden müssen. Der Kunde sollte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Apotheke aber informieren, dass jemand das Medikament abholt oder eine Zustellung erforderlich ist, weil keine andere Möglichkeit besteht.