“Wie leergefegt”: Lustenauer im Silicon Valley

Vorarlberg / 19.03.2020 • 13:00 Uhr
"Wie leergefegt": Lustenauer im Silicon Valley
Ralf Lampert berichtet Im VN-Gespräch von den Auswirkungen der Coronapandemie in der Bay Area rund um San Francisco.

Der Lustenauer Ralf Lampert berichtet, wie sich die zehn Millionen Einwohner zählende Bay Area durch die Coronapandemie veränderte.

San Francisco, Schwarzach “In San Francisco, Kalifornien, hat sich die Situation zu Corona in den letzten Wochen extrem schnell entwickelt. Die führenden Tech-Unternehmen in der Bay Area und dem Silicon Valley haben aufgrund der sich anbahnenden Coronakrise bereits vor einigen Wochen angefangen, bei ihren Mitarbeitern internationale Reisen zu unterbinden und Homeoffice anzubieten”, so Ralf Lampert (38), der mit seiner Frau Mara seit Anfang 2018 in San Francisco, Kalifornien, lebt. Er hat ein Bauingenieursstudium an der technischen Universität Wien absolviert und arbeitet beim Ansys-Konzern im Bereich von physikbasierter Computersimulation. So berichtet der Lustenauer  weiter im “Facetime”-Call: “Die Inlandsreisen wurden ebenfalls minimiert. Die meisten Meetings finden seit einiger Zeit mit Videochat statt. Was bei den richtungsgebenden Maßnahmen der Regierungen in dieser Krise fehlt, haben die großen US-Tech-Konzerne, besonders die Bay Area, übernommen”. Es herrsche praktisch kein Verkehr auf dem Weg zur Arbeit. “Ich arbeite seit Längerem schon im Homeoffice. Jeder der kann, arbeitet zu Hause, was im Computerbusiness ohne große Hindernisse gut funktioniert. In den letzten Tagen waren noch einige Meetings geplant, wurden allerdings in den letzten zwei Wochen gecancelt, denn wer kann, bleibt zu Hause.” Zehn Millionen Menschen leben und arbeiten in der Bay Area, “daher ist es den Firmen zu verdanken, dass die Corona-Pandemie bis jetzt hier nicht größer hochgeschwappt ist”. Seit Dienstagmitternacht ist “shelter in place” in der Bay Area ausgerufen, also jeder muss zu Hause bleiben, nur wer einkaufen und zur Arbeit muss, darf noch raus. “Spazierengehen ist mit zwei Metern Abstand noch erlaubt”, ergänzt er.

Seit Dienstagmitternacht ist “shelter in place” in der Bay Area ausgerufen.

Ralf Lampert, physikbasierte Computersimulationen

Rückgang beim öffentlichen Verkehr BARTS

Bei seiner Frau Mara ist auf dem Weg zur Arbeit normalerweise extrem viel los und jetzt spürbar weniger. Chinatown sei auch schon total ausgestorben, der Tourismus in San Francisco eingebrochen. Alles, was mit China zu tun hatte, wurde als Erstes gemieden. Kalifornische Medien berichten, dass beim BART, dem Bay Area Rapid Transit, dem öffentlichen Verkehrsmittel, ein Rückgang von bis zu 61 Prozent registriert wurde. “In allen Bürogebäuden und Eingängen werden Desinfektionsmittel bereitgestellt. Aber es herrscht keine Panik. Schutzmasken sind nicht wirklich ein Thema, zumal von der Regierung die Information gestreut wurde, dass Schutzmasken keinen positiven Effekt gegen Corona haben.” Hamsterkäufe gäbe es hier auch, Klopapier und Desinfektionsmittel und haltbares Essen würden vermehrt gekauft werden. “Die günstigeren Supermärkte sind eher leer gekauft als die teureren.”

Aber es gäbe noch keine Engpässe. “Das Silicon Valley und die Bay Area sind in einer besseren Situation, wir haben mehr Spitäler und eine bessere Infrastruktur. Größere Veranstaltungen wie NBA-Spiele sind bereits abgesagt.” Der „farmers market“ findet laut Lampert aber immer noch statt. Die Menschen sind im Allgemeinen etwas vorsichtiger geworden. Flugzeuge und Flughäfen seien seit längerer Zeit leer. Es seien, so Lampert, noch extrem wenige auf eine Covid-19-Erkrankung getestet worden: “Viele sind hier unsicher bezüglich der Behandlungskosten.”