Coronavirus – Flucht aus London aufs Land

Vorarlberg / 19.03.2020 • 21:00 Uhr
Coronavirus - Flucht aus London aufs Land
Als “Creative” wird die Architektin und Designerin durch die Coronakrise von ihrem Ersparten leben müssen.

Schwarzacherin berichtet aus einem London, das die Warnungen ignoriert.

London “Viele Bekannte versuchen aus der Stadt aufs Land zu fliehen”, berichtet die Schwarzacherin Sofia Hagen (37), die seit vielen Jahren in London lebt und arbeitet. Sofias pflegebedürftige Mutter wird in Schwarzach derzeit von zwei 24-Stunden-Pflegerinnen betreut – eine der Pflegerinnen kann aufgrund der Coronapandemie nicht in ihre Heimat zurück. “Bis zu Beginn dieser Woche war Corona in London hauptsächlich durch internationale Medien präsent. Das kulturelle und kommerzielle Leben ging weiter wie bisher, ich war am Wochenende in Ausstellungen und hatte Meetings, man meidet Händeschütteln. Ich bekam in diversen Museen eine Dosis ‘hand sanitizer'”, berichtet sie.

Seit Montag habe sich die Stimmung rasant verändert, vorwiegend durch die Tatkraft Einzelner, weniger durch offizielle Maßnahmen, kritisiert sie. Londoner blieben von sich aus Events fern, Straßen und Geschäfte leerten sich. “Am Dienstag schlossen Museen, es wurde geraten, daheim zu arbeiten, abends gingen viele in den Pub.” Die Stimmung der Londoner “begann sich, gegen Boris Johnsons Strategie der Herdenimmunität, ‘Keep Calm and Carry on’ zu wenden.” Die englischen Kollegen schienen im Gegensatz zu den Europäern die Coronapandemie gelassener zu nehmen, planten Wochenendtrips und Opernbesuche. “Ich fahre seit einer Woche nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, gehe zu Fuß und meide Menschenansammlungen. Die Londoner Wirtschaft wird derzeit erschlagen. Meine Projekte sind verschoben, die meiner Freunde im Event-, Hospitality- und Marketingbereich abgesagt. Kein Freelancer hat einen Job, viele Mitarbeiter wurden entlassen”, so die Schwarzacherin. Staatliche Hilfe gäbe es keine. Die Kultur- und Eventszene breche ein und die Dynamik Londons gleiche einem Tiefschlaf. “Unter 70 Jahren würde man nicht untersucht werden, egal wie gravierend die Symptome sind, viele wissen gar nicht, ob sie Corona haben.” Es gäbe keine klaren Regeln, ob es einen Shutdown gibt, weiß sie nicht, bis auf einige U-Bahn-Stationen und Schulen ab Freitag. “Ich werde aufs Land ziehen, ins Elternhaus meines Freundes. Wenn ich schon auf der Insel bin, ist das die beste Option – bis auf Weiteres!”