Telefonnetz leidet unter Home Office und Isolation

Vorarlberg / 17.03.2020 • 17:00 Uhr
Telefonnetz leidet unter Home Office und Isolation
APA

Die neue Arbeits- und Lebenssituation schlägt sich auch im Mobilfunknetz nieder.

Schwarzach Wer kann, arbeitet von zu Hause aus. Da Besuche gerade bei der älteren Generation nicht mehr möglich sind, weicht man hier aufs Telefon aus – und auch beruflich wird mehr telefoniert, sei es mit Geschäftspartnern oder den Kollegen im Home Office. Dies spürt man auch am Mobilfunknetz: Am Dienstagvormittag gab es verstärkt Meldungen zu Störungen im Funknetz.

Auslastung verändert sich

“Wir sehen derzeit ein All-Time-High bei der Telefonie im Magenta Netz und nur leichtes Wachstum bei Daten”, bestätigt Peter Schiefer von Magenta. Es gab daher am Vormittag vereinzelt Probleme mit Telefonieabbrüchen. Die Probleme habe man jedoch im Verlauf des Vormittags gelöst, vereinzelte Beeinträchtigungen könne man jedoch nicht ausschließen. Bei A1 sieht man eine Verdoppelung der vertelefonierten Zeit, man sei aber gut vorbereitet und habe noch Ressourcen. “Wir gehen von einer leichten Verlagerung Richtung Mobilfunknetz aus, sind aber sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz sehr gut gerüstet und haben ausreichend Kapazitäten”, betont Unternehmenssprecherin Livia Dandrea-Böhm. “Aktuell merken wir eine Zunahme der Sprachtelefonie von rund 50 Prozent und eine ca. fünfzehnprozentige Zunahme der Datennutzung im Vergleich zur Vorwoche”, bestätigt Tom Tesch von Drei. Auffällig seien viele und längere Gespräche als üblich. Üblicherweise würde die Datennutzung im Frühjahr durch das gute Wetter eher zurückgehen, durch die Selbstisolierung sei dies nun nicht der Fall. Das Gros der Datennutzung falle aber auf Streamingdienste, dies könne gerade am Abend zu einer örtlich stärkeren Auslastung des Netzes führen.

Bewegungsprofile von Handynutzern

Laut Medienberichten nutze die Bundesregierung auch Bewegungsprofile der Handynutzer, um den Erfolg der Maßnahmen zu kontrollieren, bereitgestellt durch A1 und einem Spin Off-Unternehmen der TU Graz. “Mit diesen Daten ist es möglich, die Bewegungsströme von Menschengruppen in 20er-Schritten zu visualisieren”, erklärt Dandrea-Böhm gegenüber den VN. So könne man verfolgen, welche Sehenswürdigkeiten besonders oft besucht würden oder in welcher Reihenfolge. Dies sei vollständig DSGVO-konform und vom TÜV geprüft, man könne nicht auf einzelne Personen schließen, sondern immer nur auf Gruppen von je 20 Personen. So wäre eine Aussage möglich wie, dass sich bis zu 40 Personen an einem Ort aufgehalten hätten. Kritiker betonen, dass eine Anonymisierung von Bewegungsprofilen höchst schwierig sei und hinterfragen, ob diese Weitergabe rechtlich gedeckt ist.

Magenta habe grundsätzlich vergleichbare Möglichkeiten, solche anonymisierte und DSGVO-konforme Nutzerstromanalysen bereitzustellen. “Die digitale Erhebung von anonymisierten Besucherstromanalysen ist nicht neu und in der aktuellen, außergewöhnlichen Situation kann sie ein positives Instrument im Sinne des Gemeinwohls sein, um die Reduktion der sozialen Kontakte zu messen”, erklärt Schiefer. Entsprechende Anfragen durch Behörden gebe es jedoch noch keine.